Ursula von der Leyen „Aufarbeitung der Bundeswehrtradition braucht Zeit“

Die Bundeswehr arbeitet ihre Tradition auf. Bei mehreren Workshops bis zum Jahresende will sie alte Richtlinien überarbeitet haben. Ein langwieriger Prozess, wie die Ministerin Ursula von der Leyen deutlich macht.
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In diesen Ländern sind Soldaten der Bundeswehr stationiert
Luftwaffenstützpunkt Incirlik
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Trotz mehrmaliger Einigungsversuche soll die Bundeswehr von der Luftbasis Incirlik abgezogen werden. Bislang wurde der Stützpunkt für die Aufklärungsmissionen gegen den IS genutzt. Die Mission des Anti-IS-Einsatzes trägt den Namen „Counter Daesh“. Wenn deutsche Soldaten wie geplant von der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik nach Jordanien verlegt würden, könnten sie wohl wochenlang keinen Beitrag im Kampf gegen den IS leisten. Beim Einsatz der „Tornado“-Aufklärungsflugzeuge sei durch den Umzug mit einer Lücke von bis zu zwei Monaten zu rechnen, das Tankflugzeug könne zwei Wochen nicht eingesetzt werden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Nahost
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Der internationale Einsatz gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ wird mit Hilfe von insgesamt 277 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr durchgeführt. Weltweit sind rund 3500 deutsche Einheiten im Einsatz – und kämpfen dabei nicht nur gegen den IS. Am stärksten vertreten ist die Truppe in Afghanistan.

Afghanistan
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Mit einer Stärke von 995 Soldaten beteiligt sich die Bundeswehr hier an der Nato-Mission Resolute Support. Bei der aktuellen Mission sollen die Soldaten die Kräfte vor Ort ausbilden, beraten und unterstützen. Die Bundeswehr beteiligt sich schon seit 2002 im krisengebeutelten Land am Hindukusch. Erst im Mai bat die Nato laut einem BBC-Bericht die britische Regierung, mehr Truppen in das Land zu schicken. US-Generäle werben seit Monaten um mehr Truppen in Afghanistan. Deutsche Offiziere hatten mehrfach angedeutet, dass Entscheidungen der militärischen Leitnation USA über ihre Truppenstärke auch Auswirkungen auf die deutsche Präsenz in Afghanistan haben werde. Derzeit sind knapp 13.000 internationale Soldaten in Afghanistan stationiert.

Mali
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In der früheren Rebellenhochburg Gao am Rande der Sahara sind 941 Bundeswehrsoldaten stationiert. Sie sind am UN-Stabilisierungseinsatz Minusma beteiligt, der zur Umsetzung eines Friedensabkommens von 2015 zwischen Regierung und Rebellen beiträgt. Deutschland verlegte mehrere Transport- und Kampfhubschrauber nach Mali. Die Mission in Mali ist mittlerweile der zweitgrößte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Der UN-Einsatz gilt als einer der gefährlichsten weltweit. Die Bundeswehr beteiligt sich zudem an der Ausbildungsmission EUTM Mali. Ziel soll die Stabilisierung der Sicherheitslage in der Sahelregion sein.

Kosovo
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Auch im Kosovo beteiligt sich die Bundeswehr. Insgesamt werden im Rahmen der Mission KFOR (Kosovo Force) aktuell 607 Soldaten gestellt. Die Nato-Mission soll das Land sichern und stabilisieren. Die Truppen leisten humanitäre Hilfe und unterstützen Hilfsorganisationen vor Ort. Weil sich die Lage in dem bürgerkriegsgebeutelten Land weiter stabilisiert, will die Bundesregierung den längsten Auslandseinsatz der Bundeswehr nach 18 Jahren weiter zurückfahren.

Mali
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Insgesamt 144 Soldatinnen und Soldaten sollen bei der Mission malische Streitkräfte ausbilden. Frankreich erwartet von Deutschland und Europa mehr Einsatz beim Antiterrorkampf im westafrikanischen Mali. „Frankreich gewährleistet in Mali und anderen Einsatzgebieten die europäische Sicherheit“, sagte der neue französische Präsident Emmanuel Macron bei einem Truppenbesuch in der Stadt Gao im Norden Malis. Mali war durch einen Militärputsch im März 2012 in eine Krise geraten. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein, um das Vorrücken von Islamisten und Tuareg-Rebellen vom Norden in den Süden Malis zu stoppen und die geschwächten Regierungstruppen zu unterstützen. Viele Gebiete des Landes sind aber nach wie vor nicht unter Regierungskontrolle.

Nordirak
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Auch im Nordirak ist die Bundeswehr weiterhin aktiv. Zurzeit beteiligen sich 128 Soldatinnen und Soldaten an der Ausbildung von irakischen Streitkräften. Die Bundeswehr schult seit Januar 2015 Kämpfer der kurdischen Peschmerga-Armee sowie der religiösen Minderheiten der Jesiden und Kaka'i. Nach Angaben der Ministerin bildeten sie bislang mehr als 10.000 Kämpfer aus. Im Militärcamp Bnaslawa bei Erbil bilden die deutsche Soldaten kurdische Peschmerga auch im Häuserkampf aus, die das Militär als besonders gefährlich einstuft. Auf dem Stützpunkt wurde dazu seit dem Frühjahr ein vom IS befreites Dorf originalgetreu nachgebaut – inklusive eines Grabens und Schutzwalles, die schwere Fahrzeuge abhalten sollen, sowie eines Tunnelsystems, durch das der IS seine Kämpfer verborgen vor den Augen der Gegner von einem Ort zum anderen verschieben kann. German Village – deutsches Dorf – heißt das Übungsgelände.

