„Untragbare Arbeitsbedingungen“
55 000 Ärzte gehen für mehr Geld auf die Straße

Am Freitag haben sich bundesweit die Demonstrationen und Streiks für mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen der Ärzte fortgesetzt. Rund 5 000 Mediziner nahmen an den Demonstrationen teil. Etwa 43 000 niedergelassene Mediziner gingen nach Angaben der Veranstalter in Berlin, Köln und Stuttgart gegen den Sparkurs im Gesundheitswesen auf die Straße.

HB BERLIN. Zum Ende der ersten kompletten Streikwoche an den Universitätskliniken legten zudem erneut 12 300 Ärzte in 37 Städten ihre Arbeit nieder.

Rund drei Viertel der 96 000 Praxen blieben Schätzungen des Ärzteverbands NAV-Virchow-Bund zufolge während der dritten nationalen Aktionswoche geschlossen. Die Vertreter von acht Ärzteorganisationen kritisierten „untragbare Arbeitsbedingungen“. Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, sagte: „Die in diesen Protesten zum Ausdruck kommende Geschlossenheit der Ärzteschaft über alle Fachgruppen hinweg ist ein klares Signal an die Politik.“

Hoppe warnte die Bundesregierung vor der „Illusion“, dass die Ärzte weiter bereit seien, das Gesundheitssystem durch kostenlose Arbeit im Wert von Millionen von Euro zu subventionieren. Der Hartmannbund kritisierte, dass der großen Koalition der Mut und der Wille fehle, „die großen Probleme anzupacken“. Die Ärzteverbände drohten mit weiteren Protestaktionen. So könnten Praxen wochenweise geschlossen werden.

In Berlin forderten die Mediziner auf Plakaten „Stoppt das Bürokratiechaos“, oder sie warnten: „Bald finden Sie ihren Arzt im Ausland.“ Ärztevertreter warnten vor einer menschenverachtenden Vorgehensweise zu Lasten vieler Patienten. An die Adresse von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) riefen die Demonstranten mehrmals „Ulla weg, Ulla weg“. Die Polizei bestätigte die Angaben der Veranstalter, nach denen sich 25 000 Ärzte an der zentralen Demonstration beteiligten.

Im Tarifstreit der Uniklinik-Ärzte forderte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) eine rasche Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den Ländern. „Wir brauchen dringend wieder einen Termin, um zu reden“, sagte der MB-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery. Zunächst müssten jedoch die Verhandlungen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zum öffentlichen Dienst abgewartet werden. Diese waren am Freitag in Potsdam fortgesetzt worden.

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