Urheberrecht

"Piraten zocken mit Arbeitsplätzen"

Die Debatte über ein neues Urheberrecht gewinnt an Schärfe. Erste Beschlüsse der Piraten sorgen zunehmend für Unmut bei den etablierten Parteien. Die FDP sieht gar den Standort Deutschland in Gefahr.
Update: 17.04.2012 - 14:39 Uhr 27 Kommentare
Mitglieder der Piratenpartei (Archivbild): Das Programm der Politneulinge ist noch Stückwerk. Beim Urheberrecht haben sie noch keinen Anker geworfen. Quelle: dpa

Mitglieder der Piratenpartei (Archivbild): Das Programm der Politneulinge ist noch Stückwerk. Beim Urheberrecht haben sie noch keinen Anker geworfen.

(Foto: dpa)

BerlinIn der Debatte um den Schutz geistigen Eigentums erhält Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Rückendeckung für seine  Kritik an der Piratenpartei. Deutschland habe sich mit Qualitätsprodukten „Made in Germany“ einen Namen gemacht. „Daher gilt es, auch weiterhin Innovationen, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze unserer Unternehmen zu schützen“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, Handelsblatt Online. „Mit der Alles-Umsonst-Politik à  la Piraten kann das nicht funktionieren.“

Der Vorsitzende der hessischen FDP, Jörg-Uwe Hahn, warf den Piraten ein gefährliches Spiel mit dem Urheberrecht vor. „Wer leugnet, dass es auch im Internet legitim ist, wirtschaftliche Interessen zu vertreten, verweigert sich der Realität“, sagte Hahn Handelsblatt Online. Hinter jedem Werk stünden Arbeitsplätze und ganze Unternehmen. Diese gehörten geschützt. „Wer das nicht einsieht, zockt mit den Arbeitsplätzen vieler Menschen“, sagte Hahn Handelsblatt Online.

Hahn, der auch Justizminister und Vize-Ministerpräsident von Hessen ist, stellte generell das Politikmodell der Piraten infrage. „Die Welt besteht nicht nur aus Einsen und Nullen“, sagte der FDP-Politiker. Die Piraten müssten daher begreifen, dass das Internet nicht an der deutschen Grenze halt mache. Daran habe Westerwelle zu Recht erinnert. „Seit Jahren versuchen wir etwa mit China Vereinbarungen zu treffen, dass deutsche Entwicklungen im Ausland geschützt werden“, sagte Hahn. „Die zeigen jetzt auf unsere Freibeuter-Debatte in Deutschland und lachen uns aus.“

Westerwelle hatte im Interview mit dem Handelsblatt kritisiert, die Piraten würden seine Politik des Kampfs gegen die weltweite Produktpiraterie hintertreiben. „Wenn wir den Schutz des geistigen Eigentums in unserem eigenen Land infrage stellen, können wir anderswo auf der Welt kaum glaubwürdig für die Einhaltung des Urheberrechts kämpfen.“ Er forderte von Wirtschaft, Kultur und Intellektuellen, „sich dem Zeitgeist der Infragestellung des geistigen Eigentums entgegenstellen“.

Der Kulturrat stellte sich ebenfalls hinter die Position des Außenministers. Es sei gut, dass Westerwelle die wirtschaftliche und die außenpolitische Dimension des Schutzes geistigen Eigentums verbunden habe. "Von einigen wird in Debatten zum Urheberrecht der Eindruck erweckt, als seien diejenigen, die sich für den Schutz der Urheber und ihre Rechte einsetzen, rückwärtsgewandt und modernen Entwicklungen gegenüber nicht aufgeschlossen", sagte der Geschäftsführer des Kulturrates, Olaf Zimmermann. Das sei aber "mitnichten" der Fall. "Im Gegenteil, gerade die moderne Wirtschaft, die auf Ideen und schöpferischen Werken beruht, ist auf ein starkes Urheber- und Patentrecht angewiesen", so Zimmermann. Wer sich für den Schutz der Urheber und ihre Rechte einsetze, setze sich für kulturelle Vielfalt und unsere wirtschaftliche Zukunft ein.

