Ursula von der Leyen
„Nichtstun verursacht enorme Kosten"

Gewinnt Deutschland keine qualifizierten Zuwanderer, drohen der Wirtschaft unschöne Konsequenzen, warnt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Doch dürfe die Zuwanderung kein Einfallstor für Lohndumping werden
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Handelsblatt: Frau von der Leyen, laut Wikileaks halten US-Diplomaten Sie für eine sehr beliebte Politikerin, die erfolgreich die Familienpolitik der CDU modernisiert hat…

Ursula von der Leyen: (lacht)… na, wenn das als streng vertraulich gehandelt wird, sollte ich mir eigentlich Sorgen machen …

Handelsblatt: Vielleicht hat es ja sogar damit zu tun, dass Sie selbst schon in den USA gelebt haben. Was haben Sie da für Ihre Politik gelernt?

Von der Leyen: Sehr beeindruckt hat mich jedenfalls die Erfahrung, welch hohen Stellenwert man dort an der US-Westküste schon vor fast 20 Jahren der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegeben hat. Und man konnte auch sehr gut sehen, welcher Gewinn es für eine Region – Silicon Valley und Umgebung – sein kann, wenn sie zum Anziehungspunkt für hochqualifizierte Menschen aus allen Ländern wird.

Handelsblatt: Wie viel offener muss Deutschland für Zuwanderer werden?

Von der Leyen: Zuerst müssen wir unsere eigenen Interessen erkennen: Wenn wir nichts ändern, schrumpft die Erwerbsbevölkerung hierzulande binnen 15 Jahren um bis zu fünf Millionen Menschen. Uns droht ein enormer Fachkräftemangel. Dagegen hilft zweierlei: Wir müssen inländische Arbeitskräfte besser aktivieren – zum Beispiel Frauen, Migranten und Ältere. Und wir müssen heute die Weichen so stellen, dass der Zug der gut qualifizierten Fachkräfte, die zu uns passen, nicht an unserem Land vorbeifährt.

Handelsblatt: Zumindest die CSU würde auf den zweiten Teil – mehr Zuwanderung – gerne verzichten. Wie wollen Sie ihr das beibiegen?

Von der Leyen: Wir alle sollten uns die Brisanz von Fachkräftemangel klarmachen. Er verursacht enorme Kosten durch Produktionsausfälle und dadurch steigende Arbeitslosigkeit. Unternehmen investieren bei fehlenden Fachkräften weniger, weil die Kapitalrendite sinkt. Es wächst der Druck zur Automatisierung – dann fallen Arbeitsplätze für Geringqualifizierte weg. Und in anderen Bereichen droht Arbeitsverdichtung – was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter konterkariert. Das kommt auf das ganze Land zu, wenn wir nicht handeln– auch auf Bayern.

Handelsblatt: Nun biete schon das heutige Zuwanderungsrecht viele Zugangswege, sagen Kritiker. Wer kennt sich da nicht richtig aus?

Von der Leyen: Wir alle wissen insbesondere noch zu wenig darüber, in welchen konkreten Berufen und Regionen denn Fachkräftelücken drohen. Deshalb baue ich jetzt mit der Bundesagentur für Arbeit einen Jobmonitor auf, der uns künftig systematisch wichtige Informationen dazu liefern wird …

Handelsblatt: … was uns aber noch nicht mehr schlaue Köpfe bringt.

Von der Leyen: Deshalb ist das ja auch nicht alles. Ich lasse in meinem Ministerium eine Positivliste von Berufen erstellen, bei denen erwogen wird, die sogenannte Vorrangprüfung befristet auszusetzen. Dazu muss man nichts im Zuwanderungsrecht ändern, sondern nur die bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen.

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  • Man sollte sich bei dem Mindestlohn nur auf die Sparte "Hilskräfte" beschränken. Der Markt für MiNT-Fachleute sollte man dem
    Regulierunsmechanismus "Angebot und Nachfrage" überlassen. Eine Regulierung in diesem bereich würde uns zwingen, die Arbeitsplätze zu den geeigneten Fachleuten ins Ausland zu verlegen.

  • unschöne kosten haben die nichtwähler durch eure vergeigte Politik,tage,jahre,jahrhunderte 1,8 billionen staatsschulden sind zu bezahlen und sie reden von Kosten wer bitte bezahlt die der Leiharbeiter,der Aufstocker,nein der firmenboss,VW,wieviel Reichsmark haben die Deutschen eingezahlt für einen Käfer,was haben sie bekommen kein Käfer nei das angezahlte zurück nein,die einberufung und ein schreckliches Schiksal meistens tötlich,Quant bMW,Luftthansa,da war doch was,banken ändern heute ihren Namen da war doch was.wie sich alles ähnelt,wie kann man Atommüll verstecken auf so lange zeit wo doch alles in bewegung ist auf millionen jahre?Profit gier machts möglich.Asse srahlt ist asse der antichrist

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