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07.09.2008 
Vielleicht historischer Tag für die SPD

Urgestein Müntefering springt in die Bresche

von Daniel Delhaes

Der Münchener Hofbräukeller war die Generalprobe. Vier Tage später geht die große Münte-Show richtig los. Gerade einmal vier Wochen nach dem Tod seiner Frau ist der Politprofi Franz Müntefering zurück auf der Bühne. Und drei Jahre nach seinem Rückzug von der Parteispitze soll der Sauerländer wieder SPD-Chef werden.

Franz Müntefering am 3. September 2008 bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD in München. Foto: apLupe

Franz Müntefering am 3. September 2008 bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD in München. Foto: ap

BERLIN. Vielleicht ein historischer Tag für die Sozialdemokratie: Wird sie weiter der Linkspartei hinterherlaufen, oder findet sie selbstbewusst den Weg in eine neue Zeit?

Schon beim Wahlkampfauftritt in München am vergangenen Mittwoch lässt Müntefering keinen Zweifel daran, dass er Politik noch kann. Er ruft, er schwitzt, er gestikuliert mit hochgekrempelten Hemdsärmeln. "Es ist besser heißes Herz und klare Kante als Hose voll", ruft er der johlenden Menge zu. Und er erklärt den 500 jubelnden Sozialdemokraten, warum die Agenda-2010-Politik von ihm, Gerhard Schröder und Frank-Walter Steinmeier eine gute Politik war - und ist. "Wir brauchen uns nicht zu genieren", ruft er. Die Masse ruft dankbar zurück: "Jetzt geht's los!" Damals ahnte die Basis wohl noch nicht, wie recht sie damit behalten sollte.

Wenige Tage später sitzen die SPD-Bundesminister Sigmar Gabriel, Brigitte Zypries und all die anderen sowie die SPD-Landeschefs im "Event-Center" des Wellness-Hotels Schwielowsee bei Brandenburg und warten auf die Parteispitze, während Müntefering von seinem Comeback erfährt. Seit 11.30 Uhr tagt Noch-Parteichef Kurt Beck mit seinen Stellvertretern Steinmeier, Andrea Nahles und Peer Steinbrück sowie Generalsekretär Hubertus Heil und Fraktionschef Peter Struck fernab der anderen. Es herrscht Chaos, und es kommt zum Showdown. Beck sagt, er sei nicht bereit, Steinmeier heute schon zum Kanzlerkandidaten zu küren. Dass der "Spiegel" bereits schreibe, Steinmeier werde heute auf den Schild gehoben, sei eine "Unverschämtheit" und "unsolidarisch", schimpft er.

Doch der Außenminister will nicht mehr warten: "Ich will es jetzt wissen: Entweder jetzt, oder ich erkläre, dass ich nicht zur Verfügung stehe", sagt er, wie sein Umfeld berichtet. Beck weiß, was die Stunde geschlagen hat. Er kündigt seinen Rücktritt an. Steinmeier versucht, ihn zu halten und als Beck/Steinmeier-Tandem in den Wahlkampf zu ziehen. Doch der Pfälzer will nicht mehr. Kurz darauf klingelt Münteferings Mobiltelefon. Ob er bereit sei, wieder den Parteivorsitz zu übernehmen, will der Anrufer wissen. Der Sauerländer stimmt zu und ist zurück auf dem Spielfeld - gewaltig und in einem Drama, wie es nur die Sozialdemokraten zu inszenieren vermögen. Nun soll er die Partei einen und gemeinsam mit Steinmeier 2009 zurück ins Kanzleramt führen.

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