Piraten-Lösungen für ein neues Urheberrecht
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27 Kommentare zu "Urheberrechts-Debatte: „Die Piraten zocken mit deutschen Arbeitsplätzen“"

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  • Auch wenn Patentrecht und Urheberrecht juristisch betrachtet unterschiedliche Dinge sind, haben sie sehr viel gemeinsam: es handelt sich in beiden Fällen um den Schutz von Ideen und deren praktische Umsetzung. Die Urheber oder Patentinhaber haben viel Arbeit und meist auch Geld investiert um ein Ergebnis zu erreichen. Das Urheber- und auch das Patentrecht soll die Schöpfer davor schützen, dass jedermann ohne zu Fragen diese Werke verwerten kann. Derjenige der die Arbeit und die Kosten hat etwas zu schaffen, hat also das Recht zu entscheiden was mit seinem Werk passiert und darf damit Geld verdienen. Warum wollen die Piraten den Urhebern dieses Recht nehmen? Warum wollen die Piraten anderer Leute Arbeit umsonst haben? Auch wenn immer wieder die "mächtige Musikindustrie" beispielhaft genannt wird - die meisten Künstler sind wirtschaftlich schwach und haben schon heute erhebliche Probleme ihre Interessen durchzusetzen und faire Bezahlung für Ihre Arbeit zu bekommen. Die Piraten legen sich also in Wirklichkeit mit einer der wirtschaftlich schwächsten Gruppen unserer Gesellschaft an. Die Musikindustrie und die bekannten Künstler werden auch mit einem reformiertem (= in weiten Teilen abgeschafftem) Urheberrecht Wege finden ihr Geld zu verdienen.
    Auf der Strecke bleiben am Ende (wie immer) die "Kleinen" - die Künslter, deren Namen nicht jeder kennt.
    Warum gibt es eigentlich die Diskussion ums Uhrberrecht? In erster Linie doch, weil einige Abmahnanwälte in der Vergangenheit hohe Summen für Bagatellverstöße verlangt haben. Unter dem Deckmantel des Urhberrechtes ist eine "Abmahnindustrie" entstanden. Daran verdienen aber nicht die Künstler sondern die Juristen. Wenn man also in diesem Bereich korrigieren würde, wäre es nicht nötig das Urheberrecht abzuschaffen. Aber die Piraten trauen sich scheinbar nicht, sich mit dieser mächtigen Lobby anzulegen.

  • @malvin
    Wenn Sie Deutschland verlassen dann kehre ich als Urheber nach langer Zeit zurück nach Deutschland, weil es die Politik endlich mal eine ehrliche Alternative hat. Ich würde niemals nur aus Frust eine Partei wählen. Überigens hat die deutsche Sprache die Sie so sehr loben auch drei Bustastaben mehr als das Englisch welches ich tagtäglich verwende und ich würde es Ihnen als Künstler emphelen diese Buchstaben auch zu verwenden.

  • Herr Westerwelle hat das ja nicht so mit Englisch, aber selbst er sollte verstehen das "Made in Germany" nicht "Invented in Germany" heist. Als Deutscher der nun seit 29 Jahren im Ausland lebt schätzen all deutsche Wertarbeit, aber ob die Urherberwertungsgesellschaft (typisch deutsches Wort) sich in Deutschland befindet ist niemanden wichtig.

  • Joachim Pfeiffer hätte mal das Programm der Piraten und speziell die Beschlüsse zum Urheberrecht lesen sollen, bevor er von einer "Alles-Umsonst-Politik" redet. Dort stehen eine Menge guter Vorschläge drin. Das aktuelle Urheberrecht funktioniert nur in einem Überwachungsstaat, aber die CDU möchte es partout beibehalten.

  • und warum ?

    Weil Sie die Verwerter es versäumt haben ihr Geschäftsmodell zu ändern. Alt, satt und träge anstatt neue Geschäftsfelder zu erschliessen.

    Appel verdient sich dumm und dämlich u.a. wegen der Musik.

  • "Hatten wir das nicht schon mal?"

    Haben wir das nicht dauernd?

    Wie steht es denn mit unserer Demokratie, wenn der ESM erst möglich gemacht wird?
    Wir haben uns dann als angebliche "Demokratie" tatsächlich abgeschafft, wobei das Volk jedoch von Anfang an nie etwas dazu sagen oder mitbestimmen durfte.

