Urheberrecht für Hitler-Buch läuft aus Bayern will „Mein Kampf“ entzaubern

Der Freistaat Bayern hat die Urheberrechte an Hitlers „Mein Kampf“. Die Herausgabe einer wissenschaftlich kommentierten Fassung soll verhindern, dass nach dem Auslaufen im Jahr 2015 mit dem Text Geschäft gemacht wird.
Update: 24.04.2012 - 18:49 Uhr 12 Kommentare
Hitler-Büsten auf einer Ausstellung in Berlin (Archiv). Quelle: dpa - picture alliance

Hitler-Büsten auf einer Ausstellung in Berlin (Archiv).

(Foto: dpa - picture alliance)

NürnbergBayern will eine wissenschaftlich kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ herausgeben und damit einen Missbrauch und das kommerzielle Geschäft mit der Hetzschrift verhindern. Das Werk soll 2015 auf den Markt kommen. Dann laufen die Urheberrechte des Freistaats Bayern an der Propagandaschrift aus und eine Veröffentlichung durch Dritte kann nicht mehr verhindert werden.

Die wissenschaftlichen Arbeiten für die kommentierte Ausgabe seien bereits weit fortgeschritten, erläuterte das bayerische Finanzministerium am Dienstag. Ziel eines solchen Standardwerks sei die Entmystifizierung von „Mein Kampf“, sagte Finanzminister Markus Söder (CSU) nach einem Runden Tisch mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in Nürnberg.

Neben KZ-Überlebenden und ihren Angehörigen fürchten auch Vertreter der jüdischen Gemeinden einen Missbrauch des Hass-Pamphlets etwa durch Neonazis. Hitler hatte das Machwerk 1924 während seiner Festungshaft im bayerischen Landsberg am Lech geschrieben. Es gilt als ideologisches Grundwerk des Nazi-Terrors und wurde zu Hitlers Lebzeiten millionenfach gedruckt. Bisher hatte der Freistaat Bayern stets mit Hinweis auf sein Urheberrecht die Veröffentlichung unkommentierter „Mein Kampf“-Ausgaben gestoppt und sein Nein in Zweifelsfällen auf dem Gerichtsweg durchgesetzt.

Die bisherige Vorgehensweise sei „grotesk“, sagte der Dortmunder Journalistik-Historiker Horst Pöttker. „Warum traut man den Deutschen nicht zu, damit mündig umzugehen? Die ganze Welt kann das Buch lesen.“ Erst vor kurzem scheiterte der britische Verleger Peter McGee vor dem Landgericht München mit seinem Vorhaben, kommentierte Auszüge aus „Mein Kampf“ in seiner historischen Wochenzeitung „Zeitungszeugen“ am Zeitungskiosk zu veröffentlichen.

Pöttker hatte in den „Zeitungszeugen“ einen wissenschaftlichen Kommentar zu den Auszügen verfasst. Dieser erschien nach der Entscheidung des Landgerichts, die „Mein Kampf“-Auszüge machte der Verlag nach dem Urteil unkenntlich. Verleger McGee ist laut dem Journalistik-Historiker Pöttker bereits in Revision gegangen. Das Oberlandesgericht müsse nun entscheiden.

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12 Kommentare zu "Urheberrecht für Hitler-Buch läuft aus: Bayern will „Mein Kampf“ entzaubern"

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  • wer hat Angst vor dem braunen Mann? Dasist doch eigentlich laecherlich,dass man sein Buch nicht lesen darf. Sind da welche die Angst haben das "gemeine"Volk wuerde wuerde eine Revolution anstiften? Haben sie es vom Pabst gelernt es auf den "Index" zu setzen? Ich konnte schon vor vielen Jahren,in Amerika, das Buch auf deutsch und englisch,kaufen. Niemand hatte ein Problem damit.Eine echte Demokratie verkauft alle Buecher. Konnte selbst das kleine "rote Buechlein"China bekommen. Obwohl die Amerikaner es nicht auf den Tisch bringen wollten. Sie taten es aber doch. Mann,Mann ,Mann so eine Angst von der "braunen Zeit" noch immer zu haben, macht mir Angst.

