Untersuchungsbericht vorgelegt
Das große Versagen bei der Elbphilharmonie

Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie ist ein Desaster. Eine unfertige Planung und überforderte Politiker haben die Kosten explodieren lassen. Ein Untersuchungsbericht nennt nun die Schuldigen für das Chaos beim Namen.
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HamburgAm Freitag war Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler bester Dinge. Nach jahrlangem Hickhack, so verkündete sie im Namen des Senats, sei der Bau der Elbphilharmonie endlich auf gutem Weg. „Die Fortschritte auf der Baustelle und die gute Zusammenarbeit der Projektbeteiligten zeigen, dass die Neuordnung funktioniert“, sagte sie, als auf der Baustelle die Montage der „Weißen Haut“, der Innenverkleidung des großen Konzertsaales, begann.

Doch die gute Stimmung rund um das Hamburger Millionenprojekt hielt nur kurz. Denn nun liegt der Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses vor, der die Verfehlungen rund um den Bau der Elbphilharmonie aufzählt und die Schuldigen für das Baudesaster beim Namen nennt.

Der Preis für das Konzerthaus, das 77 Millionen Euro kosten sollte, ist mittlerweile auf das Zehnfache geschnellt. Nach einem jahrelangen Streit um Kostensteigerungen und Bauverzögerungen ruhten die Arbeiten auf Deutschlands teuerster Kulturbaustelle für eineinhalb Jahre.

Der Bericht, aus dem „Spiegel Online“ und „Bild.de“ zitieren, nennt nun mehrere Gründe für das Desaster: Eine überforderte Projektkoordination, eine überhastete Ausschreibung, ein chaotisches Nebeneinander von Bauunternehmer und Architekt auf der Baustelle.

Insgesamt 724 Seiten umfasst der Untersuchungsbericht. Einer der Schuldigen, der in dem Dokument genannt wird, ist der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Ihm wird „ eine konkrete Verantwortung für die Fehlentwicklungen“ attestiert, da er auf der Baustelle vieles laufen ließ und sich nicht für die Details interessiert haben soll.

Außerdem machte er Hartmut Wegener zum Projektkoordinator, dem einst zwar den Airbus-Ausbau erfolgreich gemanagt hatte, auf der Elbphilharmonie-Baustelle aber nicht zurecht gekommen war. Aufgetreten sei er laut Bericht „ohne entsprechendes eigenes Fachwissen“ und durch ein „ungebrochen selbstbewusstes Auftreten“.

Seite 1:

Das große Versagen bei der Elbphilharmonie

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„Verantwortung nicht gerecht geworden“

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  • Die Oper in Sydney sollte Anfang der 1960'ger Jahre 7 Mio AUD kosten, am Ende waren es 107 AUD, kräht heute kein Hahn mehr danach. Die Zeit heilt alle Wunden.

  • Eine Lösung wäre endlich die "Leistungsgerechte Bezahlung" einführen.
    Nicht nur Kostüme und Anzüge tragen, endlich auch einmal Verantwortung!
    Gut; viele Politiker und halbseidene Geschäftsleute müssten sich dann mit Hartz IV begnügen. Das wäre aber nicht die schlechteste Alternative, als Quittung für das Verprassen von Volksvermögen.

  • So eine Aufarbeitung und klare Nennung der Schuldigen wünsche ich mir als Berliner auf für den unsäglichen Flughafen. Anders als in HH kann hier der Unfähigste von allen munter weitermachen und dreist dabei grinsen.

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