US-Eliteuniversitäten
Amerikas Wohltäter geben gern und reichlich

Richard Levin ist ein großer Bewunderer der deutschen Hochschulen – wie sie vor 70 Jahren waren. „Damals gehörten die deutschen Universitäten zu den besten der Welt“, sagt der Präsident der amerikanischen Eliteuniversität Yale. „Heute fehlt ihnen einfach das Geld.“ Amerika hat es besser.

NEW YORK. In den USA sind die Spitzenunis nicht dem Sparzwang der öffentlichen Kassen unterworfen. 95 Prozent ihrer Finanzmittel beziehen die privaten Eliteeinrichtungen von privater Seite. Die 200-Millionen-Euro-Spende von Klaus Jacobs für die Privatuniversität in Bremen ist auch für US-Verhältnisse außerordentlich. Als der Oracle-Gründer Larry Ellison kürzlich 115 Mill. Dollar nach Harvard überweisen wollte, führte das zu einem Raunen auf dem Campus der wohl berühmtesten Universität Amerikas. So viel hatte noch niemand gegeben. Ellison zog seine Spende letztendlich zurück, weil Harvard seinen umstrittenen Präsidenten Larry Summers aus dem Amt drängte.

Für Harvard war das ein Rückschlag, den die Hochschule jedoch ohne Probleme wegstecken konnte. Besitzt die Universität doch mit knapp 26 Mrd. Dollar (Stand Ende Juni 2006) das weltweit größte Stiftungsvermögen einer Hochschule. In diesem Stiftungstopf sammelt Harvard die zahlreichen Privatspenden, von denen viele Spitzenunis in den USA leben. Das Geld wird von professionellen Fondsmanagern aktiv verwaltet. Harvard verpflichtete dafür jüngst Mohamed El-Erian, ehemaliger Manager des weltgrößten Anleihehändlers Pimco. Der Finanzprofi erwirtschaftete in seinem ersten Geschäftsjahr eine Rendite von 16,7 Prozent. Das reicht, um ein Drittel der laufenden Ausgaben für den Lehrbetrieb abzudecken. Die Kapitaleinkünfte aus der Stiftung sind in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent auf fast eine Mrd. Dollar gestiegen. Das Stiftungsvermögen selbst kletterte im gleichen Zeitraum dank der lebhaften Spendentätigkeit um 60 Prozent.

Private Spenden haben in der amerikanischen Bildungsgeschichte eine lange Tradition. So hat Yale seine Existenz und seinen Namen der großzügigen Spende des walisischen Kaufmanns Elihu Yale im 18. Jahrhundert zu verdanken. Im vergangenen Jahr spendeten die Amerikaner knapp 40 Mrd. Dollar für ihre Bildungseinrichtungen. Etwa zwei Drittel davon flossen nach Angaben der Organisation Giving America in die Kassen der Universitäten und Colleges.

Die Stiftungstöpfe der US-Bildungstempel werden nicht nur von Großspenden gespeist. Ein bedeutender Teil ist der Treue der ehemaligen Absolventen zu verdanken. In Princeton zum Beispiel schicken etwa zwei Drittel dieser so genannten Alumnis ihrer alten Uni jedes Jahr einen Scheck. „Ihr College oder ihre Universität sind für viele Amerikaner Teil ihrer persönlichen Biografie“, erklärt Yale-Präsident Levin die finanzielle Treue der Ehemaligen. Die Unis bedanken sich dafür mit einem Kontingent ihrer begehrten Studienplätze, das sie für die Sprösslinge der Absolventen freihalten.

Das private Finanzierungsmodell ist so erfolgreich, dass in den USA auch immer mehr staatliche Universitäten private Geldgeber suchen. Bislang finanzieren sich die öffentlichen Bildungsstätten durch eine Mischung aus Studiengebühren und steuerlichen Zuschüssen. „Man findet kaum ein Hochschulgebäude, das in den vergangenen 20 Jahren ohne private Hilfe gebaut oder renoviert wurde“, sagt Julie Lea, Sprecherin der staatlichen Universitätsstiftung im US-Bundesstaat Kansas. Im Nachbarstaat Missouri finanzierte eine Spende der Wal-Mart-Erbin Nancy Laurie ein Drittel der Kosten für die Sportarena der staatlichen Uni.

Studiengebühren spielen bei allen Hochschulen in den USA eine wichtige Rolle. Bei den privaten Eliteuniversitäten können sich die jährlichen Zahlungen auf bis zu 40 000 Dollar belaufen. Etwa 70 Prozent aller Studenten in den USA zahlen die Gebühren jedoch nicht aus der eigenen Tasche, sondern nehmen dafür verbilligte Kredite auf oder erhalten Stipendien. In Princeton liegen die Studiengebühren bei etwa 30 000 Dollar, die Kosten für die Ausbildung und Betreuung eines Studenten werden jedoch auf 50 000 Dollar geschätzt. Der Fehlbetrag wird mit privater Hilfe vor allem durch die Stiftungen finanziert.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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