  • DER SIEGER SCHREIBT DIE GESCHICHTE

    Eine sachliche, unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Hauptwerk Hitlers, welcher ja laut Schuldbildung alleine den 2. Weltkrieg ausgelöst hat, wäre sicher wünschenswert. Ich glaube nur nicht, dass dies der Fall sein wird.

    Wann endlich wird die deutsche jüngere Geschichte (und die der anderen Beteiligten) ehrlich aufgearbeitet?

    Mir erscheint die Darstellung der Geschehnisse in diesem Film

    http://www.youtube.com/watch?v=9hg4tLg0pRQ

    weit glaubwürdiger zu sein als die platte Story aus den Schulbüchern.

  • PS: Ich habe "losgeplappert", weil ich nicht up to date war: die Bayern wollen jetzt tatsächlich putzigerweise eine eigene kommentierte Ausgabe drucken. Ich wusste vorher nur, daß an einer solchen aber nicht von seiten Bayerns gearbeitet wurde. Sorry, mein Fehler.

  • PS: Dass die offziellen Indizes sie nicht mehr, was doch selbstverständlich wäre, wir haben den Beitrag ja mit unseren frohen Herzens gezahlten GEZ Gebühren finanziert, ist keine "Verschwörung", uns "die Wahrheit" vorzuenthalten ...

    Nope, es ist die Klage der Verleger gegen die ÖR's, die diese dann wiederum zu derlei Dummheiten zwingt. Sie verstehen: Die gedruckten Medien fürchten, der Leser könne sich informieren und dann am Ende schlauer sein als das gerade gedruckte Konvolut aus geschichtsvergessenen Plattitüden.

    Die ÖR's wiederum versperren nun gezwungenermaßen den Zugang, sprich sich halten die Indizes kurz (7 Tage) - aber so blöd, diese Dateien zu löschen, so blöd sind sie ja nun auch wieder nicht. Wenn ich jetzt die Probe auf's Exempel machen würde und die ersten Podcasts, die mein Archiv verzeichnet, auf Vorhandensein checken würde, ich würde sicher selbst die Sachen von vor ca 7 Jahren finden.

    Hugh, A-Hörnchen hat gesprochen ;-)

  • pappalapapp,

    den noch, bevor ich mich ins debuggen stürze:

    "Warum ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der Fakten des Ablaufs dieser Zeit so tabuisiert? "

    Darauf habe ich eine einfache und hoffentlich überzeugende Antwort: Weil die Mittäter immer noch leben.

    Das mit dem Tabuisieren ist falsch. Die Wissenschaft hat gerade erst begonnen, das eigentliche Thema aufzuarbeiten. So gibt es seit letztem Jahr eine aufschlußreiche Studie zur Verschleppung der baadischen und saarländischen Juden, die ein paar Geschichten von "Unten" offenlegt, die meine einfache Antwort untermauern.

    Stellen Sie sich folgendes vor: Die Juden werden aus ihren Häusern gezerrt und ... die Nachbarn plündern die gerade leer gewordenen Wohnung, so daß die Polzei einschreiten muss.

    Sie verstehen? "Geschichte von unten". Hier wird immer die Kriegsschuldfrage, die Verbrechen Stalins und so weiter diskutiert - und unter dem Teppich wären doch Geschichten hörenswert wie die von dem Makler, der bei der Partei anruft und sich andient, er könne doch in deren Auftrag die leerstehenden Wohnungen an den Mann bringen ...

    Diese Art der Aufarbeitung ist erst jetzt möglich, weil es den im Volk verbreiteten Widerwillen, in den Spiegel zu gucken, altersbedingt abnimmt, und - da brauchen Sie sich keine Sorgen zu mache, sie wird geleistet.

