Urlaubsagenturen Grüne wollen ans Reiserecht

Auf Druck Brüssels bringt das neue deutsche Reiserecht Urlauber und Reiseagenturen ab Mitte 2018 in erhebliche Bedrängnis. Die Bundestags-Grünen und der Reisebüroverband VUSR wollen das nicht hinnehmen.
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Erstmals kündigen Bundespolitiker nun offiziell eine Revision des verunglückten Reiserechts an. Quelle: dpa
Neues Reiserecht

Erstmals kündigen Bundespolitiker nun offiziell eine Revision des verunglückten Reiserechts an.

(Foto: dpa)

DüsseldorfErst in gut sieben Monaten tritt Deutschlands neues Reiserecht in Kraft, dann aber gleich mit einem Wust fragwürdiger Neuregelungen. So dürfen Pauschalreiseveranstalter noch 20 Tage vor Abreise die vereinbarten Buchungspreise einseitig um acht Prozent erhöhen, falls sie unvorhergesehene Sonderausgaben geltend machen. Alternativen müssen Tui, Neckermann und Co. in solchen Fällen nicht mehr anbieten.

Auch für Urlauber in Ferienwohnungen verschlechtert sich die Rechtslage: Geht der Vermieter pleite, stehen Buchungskunden demnächst ohne Insolvenzabsicherung da. Auch Tagesreisen fallen ab Juli 2018 aus der seit 1994 geltenden Pauschalreise-Absicherung. Diese verlangte bislang, dass bei jeder Anzahlung ein Sicherungsschein ausgestellte wird, der durch eine Assekuranz gedeckt ist. Sogar für reichlich Spott sorgte das neue Reiserecht. So verständigte sich die Bundesregierung darauf, die Versicherungspflicht für Tagesreisen beizubehalten, die mehr als 500 Euro kosten. Seither rätseln Reiseexperten, wie man für Tagestouren, die meist per Bus absolviert werden, derart teure Tickets verkaufen kann.

Erstmals kündigen Bundespolitiker nun offiziell eine Revision des verunglückten Reiserechts an. „Wir werden zum frühestmöglichen Zeitpunkt 2019 auf die Evaluierung der Pauschalreiserichtlinie in Brüssel drängen“, versprach Markus Tressel, Sprecher für Tourismuspolitik der Grünen und Mitglied im Bundestags-Tourismusausschuss. „Die Richtlinie schafft es nicht, die Besonderheiten des deutschen Reisemarktes zu regeln“, kritisierte er am heutigen Freitag auf der Berliner Jahrestagung des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) vor fast 150 Reisebüro-Betreibern. Die Neufassung der 1990 erlassenen EU-Richtlinie war Ende 2015 vom EU-Parlament beschlossen worden. Trotz heftiger Proteste deutscher Reisebüros und Verbraucher goss der Bundestag die Regelungen am 2. Juni 2017 in deutsches Recht – mit einer Abstimmung nachts um 1.55 Uhr.

Das sind Deutschlands größte Hotel-Konzerne
Der Hotelmarkt boomt
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Die 50 umsatzstärksten Hotelgesellschaften in Deutschland hat die „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“ ausgewertet. Die Studie zeigt: Der Boom auf dem deutschen Hotelmarkt hält an: Zum siebten Mal in Folge konnten die Unternehmen 2016 ihren Gesamtumsatz steigern. Der Nettogesamtumsatz aller betrachteten Ketten erreichte zusammen 8,64 Milliarden Euro, im Vergleich zu 8,14 Milliarden in Vorjahr. Das bedeutet ein Umsatzplus von 6,1 Prozent. Gleichzeitig sank die Auslastung um 0,6 Prozent.

Quelle: AGHZ, Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung

Methode
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Die erhobenen Daten beruhen zum größten Teil auf Eigenangaben der Hoteliers. Haben diese in Einzelfällen keine Angaben gemacht, verwertete die „AGHZ“ die Werte aus dem Vorjahr. Auf Grundlage der errechneten Durchschnittswerte und aktueller Marktdaten wurde der Umsatz dann geschätzt. Diese Methode führte zu den Ergebnissen der Plätze zwei, drei und neun.

