Urheberrecht Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten

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Was keinen Preis hat, hat in der Marktwirtschaft keinen Wert

Das Problem aber liegt tiefer. Es liegt in der Spaltung zwischen materiellen und immateriellen Gütern. Wer behauptet, es gehe um die Verbreitung einer Idee, es gehe darum, alle am Wissen teilhaben zu lassen – der hat ja recht: Aber wo steht, dass alle kostenlos am Wissen teilhaben müssen? Unser tägliches Brot brauchen wir auch, dafür zahlen müssen wir trotzdem. Es hat sich nicht grundlos als Prinzip der Marktwirtschaft etabliert, dass, wo eine Nachfrage entsteht, auch ein Preis gebildet wird. Und zwar auch bei Gütern, die teilbar sind oder allen zur Verfügung stehen: Bahnfahren kostet, ebenso Trinkwasser oder im Urlaub der schöne Blick aufs Meer. Was keinen Preis hat, hat in der Marktwirtschaft auch keinen Wert. Um zu verstehen, wie wichtig der Schutz ihrer Denker für eine Gesellschaft ist, lohnt sich der Blick in die Vergangenheit. Die Geschichte des Urheberrechts ist auch die Geschichte der Emanzipation der Künstler von Kirche und Staat.

Jan Hegemann ist einer der Kämpfer für all jene, die von ihren Gedanken, Entwürfen und Werken leben wollen. Er ist Partner in der Kanzlei Raue, einer der führenden Urheberrechtsschützer. Er sagt: „Wirtschaftliche Autonomie ist eine Grundvoraussetzung für bürgerliche Freiheit.“ Oder um es mit Lessings Hofmaler Conti in „Emilia Galotti“ zu formulieren: Kunst geht nach Brot.

Der Urzeit-Mensch wertete geistiges Eigentum noch wie die Piraten-Partei: als nachrangig. Künstler und Denker galten als Müßiggänger, die auf Gönner angewiesen waren. Der römische Dichter Martial beklagte als Erster, andere würden seine Werke kopieren. Er sprach von plagiarii - und rückte das Plagiat erstmals in den Geruch des Diebstahls. Als plagiarii bezeichneten die Römer Sklavendiebe.

Dennoch tat sich weitere Jahrhunderte nichts. Erst nach Erfindung des Buchdrucks kristallisierte sich in der Spät-Rennaissance ein Urheberrecht heraus, die englische Krone verabschiedete 1710 ein erstes. In Kontinentaleuropa war später Goethe der erste Schriftsteller, der von den Einkünften seiner Schriften leben konnte. Bei Musikern dauerte dies noch länger. Bach war Angestellter der Kirche, Mozart musste sich von Kaiser Joseph ins Werk reden lassen: „Gewaltig viele Noten, Herr Mozart“, klagte der adelige Finanzier.

Das Urheberrecht, das dem Künstler sämtliche Rechte am Werk überträgt, ist in seiner heutigen Form eine Idee aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die 1948 das „Recht auf den Schutz geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber erwachsen“, festschrieb. In Deutschland wurde dies 1965 besiegelt – und beendete jede Abhängigkeit der Kreativen vom Staat.

Die Konsequenz lautete also: Wer keine Staatskünstler haben will, der muss sie entsprechend bezahlen. Das Grundgesetz schützt diese Freiheit der Kunst ausdrücklich. Bis heute. „Es droht die Rückentwicklung zum Staatskünstler“, warnt Anwalt Hegemann.

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226 Kommentare zu "Urheberrecht: Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten"

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  • Zitat Handelsblatt: "Ohne den Schutz geistigen Eigentums gäbe es wahrscheinlich weder Computer noch Internet,...“

    Das Gegenteil ist der Fall, nur weil das Internet frei genutzt werden kann, nur weil zahllose Leute Open Source Software geschrieben haben sind PC´s und das Internet so schnell und so weit verbreitet worden.

    Hat das Handelsblatt eine Lizensgebühr für die Nutzung des Hypertext Transfer Protocol und html zahlen müssen? Nö. Aber ihr nutzt freie Technolgien um eure alten Hüte zu promoten.

    Wenn einer seine Idee für geistiges Eigentum hält, dann soll er sie doch für sich behalten.

    Urheberrecht ist der geistige Spagat zwischen den Kuchen essen wollen und den Kuchen behalten um ihn noch einmal zu essen.

    Warum soll ich eine teure mit Patenten belastete und fehlerhafte Technologie benutzen wenn ich Open Source selbst verbessern und weiterentwickeln kann?

