Untersuchung des „Geburtenverhaltens“
Mangelware Kinder

Erstmals hat das statistische Bundesamt das „Geburtenverhalten“ von Frauen zwischen 16 und 75 in und außerhalb von Ehen untersucht. Das Ergebnist ist ernüchternd: Vor allem im Westen sinkt bei Besserqualifizierten die Bereitschaft zur Familiengründung.

BERLIN. In Deutschland bleiben immer mehr Frauen kinderlos. Besonders hoch ist der Anteil der Kinderlosen in den gehobenen Bildungsschichten Westdeutschlands. Dort dominiert im übrigen bundesweit mit einem Anteil von 63 Prozent die Ein- und Zweikindfamilie. Mehr als zwei Kinder leisten sich mit einem Anteil von 26 Prozent vor allem Frauen mit niedrigem Bildungsstand.

Das sind zentrale Ergebnisse einer Repräsentativerhebung, mit der das Statistische Bundesamt erstmals das „Geburtenverhalten“ aller in Deutschland lebenden Frauen zwischen 16 und 75 in und außerhalb von Ehen untersucht hat.

Noch vergangene Woche hatte das gleiche Amt geradezu euphorische Reaktionen mit der Meldung ausgelöst, zwischen Januar und September seien erstmals wieder mehr Kinder als in einem Vorjahr geboren worden. Etliche Experten wollten darin schon ein Indiz dafür sehen, dass das erst im Januar eingeführte Elterngeld bereits zu einer Trendumkehr bei der Geburtenmüdigkeit der Deutschen geführt habe.

Die neue Untersuchung, die allerdings nur die Geburtenentwicklung bis Ende 2006 umfasst, sorgt nun für eine gewisse Ernüchterung. Denn sie bestätigt, was die Familienwissenschaftler schon seit Jahren zum Thema Geburtenmüdigkeit der Deutschen diagnostizieren. Jede fünfte Frau zwischen 40 und 49 Jahren hat keine Kinder, bei den 35- bis 39-Jährigen ist es jede vierte und bei den 30 bis 35-Jährigen Frauen sind bislang sogar 41 Prozent kinderlos. Da viele Frauen zwischen 30 und 34 erstmals Mutter werden, kann sich vor allem an letzterer Quote noch etwas zum besseren wenden. Doch weist der Trend eindeutig in Richtung wachsende Kinderlosigkeit.

In engem Zusammenhang zur aktuellen Diskussion um mehr Kinderschutz steht der zweite zentrale Befund der Erhebung: Zwei und mehr Kinder leisten sich in Deutschland vor allem Frauen mit einem niedrigen Bildungsstand (63 Prozent der 40 bis 75-Jährigen). Bei einem mittleren Bildungsstand (abgeschlossene Berufsausbildung) liegt diese Quote bei 57 Prozent, bei den Akademikerinnen bei 53 Prozent. 21 Prozent der Akademikerinnen über 40 sind kinderlos und werden es aller Voraussicht nach auch bleiben. Bei den unter 40-Jährigen liegt die Quote noch höher. Allerdings ist hier die Tür zur Familiengründung biologisch noch nicht endgültig geschlossen.

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