Urteil der Ökonomie
Das Betreuungsgeld - ein Rückschritt

Sozialministerin von der Leyen hält das Betreuungsgeld für eine Katastrophe. Es läuft der bisherigen Familienpolitik vollständig zuwider und würde, darin sind sich Ökonomen einig, die Zahl der Erwerbstätigen verringern.
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Frankfurt, DüsseldorfWenn Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften in einer gemeinsamen Stellungnahme vor einer neuen Sozialleistung warnen, dann ist das ein Indiz dafür, dass sie tatsächlich nicht sinnvoll ist. „Die geplante Einführung eines Betreuungsgeldes ist ein Rückschritt und gefährdet wichtige Ziele der Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Familienpolitik“, warnten gestern Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt und DGB-Chef Michael Sommer. Auch die Ökonomenzunft lehnt das Betreuungsgeld geschlossen ab.

Selten ist eine staatliche Maßnahme auf dem Feld der Familienpolitik auf eine solche Widerstandsfront gestoßen – schließlich gelten im kinderarmen Deutschland für gewöhnlich Ausgaben zur Förderung der Kinder per se als gut. Darum gibt der Staat ja auch fast 200 Milliarden Euro im Jahr für die Besserstellung von Ehepartnern und Familien mit Kindern aus.

Das Betreuungsgeld soll laut Regierung ab 2014 jährlich vergleichsweise bescheidene 1,2 Milliarden Euro kosten. Experten rechnen mit mindestens zwei Milliarden Euro und fürchten – wie bei allen flächendeckenden Subventionen – einen weiteren Anstieg in späteren Jahren. Doch am meisten ärgert sie, dass das Geld volkswirtschaftlich deutlich mehr Schaden als Nutzen anrichten würde.

Ein großer Teil der Empfänger würde das Geld einfach einstreichen, ohne sein Verhalten zu verändern, sagt Arbeitsmarktexperte Ronald Bachmann vom Forschungsinstitut RWI in Essen voraus. Der Anreiz, Kinder zu Hause zu lassen, statt sie in die Kindertagesstätte zu schicken, wäre bei einkommensschwachen Familien am größten, für die schon 100 Euro mehr im Monat viel ausmachten. Das seien aber ausgerechnet die Familien, bei denen es die Mütter anschließend besonders schwer hätten, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Ihnen drohten Arbeitslosigkeit und später niedrige Renten.

Kommentare zu " Urteil der Ökonomie: Das Betreuungsgeld - ein Rückschritt"

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  • Die Analyse ist wenig logisch:

    1.) Für globale Unternehmen rechnet sich natürlich der Krippenausbau wegen des besseren Arbeitsmarktangebots und den dadurch bedingten Kosteneinsparungen durch niedrigere Löhne, aber auch nur so lange, wie nach dem demographischen Zusammenbruch der Gesellschaft noch leistungsfähige andere Gesellschaften vorhanden sind.

    2. Die Kosten sind schon im direkten Vergleich ungleich höher als bei der Auszahlung angemessener Betreuungsgelder, z.B. von 500€, denn ein Krippenplatz mittlerer Qualität, kostet schon etwa das Doppelte an Subvention, bei guter Qualität sogar noch mehr und allein die würde bei sozial-schwachen Familien zu positiven Effekten führen, nicht aber bei Mittel- und Oberschichtfamilien, vgl. auch 8. Familienbericht der Bundesregierung: "...Dem Kind entgeht also durch die außerfamiliäre Betreuung die Bildung und Erziehung durch seine gut gebildete und erziehungskompetente Mutter..."

    3. Die Krippenfolgekosten in Form zunehmender psychischer und psychosomatischer Erkrankungen als der Eisberg unter Wasser werden gar nicht in die Rechnung einbezogen. Nicht unbegründet sind die skandinavischen Länder auf eine alternativ zur Krippennutzung möglichen Inanspruchnahme eine Betreuungsgeldes, in Norwegen monatlich pro Kind annähernd 500 €, in Schweden seit 2008 immerhin auch 300 € umgeschwenkt, nachdem diese Folgen sichtbar wurden. Selbst bei guter Krippenqualität wie in Skandinavien verträgt bei weitem nicht jedes Kind die Krippenbetreuung, 50 bis 90% der Kinder, je nach Krippenqualität, tragen Schäden davon.

    4. Selbst Heckmann räumt den Eltern und vor allem den Müttern eine zentrale Rolle ein: "... Die Eltern müssen ihre Erziehung verändern, mehr Zeit mit dem Kind verbringen, es stärker motivieren..." und weist auf ein Wohnprojekt in einer armen Gegend in Chicago hin, wo es Kinder allein durch das Engagement der Mütter sehr weit gebracht haben.

  • Eine angemessene Familienpolitik ist sehr wichtig, denn unsere Kinder brauchen eine anständige Erziehung. Ob diese durch das heiß diskutierte Betreuungsgeld gewährleistet wird oder durch andere Maßnahmen, es muss jedoch etwas getan werden. Warum? http://bit.ly/HuB6j4

  • Eine angemessene Familienpolitik ist sehr wichtig, denn unsere Kinder brauchen eine anständige Erziehung. Ob diese durch das heiß diskutierte Betreuungsgeld gewährleistet wird oder durch andere Maßnahmen, es muss jedoch etwas getan werden. Warum? http://bit.ly/HuB6j4

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