    Die zugehörige "Forum im SWR2" Sendung datiert in meinen Archiv auf den 20.10.2010 ("Die Deportation der badischen, pfälzischen und saarländischen Juden vor 70 Jahren"), mein Index spuckt mir diesen Link aus

    http://mp3-download.swr.de/swr2/forum/swr2_forum_20101020_die_deportation_der_badischen_pfaelzischen_und_saarlaendischen_juden_vor_70_jahren.6444m.mp3

    Offensichtlich ist die Datei immer noch online, auch wenn die offiziellen Indizes sie nicht mehr verzeichnen - das kluge Eichhörnchen (Ich!) sammelt aber solche Nüsse auf und vergisst nichts

    Viel Spaß beim Erkenntnisgewinn.

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • Johannes,

    ja, es ist wirklich "beschämend", daß Sie offensichtlich so ahnungslos und uninformiert sind. Die kommentierte Ausgabe von "Mein Kampf" ist kein Projekt der bayrischen Staatsregierung, die hat - im Gegenteil - den Autoren dieses unabhängig verfolgten Projekts jeden nur denkbaren Stein in den Weg gelegt.

    Daß die jetzt "nochmal richtig Kasse ... machen" will, ist nun wirklich eine abenteuerliche These. Der ist dieses Drecksding hochnothpeinlich und wenn man ja in der "Hauptstadt der Bewegung" haust, kann man das nur zu gut verstehen.

    "Kasse machen" wollte ein britischer Verleger, der Auszüge vermarkten wollte, immerhin so anständig war, sich kompetente Beratung zu sicher und ein Produkt wieder einstampfen musste, daß zumindest auf der sachlichen Ebene einiges für sich hatte.

    Bitte erst informieren, bevor Sie peinlicherweise losplappern. Soll ich Ihnen, zur Not, ein paar passende Podcasts des DLF heraussuchen, die sich in den letzten Monaten mit dem Thema befassten?

  • Immer wieder traurig, daß der Umgang mit der volkseigenen Historie so beschwerlich ist. Wir, die die Gnade der spätgeborenen Geburt genießen, würden gerne ergründen, welche Schuld unsere Vorfahren auf ihre Schultern laden mußten, um nicht ebenfalls Opfer dieser Zeit zu werden. Warum ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der Fakten des Ablaufs dieser Zeit so tabuisiert? Solange wir dies nicht wissen und gezwungenermaßen andere Auslegungen erdulden müssen, kann auch für uns, als Nachfahren der beteiligten Protagonisten, keine zufriedenstellende Akzeptanz auftreten. Dazu gehört auch die allgemein übliche, spätestens fünfzigjährige, Offenlegung der historischen Wahrheiten und deren Diskussion.

  • Es ist wirklich beschämend, was das bayrische Finanzministerium (als oberster Wächter des Urheberrechts für "Mein Kampf") da mit uns veranstaltet.

    Unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Buches, versucht man nochmal richtig Kasse zu machen bevor das Urheberrecht erlischt. Wollte man das deutsche Volk wirklich aufklären, so hätte man die Beilage des "Zeitungszeugen" einfach genehmigen sollen. Die Verleger konnten damals namenhafte Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geschichte für das Projekt gewinnen. Aber daran hätte der Freistaat ja nichts daran verdient!

    Insgesamt ist die Situation einfach nur peinlich. Das Buch kann nahezu auf der ganzen Welt erworben werden, auch in deutscher Sprache! In Spanien kann man es sich sogar im ITunes Store herunterladen. Wer es also lesen möchte, der wird schon einen Weg finden an das Buch zu kommen.

  • Das ist natürlich billige Polemik: die wissenschaftlich edition soll unterstüzt werden: was bleibt denen auch anderes übrig.
    Dass die kleinen (oder großen) Nazis daraus wieder Nektar schlürfen wollen: außer Frage.
    Mein Kampf wird sich wenig anders lesen als Breiviks Manifesto.
    Also scheiß der Hund drauf.
    Das Einzige was Nazis damals wie heute wollen: Mord und Totschlag. Und Dafür braucht keiner irgend ein Buch.

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