    Weder zum EU-Beitritt wurden wir gefragt, noch zur Auflösung der D-Mark, noch zum EFSF und schon gar nicht zum bevorstehenden ESM-Beschluss der vertrottelten Bundestagsabgeordneten, die nicht einmal wissen, was darin steht und worüber sie abstimmen sollen!

    Aber sie alle stimmen ab, obwohl sie deutlich zeigen, dass sie vollkommen unmündig sind!
    Und was Herr Gauck da gerade von sich gibt, beunruhigt mich in höchstem Maß!
    Mit ihm wird es keinen Stopp auf der Zielgeraden zur Diktatur geben. Ich bin sicher, der unterschreibt den grundgesetzwidrigen ESM ohne Achselzucken und Bedenken alternativlos, denn er redet Merkel schon jetzt nach dem Munde!!!

  • "Erste Beschlüsse der Piraten sorgen zunehmend für Unmut bei den etablierten Parteien."
    Die können gar nicht genug in Bedrängnis geraten!

  • @ margrit117888,
    wenig zu wissen und das nicht zu verschweigen ist ehrenvoller als mit Wissen zu prahlen welches nicht vorhanden ist.
    Machen Sie doch ein Replay der letzten dreißig Jahre und benennen die Besserstellungen für "Otto Normalbürger".

  • Tut mir Leid, aber ich ziehe die Nazioption fast nie, aber immerhin haben auch die Nazis die Kuenstler massenhaft enteignet!!!
    Man hat sich im Internet an die Umsonstkultur gewoehnt und ethebt nun Besitzansprueche an die Kunst. Es gibt so gut wie kein Unrechtsbewusstsein.
    Die abfaellige Haltung wie Urheber, Komponisten, Textautoren, Filmemacher von den Piraten behandelt werden ist nicht nur unertraeglich, nein es ist auch gefaehrlich.
    Und nochmal: Die ach so boese GEMA saugt die Urheber nicht aus sondern vertritt deren Rechte!!
    Die ach so kreativen Softwaretueftler erheben sich ueber die Kunst, dabei sind sie nur ein Verbreitungsmittel. Und gerade daraus wollen die Piraten Kapital schlagen, zu Lasten der Kunst. Daher ist der Bergriff "Digitalnazi" absolut zutreffend!!!

  • Beim Thema Urheberrecht wird sicher nicht nur mit dem "Arbeitsplatz" von Madonna gezockt. Und es sind auch nicht "nur ein paar Kiddies", die "ein paar" mp3's kopieren. Hier zur Abwechslung mal ein paar Fakten aus der bösen deutschen Musikindustrie: In den letzten 13 Jahren ging fast jedes Jahr der Umsatz im zweistelligen Prozentbereich zurück (das stelle man sich mal bei der Autoindustrie vor). BMG existiert nicht mehr. EMI ist pleite. Warner Music hat nur noch eine handvoll Mitarbeiter. Universal (Branchenprimus) hat von ehemals mehreren hundert Mitarbeiter nicht einmal mehr Hundert. Locker 50% der Arbeitsplätze in der Musikindustrie haben sich in diesem Zeitraum einfach in Luft aufgelöst. Und hier geht es nicht um die prozentual wenigen Superstars, sondern um kleine Labels, Studios, Plattenläden, ganz normale Musiker etc. Wenn die Piraten wirklich für mehr Gerechtigkeit sorgen wollen und hier auch die "Verwerter" vor allem im Visier haben, dann sollten sie gleich mal im Netz anfangen. Den die größten Schmarotzer, die von der Arbeit anderer leben, sind hier zu finden. Beispiel Youtube: noch nie einen einzigen Song produziert, aber Millionen für Werbung kassieren mit der Kreativität anderer. Beispiel Facebook: Die Matrix lebt. Beispiel Amazon: allein 40-50% des Verkaufspreises (nach 19% Steuern) geht an Amazon. Will heißen, von einer CD, die € 20,- kostet, kassiert der Staat erst einmal knapp € 4,- und Amazon ca. € 8,-. Und jetzt erst fangen wir an über die Produktion selbst zu sprechen. Spotifiy: 10 Millionen Titel zum umsonst hören, und nur wer Lust hat, bezahlt (dann ohne Werbung). Und so geht es weiter...

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