Untersuchungsausschuss
Union gibt Jung zum Abschuss frei

Auch nach seiner Rechtfertigung im Bundestag zum Luftangriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan steht der frühere Verteidigungs- und jetzige Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung (CDU) unter wachsendem Druck – selbst bei eigenen Parteifreunden. Nach Aussage des CDU-Außenpolitiker Mißfelder unterstützt die Unions-Bundestagsfraktion den von der Opposition geforderten Untersuchungsausschuss.
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HB BERLIN. „Da muss noch mehr (von Jung) kommen“, sagte auch der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Ernst-Reinhard Beck (CDU). Die Erklärung von Jung vom Donnerstag sei noch „ergänzungsbedürftig“. Es gelte aber „Sorgfalt vor Eile“.

Es sei auch Aufgabe der Union, die Fragen zu dem umstrittenen Angriff auszuräumen und die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung zu stärken, ergänzte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder im Deutschlandfunk. Einen Rücktritt des jetzigen Arbeitsministers und früheren Verteidigungsministers Franz Josef Jung (CDU) lehnte er ab. In Jungs Ministerium sei es zu einer Informationspanne gekommen, für die Bundeswehr-Generalsinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert bereits die politische Verantwortung übernommen hätten, sagte Mißfelder. Eine solche Panne dürfe nicht passieren. Dennoch gelte, „dass wir solidarisch sind untereinander und die Erklärung von Franz Josef Jung eine Erklärung ist, die wir so akzeptieren“. Deshalb könne Jung auch weiter im Amt bleiben.

Der Verteidigungsausschuss des Bundestages befasst sich heute in einer Sondersitzung mit dem Angriff auf zwei Tanklaster nahe dem afghanischen Kundus, bei dem Anfang September auch Dutzende Zivilisten ums Leben kamen. Rede und Antwort wird der jetzige Arbeitsminister Jung in der Sondersitzung des Ausschusses aber nicht stehen. Dies übernahm sein Amtsnachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Er sagte in der Sitzung nach Teilnehmerangaben, ihm seien insgesamt zehn wichtige Dokumente vorenthalten worden. Davon stammten acht aus der Zeit vor der Bundestagswahl am 27. September. Fünf davon hätten einen Bezug zu zivilen Opfern gehabt.

Bei dem am 4. September von einem deutschen Oberst angeordneten Luftangriff nahe Kundus waren bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass die Bundeswehr selbst kurz nach dem Angriff Angaben zu zivilen Opfern geliefert hat, diese aber nicht öffentlich gemacht wurden. Die Bundesregierung hatte stets offen gelassen, ob es zivile Opfer gab. Jung erklärte am Donnerstag, er habe diesen Bericht der in Kundus eingesetzten Feldjäger „am 5. oder 6. Oktober“ ohne konkrete Kenntnis über den Inhalt an die Nato weitergeleitet.

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  • Sehen Sie, Franz Josef Jung hat reagiert. Korrekt, unverschnörkelt und unkompliziert, ohne an seinem Sessel zu kleben. Merkel hätte ihn niemals als Verteidigungsminister benennen sollen. Dies ist nicht sein Metier. Sein Metier war das Gebiet, das
    er als Arbeitsminister sehr gut gemeistert hätte.
    Dumm gelaufen. Jetzt sollte die CDU hinter ihm stehen, und ihm eine andere Aufgabe zuordnen. Koch
    wird schon mit seiner CDU handeln.

    Horst balonier

  • Franz Josef Jung (CDU) ist kein Drückeberger. Keine Angst! Er wird schon handeln. Er ist menschlich korrekt und immer integer. Als Verteidigungsminister
    glücklos, da zuviele Mienen (inponderabilien) in diesem Aufgabenbereich lauern und man gewaltig in den Generalstab Vertrauen haben muss. ist dies nicht gegeben, bewegt sich der bundesminister der
    Verteidigung wie ein Gefreiter.

    Er wird handeln, dessen bin ich mir sicher!


    Horst (George) balonier, Pfungstadt

  • @ Lieber3103

    „Die Affäre "Jung" belastet nicht nur die Union, sondern die gesamte bundesregierung.“

    Die „Affäre Jung“ ist keine Affäre Jung, sondern wirft ein grelles Licht auf die deutschen Politiker und die deutsche Politik. Diese sind offensichtlich nicht gewillt ihre Aufgaben darin zu sehen, sich den Problemen dieses Landes in dieser Zeit zuzuwenden, sondern ihr Heil in der Flucht zu Nebenkriegsschauplätzen suchen. Das ist die eigentliche Affäre, nein, ein Skandal erster Ordnung.

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