Urheberrecht: Digital ist nie für sich kreativ

Urheberrecht
Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten

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Digital ist nie für sich kreativ

Das digitale Medium ist – bei allen Vorteilen – eine gigantische Kopier- und Abschreibemaschine. Nie war es so leicht, geistiges Eigentum zu transferieren. Die Internetgemeinde hat nie viel Wert auf Respekt vor den Ideen anderer gelegt. Es ist kein Zufall, dass einige der größten Stars der Internet-Wirtschaft – wie Facebook-Gründer Marc Zuckerberg oder in Deutschland die Samwer-Brüder – beklagt werden, Patente und Geschäftsmodell abgekupfert zu haben.

Es ist kein Zufall, dass viele Blogs und Foren vor allem reproduzieren. Alle schmarotzen aus der reellen Welt. Das entbehrt insofern nicht einer gewissen Ironie, als dass es ausgerechnet Netzaktivisten waren, die zur Plagiats-Jagd auf Politiker riefen. Dieter Gorny, einst Gründer des Musiksenders Viva, heute Cheflobbyist der deutschen Musikindustrie, hat sich viele Gedanken zum Aufstieg der Piraten und zur Zukunft der Kreativität gemacht. Man muss, bevor man sich mit ihm auseinandersetzt, wissen, dass Gorny kein Hardcore-Lobbyist ist, der die Unterhaltungsindustrie ins Zeitalter von Kassetten und Schallplatten zurückversetzen möchte. Im Gegenteil. Dennoch sagt Gorny: „Große Teile dieser Netzaktivisten kommen aus dem technologischen Umfeld und haben deshalb kaum Zugang zur Produktion kreativer Inhalte und zu den Kreativen selber.“ Das aber ist ein Problem: denn digital ist nie für sich kreativ.

Jeder Software-Programmierer würde einen Aufstand machen, wenn jemand seine Idee klaut. Dass er aber Inhalte anderer nutzen kann, um seine technische Idee an den Markt zu bringen, nimmt er als selbstverständlich hin. Warum eigentlich? Zudem das Geld ja verdient wird: Google, Youtube, ja selbst Raubkopie-Börsen wie Kino.to oder Megaupload des Internet-Millionärs Kim Schmitz, auf denen Nutzer illegal Filme tauschten, machten Gewinn. Allein Schmitz’ Megaupload soll 175 Millionen Dollar umgesetzt haben. Während er sich mit hübschen Frauen in Luxusvillen präsentierte, sollen die Schaffer dieser Werke nichts bekommen? Ein Musiker in Deutschland verdient laut Künstlersozialkasse ohnehin nur 12 000 Euro im Jahr durchschnittlich.

Kommentare zu " Urheberrecht: Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten"

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  • Zitat Handelsblatt: "Ohne den Schutz geistigen Eigentums gäbe es wahrscheinlich weder Computer noch Internet,...“

    Das Gegenteil ist der Fall, nur weil das Internet frei genutzt werden kann, nur weil zahllose Leute Open Source Software geschrieben haben sind PC´s und das Internet so schnell und so weit verbreitet worden.

    Hat das Handelsblatt eine Lizensgebühr für die Nutzung des Hypertext Transfer Protocol und html zahlen müssen? Nö. Aber ihr nutzt freie Technolgien um eure alten Hüte zu promoten.

    Wenn einer seine Idee für geistiges Eigentum hält, dann soll er sie doch für sich behalten.

    Urheberrecht ist der geistige Spagat zwischen den Kuchen essen wollen und den Kuchen behalten um ihn noch einmal zu essen.

    Warum soll ich eine teure mit Patenten belastete und fehlerhafte Technologie benutzen wenn ich Open Source selbst verbessern und weiterentwickeln kann?

  • http://www.youtube.com/watch?v=6TG5ZoNwAg4&feature=relmfu

    ich verweise an dieser stelle (solange es noch erlaubt ist) gerne auf das video von SemperCensio... wird alles gesagt ;)

  • @Charly: Es kann nicht schaden, wenn man ab und zu mal Zeitung liest. In den letzten Wochen haben diverse Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler und andere Werkschaffende der Kulturszene klipp und klar dargelegt, daß sie in einer arbeitsteiligen Gesellschaft beim besten Willen kein Interesse daran haben, auch noch die Verwertung ihrer Werke selbst in die Hand zu nehmen, sondern sich lieber auf ihre Kernkompetenz konzentrieren wollen. Menschen übrigens, die sich keineswegs von ihren Verwertern und den Verwertungsgesellschaften ausgebeutet fühlen, sondern durch deren Arbeit das Geld verdienen, das sie für ihren Lebensunterhalt benötigen!

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