  • http://www.youtube.com/watch?v=6TG5ZoNwAg4&feature=relmfu

    ich verweise an dieser stelle (solange es noch erlaubt ist) gerne auf das video von SemperCensio... wird alles gesagt ;)

  • @Charly: Es kann nicht schaden, wenn man ab und zu mal Zeitung liest. In den letzten Wochen haben diverse Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler und andere Werkschaffende der Kulturszene klipp und klar dargelegt, daß sie in einer arbeitsteiligen Gesellschaft beim besten Willen kein Interesse daran haben, auch noch die Verwertung ihrer Werke selbst in die Hand zu nehmen, sondern sich lieber auf ihre Kernkompetenz konzentrieren wollen. Menschen übrigens, die sich keineswegs von ihren Verwertern und den Verwertungsgesellschaften ausgebeutet fühlen, sondern durch deren Arbeit das Geld verdienen, das sie für ihren Lebensunterhalt benötigen!

  • Hast du Probleme Hier zb. wurde gesagt ohne Patente gäbe es das Internet nicht. Derjenige der das geschrieben hat denkt wohl auch 1+1 ist 8! MIT Patenten gebe es das Urheberrecht nicht ! Ein BIOS ist Teil jedes PC´s wäre das BIOS urheberrechtlich geschützt gewesen würden wir heute Kein Intel kein Windows kennen denn dann würde jeder PC viel Teuerer sein = zu wenig käufer = Keine Soft/Hardware hersteller!
    Nachdenken über das was man schreibt gab und wird es wohl nie beim Handelsblatt geben ... !

  • CDU wähler? Bestimmt Merkelfan und über 80. Vom neuen keine Ahnung Piraten sind neu muss also scheise sein ich wähl mal schön weiter CDU ...

  • Die Piraten sind eine Ansammlung frustrierter "Kinder" die rebellieren wollen... man will mal ein bischen Politik spielen, vollkommen Wurscht ob man Ahung davon hat oder nicht.

  • Es hat sich nicht grundlos als Prinzip der "Marktwirtschaft etabliert, dass, wo eine Nachfrage entsteht, auch ein Preis gebildet wird. Und zwar auch bei Gütern, die teilbar sind oder allen zur Verfügung stehen: Bahnfahren kostet, ebenso Trinkwasser oder im Urlaub der schöne Blick aufs Meer. Was keinen Preis hat, hat in der Marktwirtschaft auch keinen Wert."

    Also das kann ich nicht so recht nachvollziehen. Müsste es nicht heißen, dass wo eine Nachfrage besteht, aber nur ein begrenztes Angebot, auch ein Preis gebildet wird? Ich denke das mit dem begrenzten Angebot ist ein entscheidener Punkt. Würde es wie im Schlaraffenland überall Nahrung geben, dann bestünde zwar weiterhin eine Nachfrage nach Nahrung, aber niemand würde dafür bezahlen, weil Nahrung frei verfügbar ist. Es bildet sich dann eben kein Preis. Mit kopierbaren Daten verhält es sich ganz ähnlich. Das Angebot ist praktisch unbegrenzt. Es finden sich keine zwei Leute, die den anderen für den Erwerb dieser Datei ausbezahlt, wenn man die Datei ohne nennenswerten Aufwand duplizieren kann.

    Also bitte, Sie sind doch das Handelsblatt. Dieser nun wirklich sehr elementare Aspekt der Wirtschaftslehre wird Ihnen doch nicht entgangen sein, oder?

    ps.: "Was keinen Preis hat, hat keinen Wert" schein eine inhaltsleere Phrase zu sein.

  • Es gäbe ohne Schutz "geistigen Eigentums" kein Internet?? Danke für den Witz der Woche ... Aber mal ganz sachlich: Zu Beginn war das Internet das, als was es gedacht war - ein Netzwerk, in dem jeder Teilnehmen gleichzeitig Konsument und Produzent ist, jeder Mensch ist ein Künstler, der seine kreativen Beiträge an andere Menschen weitergibt! Wenn ich jemandem einen Witz erzähle, dann wünsche ich mir vielleicht, dass ich beim Weitererzählen als Urheber genannt werde - ich werde aber nicht versuchen, die Verbreitung zu stoppen oder nur mit meiner Erlaubnis zu ermöglichen!

  • Hinter dieser Partei wird nicht nur die Jugend stehen, nein, viele Nichtwähler fühlen sich nach vielen Jahren mal wieder angesprochen. Bedingungsloses Grundeinkommen! Wenn die Piraten so bleiben wie sie sind, endlich Deutschland :-)

  • Nichts anderes erwartet. Warum? Weil die Lobbisten in Deutschland seit Jahren Politik machen und was hat es uns gebracht? Nichts, und dann kommt eine Partei, die nicht in deren(euer?) Bild passt und schon ist sie schlecht(war ja bei den Grünen auch nicht anders), aber so einfach ist das nicht. Denn hinter dieser Partei wird bald die Jugend eines Volkes stehn und nicht weil sie toll reden, weil man endlich begreift das man gemeinsam diese ganzen Lobbisten zum Teufel jagen kann. Wie war das doch gleich? "Wir sind das Volk!" ACTA war erst der Anfang, die nächste Generation kommt, der Wandel lässt sich nicht stoppen. Ps: Bevor man bei anderen sauber macht, sollte man erstmal bei sich alles ins Reine bringen.

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