Untersuchungsausschuss
Euro-Hawk Projektleiter verteidigt späten Drohnen-Stopp

Rückendeckung für de Mazière: Der Euro-Hawk Projektleiter meint, dass die Aufklärungstechnik weiter genutzt werden kann und deshalb nicht alles umsonst war. Doch ob das weitere Kosten verursachen wird, ist noch offen.
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BerlinDer „Euro Hawk“-Projektleiter im Rüstungs-Bundesamt hat den späten Stopp des Beschaffungsprogramms für die Aufklärungsdrohne verteidigt. Im Untersuchungsausschuss des Bundestags verwies Rüdiger Knöpfel am Dienstag darauf, dass damit eine weitere Nutzung der Aufklärungstechnik ermöglicht wird. Die Opposition wirft Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) vor, das „Euro Hawk“-Projekt zu spät gestoppt zu haben und damit Steuergelder in großem Ausmaß verschwendet zu haben.

„Hätten wir vor einem Jahr abgebrochen, dann hätte ich gar nichts gehabt“, betonte der Projektleiter Knöpfel. Allerdings räumte er ein, dass noch kein belastbares Urteil über die Funktionsfähigkeit der vom europäischen Luftfahrtkonzern EADS entwickelten Aufklärungstechnik Isis möglich sei. Dafür wurden bereits rund 250 Millionen Euro ausgegeben, insgesamt kostete das ganze „Euro Hawk“-System den Steuerzahler bereits mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Das Verteidigungsministerium hatte bei dem Drohnen-Projekt im Mai wegen massiver Zulassungsprobleme und einer drohenden Kostenexplosion die Reißleine gezogen. Die Erprobung des „Euro Hawk“-Prototypen wird aber bis Ende September fortgeführt, damit die Aufklärungstechnik gegebenenfalls in einem anderen bemannten oder unbemannten Flugzeug weitergenutzt werden kann. Wie teuer der Wechsel zu einem anderen System wäre, konnte Knöpfel nicht sagen. Er ist seit März 2011 Projektleiter im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.

Das Verteidigungsministerium hatte bisher den Eindruck vermittelt, dass kein Zweifel mehr an der Funktionstüchtigkeit von Isis besteht. Die Aufklärungstechnik sei „wahrscheinlich das Beste, was es auf der Welt gibt“, hieß es im Mai unmittelbar nach dem Abbruch des Projekts aus der Leitungsebene des Ministeriums. Als alternative Trägersysteme für Isis kommen die israelische Drohne „Heron TP“ und das bemannte Flugzeug Airbus A319 in Frage.

Knöpfel hält den „Euro Hawk“ weiterhin für ein brauchbares System. „So wie es zurzeit da ist, wenn es denn zugelassen werden könnte, wäre es ein gutes System.“ Der zweite Zeuge des Tages, Wolfgang Steiger von der für die Zulassung von Luftfahrzeugen zuständigen Wehrtechnischen Dienststelle, hält es theoretisch sogar noch für möglich, dass der Prototyp in den Einsatz nach Afghanistan geschickt wird. „Ich hielte das nicht für ausgeschlossen“, sagte er. Dazu müsse aber das Einsatzkonzept geklärt werden. Auch die derzeit in Afghanistan von der Bundeswehr eingesetzte israelische „Heron“-Drohne hat wie der „Euro Hawk“ nur eine vorläufige Verkehrszulassung.

Der Untersuchungsausschuss des Bundestags soll klären, was bei dem Projekt schief gelaufen ist und wer die Verantwortung trägt. Die Zeugenvernehmung hatte am Montag begonnen und soll bis kommenden Mittwoch fortgesetzt werden. Insgesamt sollen 19 Zeugen befragt werden, darunter Verteidigungsminister de Maizière.

De Maizière wollte sich am Dienstag nicht zum Vorwurf des früheren Ressortchefs Rudolf Scharping (SPD) äußern, er habe sich im Ministerium unzureichend über das Milliardenprojekt informiert. „Ich bin Zeuge im Untersuchungsausschuss. Ich werde nächsten Mittwoch befragt und werde auch eine entsprechende Stellungnahme abgeben“, sagte er am Dienstag bei einem Besuch in Stuttgart.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Im übrigen weise ich darauf hin, dass die neue Überwachungskrankheit voll im Aufbau ist. Drohnen für den Haus,-und Wirtschaftsbereich. Hier boomt das Geschäft bereits und wenn sie ein leichtes surren hören über ihren Kopf, könnte es ein Drohne vom Job Center sein. Das wird noch mehr ausufern als Drachen steigen. Das schlimme ist, solange
    die Drohnen 100m Höhe nicht übersteigen, sind sie Flug,-und Zulassungswürdig für den Deutschen Luftraum.
    Arme Euro Hawk leider nicht.

    Hier wird es auch Zeit am Anfang über die gefahren zu berichten. Ein schönens Thema mit Aufregung für die Medien. Aber erst Angela Merkel fragen ob das geht:

  • Die bundesweite Verar... geht munter weiter. Stellen sie sich vor, sie bestellen ein Auto und als es geliefert wird,
    sagt man ihnen, es ist nicht zugelassen für den Strassenverkehr. Dann kommt die Aussage, sie hätten sagen sollen, dass Fahrzeug muss für den Strassenverkehr zugelassen werden und nicht soll für den Strassenverkehr zugelassen werden. Das ist ein Unterschied.

    Wie "Dumm "muss ein Scharping sein, der am Anfang einer
    Bestellung steht und nicht klar macht, was diese Drohne alles können und dürfen muß. Das ist bei jeden Geschäft Pflichteil. Ich gehe auch nicht in das Werk von VW um zu sehen ob mein Auto richtig zusammen gebaut wird. Schliesslich weis ich, dass alles Funktioniert und Strassentauglich ist.

    Hoffentlich greift endlich die Presse ein, um das Theater
    zu beenden.

  • Drohnen? Aus meiner Sicht die Fehlentscheidung von Experten! Drohnen sind stille, leise Fluggeräte mit min. Ausmaßen und keine fliegende Hochhäuser wie man sieht. Wieder dürfen experten ungestraft Gleder verschwenden! Wann werden endlich Höchststrafen(Gefängnis, Geld, Ehrenrechte usw.) für diese "Experten" festgeleg? "Experten" schaden der Menschheit, liest/hört man die Medienberichte, nur noch!

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