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Urheberrecht: Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten

Eine Aktion des Handelsblatts hat das Netz in Aufruhr gebracht: 100 Künstler, Politiker, Medienschaffende und Wirtschaftsgrößen rufen zum Widerstand gegen die Piraten-Partei auf. Sie eint die Sorge um das Urheberrecht.

Bundesparteitag der Piratenpartei in Offenbach. Quelle: dpa
Bundesparteitag der Piratenpartei in Offenbach. Quelle: dpa

DüsseldorfJulia Franck schreibt Romane, die Massen begeistern. Für ein Buch braucht sie mitunter Jahre. Sie investiert Geld für die Recherche, Zeit, Energie. Sie sagt: „Es erscheint doch als offensichtlicher Irrglaube, wenn im Internet geistige und künstlerische Errungenschaften für den Privatgebrauch kostenlos runtergeladen werden.“

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Katharina Kress hat in Ludwigsburg Film studiert und schreibt Drehbücher für Filme. Das dauert mitunter zwei, drei Jahre. Die junge Frau aus Hamburg sagt: „Warum Geschichten schreiben, wenn ich weder von ihnen leben kann, noch sie als mein geistiges Eigentum behalten darf?“

Knut Hechtfischer hat ein Tanksystem für Elektroautos entwickelt. Er hat Zehntausende Euro investiert, er hat auf eine Karriere als Anwalt verzichtet und Ubitricity gegründet. Er sagt: „Wenn eine Idee, sobald sie sich als spannend erweist, zum Allgemeingut wird, löst sich der Lohn der Pionierarbeit im virtuellen Nichts auf.“

Mein Kopf gehört mir Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mehr als 160 Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier eine Übersicht über die Statements.

Genau das will Martin Delius. Er ist Geschäftsführer der Berliner Piraten-Partei. Er sagt: „Der Begriff geistiges Eigentum ist ein Kampfbegriff.“ Er sagt, er will Kreative und Tüftler aus den Fängen der Industrie lösen. Wovon sie stattdessen leben sollen, sagt er nicht. „Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte“, heißt es im Programm der Piraten. „Unserer Meinung nach gibt es kein geistiges Eigentum.“

Doch damit kommen die Piraten nicht durch. Auf Einladung des Handelsblatts protestieren unter dem Titel „Mein K©pf gehört mir“ 100 Prominente gegen dieses Enteignungsprogramm - von der Designerin Jette Joop über den Künstler Markus Lüpertz, der Schauspielerin Franka Potente und der Schriftstellerin Julia Franck bis hin zu SAP-Vorstandssprecher Jim Hagemann-Snabe. Die Botschaft ist eindeutig: Kluge Ideen sind kein Allgemeingut. Oder wie es der Autor Andreas Föhr formuliert: „Was die Piraten vorhaben, würde den Schutz geistiger Arbeit auf den Stand im Mittelalter zurückversetzen. Und das Ironische an der Sache: Ohne den Schutz geistigen Eigentums gäbe es wahrscheinlich weder Computer noch Internet, aber das scheint bei den Piraten keinen zu interessieren.“

223 Kommentare

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  • 26.01.2013, 19:58 UhrRumpelstilzchen

    Zitat Handelsblatt: "Ohne den Schutz geistigen Eigentums gäbe es wahrscheinlich weder Computer noch Internet,...“

    Das Gegenteil ist der Fall, nur weil das Internet frei genutzt werden kann, nur weil zahllose Leute Open Source Software geschrieben haben sind PC´s und das Internet so schnell und so weit verbreitet worden.

    Hat das Handelsblatt eine Lizensgebühr für die Nutzung des Hypertext Transfer Protocol und html zahlen müssen? Nö. Aber ihr nutzt freie Technolgien um eure alten Hüte zu promoten.

    Wenn einer seine Idee für geistiges Eigentum hält, dann soll er sie doch für sich behalten.

    Urheberrecht ist der geistige Spagat zwischen den Kuchen essen wollen und den Kuchen behalten um ihn noch einmal zu essen.

    Warum soll ich eine teure mit Patenten belastete und fehlerhafte Technologie benutzen wenn ich Open Source selbst verbessern und weiterentwickeln kann?

  • 28.05.2012, 19:59 Uhrhandelsblatt-ist-bullshit

    http://www.youtube.com/watch?v=6TG5ZoNwAg4&feature=relmfu

    ich verweise an dieser stelle (solange es noch erlaubt ist) gerne auf das video von SemperCensio... wird alles gesagt ;)

  • 14.05.2012, 14:47 UhrKoulchen

    @Charly: Es kann nicht schaden, wenn man ab und zu mal Zeitung liest. In den letzten Wochen haben diverse Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler und andere Werkschaffende der Kulturszene klipp und klar dargelegt, daß sie in einer arbeitsteiligen Gesellschaft beim besten Willen kein Interesse daran haben, auch noch die Verwertung ihrer Werke selbst in die Hand zu nehmen, sondern sich lieber auf ihre Kernkompetenz konzentrieren wollen. Menschen übrigens, die sich keineswegs von ihren Verwertern und den Verwertungsgesellschaften ausgebeutet fühlen, sondern durch deren Arbeit das Geld verdienen, das sie für ihren Lebensunterhalt benötigen!

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