Hamburg Die Überprüfung und Neuausrichtung der Bundeswehr-Traditionen wird nach den Worten von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kein schnelles Ergebnis haben. „Dies ist ein Prozess, der nicht in wenigen Wochen abgeschlossen ist. Das Thema verträgt keine Eile“, sagte die Ministerin am Donnerstag in der Hamburger Führungsakademie der Bundeswehr.

In die Ausbildungsstätte waren mehr als 300 Teilnehmer aus den Streitkräften sowie Historiker, Sozialwissenschaftler und Interessenvertreter eingeladen, um in einem ersten Workshop über den 1982 ergangenen Traditionserlass zu diskutieren. „Unser Anspruch ist hoch“, erklärte von der Leyen. Schließlich sollen die überarbeiteten Richtlinien den rund 170 000 Soldaten „Orientierung und Halt“ geben für ihren Dienstalltag und ihre Einsätze.

Eine Affäre um rechtsextreme Umtriebe in der Bundeswehr hatte im Frühjahr eine Diskussion über den Umgang der Streitkräfte mit ihrer Tradition und besonders der Wehrmacht entfacht. „Es kann kein Relativieren gehen, was den Kulturbruch des Nazi-Regimes und das unermessliche Leid anbelangt, das es mit dem Zweiten Weltkrieg und der Shoa in Europa und weit darüber hinaus gebracht hat“, sagte von der Leyen. „Die Wehrmacht als Institution kann nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sein.“

Das Sammeln von Waffen, Modellen, Urkunden, Fahnen, Bildern, Orden und Ausrüstungsgegenständen ist den Soldaten laut dem Erlass erlaubt, wenn sie in einen geschichtlichen Zusammenhang eingeordnet werden. Nationalsozialistische Symbole sind verboten - außer sie dienen der politischen Bildung.

Um Militärtradition lebendig und anschlussfähig an das Geschichtsverständnis der heutigen Gesellschaft zu halten, muss nach Auffassung der Ministerin „Bewährtes und Bewahrtes“ immer wieder hinterfragt werden. Dies erfordere eingehende historische Kenntnisse, historisches Bewusstsein, Umsicht, Differenzierung und keine schnellen Urteile. Nur wenn die Gesellschaft verstehe, wie die Bundeswehr denke, fühle und ihre Vorbilder setze, könne sie von dieser auch gewürdigt werden, sagte von der Leyen.

Der Traditionserlass von 1982 enthalte viel Gutes, sei aber ein Produkt seiner Zeit, ergänzte die Historikerin Loretana de Libero von der Führungsakademie. Die Richtlinien müssten schärfer gefasst und an die heutigen Verhältnisse angepasst werden, forderte die Professorin.

Nach Hamburg sollen bis Ende des Jahres weitere Workshops in Koblenz, Potsdam und Berlin veranstaltet werden, jeweils zu verschiedenen Themen. In Hamburg lag das Augenmerk auf der Tradition der Bundeswehr im europäischen Verteidigungskontext und in der transatlantischen Sicherheitspartnerschaft.

  • dpa
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  • Zum einen muss man feststellen, dass die Bundeswehr keine Tradition hat Die kann auch seit 1955 nicht gebildet worden sein, da die BW gesamt in der Nato integriert ist und bis heute bevormundet wird. Sie wird nicht anerkannt von einigen Staaten wie die Türkei, z.B die unsere BW als schwach ansehen an Händchen von Bundestagsabgeordneten. Da sehnt sich jeder Soldat nach Halt und
    der DXXXXXXX Staat kann das nicht mehr geben. Der Feind sitzt im eigen Land,
    Familien Kinder fliegen durch die Luft während die Soldaten außerhalb des Landes im Sand wühlen. Da sucht man nach Tradition in der Wehrmacht und das war schon zu meiner Zeit so , wo Ausbilder die schlimmsten waren. Aber man war
    ein Haufen und Stolz.

    Wie ich schon vor 2 Jahren festgestellt habe, wird die Privatarmee sich finden und einen weiteren unabhängigen Block bilden wie Polizei , BND, Verfassungsschutz
    die alle untereinander zusammen halten mit Ausnahmen und gegen den Staat.

    Alle wollen eine starke Demokratie die wehrhaft ist . Die haben wir nicht , da wird man nach Ersatz suchen. Die Soldaten der WM waren Tapfer ,mutig im Dienst und waren auch Opfer. Aber es waren Soldaten die jedes Land mit Kusshand genommen hätte. Nicht umsonst sind weltweit Anhänger der WM zu finden.

    VDL muss weg und ich hoffe mit Merkel .

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