Platz 10: NH Hoteles Deutschland
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Mit 295 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2016 belegt das Unternehmen, das ursprünglich aus der spanischen Dachmarke Navarra Hoteles hervorgegangen ist, Platz 10. In Deutschland ist der Konzern mit Marken wie „NH Hotels“. „NH Collection“ oder „nhow“ vertreten und konnte den im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent steigern.

Platz 9: Hilton Worldwide
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Um 6,2 Prozent steigert der US-Konzern seinen Umsatz auf etwa 311 Millionen Euro und rutscht damit erstmals unter die größten zehn Hotelgesellschaften in Deutschland.

Platz 8: Event Hotels
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Die Event Hotels Gruppe vereint namenhafte Marken wie „Sheraton“, „Novotel“, „Westin“ oder „Mercure“ unter ihrem Dach. Der Jahresumsatz von 312 Millionen Euro reicht in Deutschland für Platz acht – ein Wachstum von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Betriebe sank allerdings um ein Hotel auf 46.

Platz 7: Grand City Hotels
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Mehr als 120 Hotels führt die GCH Hotels Group in Deutschland – viele von ihnen unter bekannten Namen wie etwa die Marke „Wyndham Hotels“. Rund 385 Millionen Euro setzte sie im vergangenen Jahr um – und landet mit knapp 30 Millionen Euro Zuwachs auf dem siebten Platz der umsatzstärksten Hotelgesellschaften. Von Budget- über Tagungs- zu Wellnesshotel hat die Gruppe alles im Portfolio – und bietet über 16.000 Zimmer in Deutschland.

Platz 6: Maritim Hotelgesellschaft
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380 Millionen Euro Jahresumsatz erreicht die Maritim Hotelgesellschaft mit nur 36 Betrieben, aber über 10.000 Zimmern. 63 Euro kostet ein Zimmer im Durchschnitt: Damit sind die Maritim Hotels die günstigsten in diesem Ranking.

Seither drohen deutschen Reisebüros erhebliche Sonderlasten. Schon vor dem Beratungsgespräch müssen Kunden ab Sommer 2017 – ähnlich wie bei Finanzanlagen – mehrere Informations-Protokolle unterschreiben. Zudem haften sie, sobald sie mehr als eine Reise-Einzelleistung verkaufen, oftmals bei der Pleite eines Anbieters. Einen Teil ihrer ohnehin schmalen Ertragsmarge – oft bleiben vor Steuern und Zinsen kaum zwei Prozent vom Umsatz – werden die Agenturen deshalb ab Mitte kommenden Jahres an Versicherungen abtreten müssen. „Das begünstigt konzerngebundene Reisebüros, die sich das noch leisten können“, warnte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Tressel, „und fördert Monopole.“

Als „Ironie des Schicksals“ bezeichnete der Tourismusexperte, dass die neue EU-Richtlinie vor allem auf Drängen Großbritanniens zustande kam. Dort gehören die Reiseagenturen – anders als die meisten der 10.000 Reisebüros in Deutschland – in der Regel großen Reiseveranstaltern wie Thomas Cook oder Tui. Ab dem Brexit wird die Richtlinie aber für die Briten nicht mehr gelten. Reisejuristen wie Julia Thöle von der Kanzlei Beiten Burkhardt beklagen erhebliche Rechtsunsicherheit. „Schon die Buchung eines Alpenhotels samt Skipass kann am Ende als Pauschalreise gewertet werden, die unter die Insolvenzhaftung fällt.“ Auch ein Billigflug könne zur Pauschalreise werden, falls ein Flughafenparkplatz im Preis enthalten ist. „Reisebüros sollten die Beratungsgespräche am besten schriftlich dokumentieren“, rät sie.

Ungewiss sei außerdem, ob eine zusammengezogene Bezahlung einzelner Reiseleistungen am Ende höchstrichterlich nicht ebenfalls als Pauschalreise gewertet wird. Hier hatte die Bundesregierung den Reisebüros eine Erleichterung eingeräumt, die aber möglicherweise vom Europäischen Gerichtshof wieder gekippt werden könnte.

Das sind die beliebtesten Freizeitparks der Deutschen
Platz 15: Alpincenter Hamburg-Wittenburg
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In der Reihe der meistbesuchten Freizeitparks der Deutschen steht das Alpincenter in Wittenburg, rund 80 Kilometer östlich von Hamburg, mit 280.000 Besuchern 2016 auf Platz 15. Die Hauptpiste der 2006 eröffneten Anlage ist 330 Meter lang und 80 Meter breit. Zusätzlich gibt es eine Halfpipe und mehrere Lifte.

Quelle: VuMA/ Statista

Platz 14: Snow Dome Bispingen
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Der im niedersächsischen Bispingen gelegene Snow Dome kam im vergangenen Jahr auf rund 420.000 Besuchern. Dieser alpine Park hat eine 100 Meter breite Schneepiste. In der Skihalle, die in der Lüneburger Heide liegt, kann man sich ganz gemütlich per Skilift an „schneebedeckten Bergen“ vorbei wieder nach oben fahren lassen.

Platz 13: Playmobil FunPark
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Der in Zirndorf bei Bayern gelegene Playmobil-Park kommt auf 830.000 Besucher. Das durch Spritzgussmaschinen hergestellte Kinderspielzeug ist in diesem Park alles andere als eine Miniatur. Die Kinder können zwischen Burgen, Schlössern, riesigen Dinosauriern oder in Baumhäusern klettern, balancieren und rutschen.

Platz 12: Filmpark Babelsberg
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1,32 Millionen Besucher kamen 2016 in den Filmpark Babelsberg, der seinen Namen von dem gleichnamigen Potsdamer Stadtteil hat. Der Freizeitpark behandelt alles rund um die Filmwelt – von Originalkulissen über Shows wie „Filmtiere vor der Kamera“, bis 4D-Actionkino. In dem Filmstudio Babelsberg werden bereits seit 1912 Filme gedreht – wie „Metropolis“, „Der blaue Engel“ oder auch „Der Ghostwriter“ und „Das Bourne Ultimatum“.

Platz 11: Serengeti Park
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Der in der Lüneburger Heide in Hodenhagen gelegene Tier- und Freizeitpark lockte 2016 1,32 Millionen Besucher mit einem 220 Hektar großen Gelände, auf dem sich 1500 Tiere befinden. Laut dem Park stand schon in 1970ern der berühmte Zoologe und Tierfilmer Prof. Dr. Bernhard Grzimek der Familie Sepe, die das Parkkonzept gestaltet hat, beratend zur Seite, um die afrikanischen Wildtiere zu halten. In 17 Freigehegen mit Tigern, Affen oder Tapiren können sich die Tiere größtenteils frei bewegen. Wer es sportlich mag, der kann beim „Survival Run“ über 8 oder 16 Kilometer in und um den Park aus Rennen, Springen, Schwimmen und Klettern mitmachen.

Platz 10: Hansa Park
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Mit seinen 46 Hektar gehört der Hansa Park zu den fünf größten deutschen Freizeitparks. 1,46 Millionen Menschen besuchten das 1977 als Hansaland in Schleswig-Holstein eröffnete Areal, das mit zahlreichen Achterbahnen, Wasserfahrgeschäfte, Goldwaschen und einem Hochseilgarten lockt. Auf der Achterbahn „Fluch von Novgorod“ startet man mit einem Katapultstart die bis zu 105 km/h schnelle Fahrt. Sie soll mit ihren 97 Grad die steilste Achterbahn Deutschlands sein.

Platz 9: Disneyland Paris
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Die Deutschen fahren für einen Freizeitpark gerne auch mal ins Nachbarland. Rund 1,6 Millionen Besucher reisten 2016 nach Paris. Der Park gehörte mit über 10 Millionen Besuchern 2014 zu den meistbesuchten Vergnügungsparks Europas.

Klaus Brähmig, jahrelang Tourismusausschuss-Vorsitzender im Bundestag, kritisierte in Berlin die Rolle des mächtigen Deutschen Reise-Verbands (DRV). Dieser habe bei seiner Lobbyarbeit Fehler gemacht und die Agenturen in der Politik unzureichend vertreten. Entsprechend verständlich sei es, dass sich vor zwei Jahren unter der Reisevermittlerin Marija Linnhoff der Konkurrenzverband VUSR gegründet habe. „Das neue Pauschalreiserecht ist existenzgefährdend für deutsche Reisebüros“, glaubt Brähmig.

Anders als Tressel wird der CDU-Politiker jedoch nicht mehr im Bundestag gegen das „Dritte Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften“ kämpfen können. Am 24. September verlor er nach 27 Jahren im Bundestag seinen Wahlkreis – ausgerechnet gegen die damalige AfD-Kandidatin Frauke Petry.

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