US-Geldpolitik
„Fed-Manöver wird wie Tsunami auf Weltwirtschaft wirken“

Unter dem Eindruck einer neuen 600 Mrd. Dollar schweren Geldspritze der Fed für die US-Wirtschaft stecken heute die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von England ihren weiteren Kurs ab. Das Fed-Manöver sorgt in China für Verstimmung – und auch in Berlin ist man höchst beunruhigt.
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DÜSSELDORF. Finanzpolitiker der schwarz-gelben Koalition haben die jüngste geldpolitische Lockerung der US-Notenbank scharf kritisiert. Dass die Fed die Anleihekäufe ausweiten wolle, „beunruhigt mich auf lange Sicht“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Leo Dautzenberg, Handelsblatt Online. So hätten die amerikanischen Börsen zwar positiv, aber eben nicht „überschwänglich“ reagiert. „Langfristig kann diese Politik zu einer Inflation führen“, warnte der CDU-Politiker. Und nichts sei unsozialer als eine staatlich betriebene und nicht durch eine auf Preisstabilität abzielende Währungspolitik. „Ich sehe diese Schritte daher skeptisch.“

Mit harschen Worten reagierte auch der Finanzexperte der FDP-Bundestagfraktion, Frank Schäffler. „Das erneute Drucken von Geld aus dem Nichts wird wie ein Tsunami auf die Weltwirtschaft wirken“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Ich befürchte, dass diese weltweite Sozialisierung von US-Staatsschulden zu einer neuen Runde des Protektionismus führen wird. Damit wird die marktwirtschaftliche Ordnung zerstört.“

Der IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard hält indessen steigenden Inflationsdruck aufgrund der lockeren US-Geldpolitik nicht für ein Drama. „Wenn das Inflation erzeugt, dann wäre das nicht das Ende der Welt“, sagte der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) dem französischen Radiosender „Europe 1“. „Denn die USA befinden sich in einer Phase sehr niedriger Inflation, und es gibt die Gefahr einer Deflation.“ Blanchard hatte zu Jahresbeginn schon einmal für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte er den Notenbankern und Finanzpolitikern vorgeschlagen, die Zielmarke für die Inflationsrate von zwei auf vier Prozent zu verdoppeln.

Die 600 Mrd. Dollar schwere Geldspritze der Notenbank sorgt auch in China für Verstimmung. „Solange die Welt keine Zurückhaltung bei der Ausgabe von Weltwährungen wie dem Dollar übt, ist das Eintreten einer neuen Krise unvermeidlich“, schrieb der Berater der chinesischen Notenbank, Xia Bin, in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag in der „Financial News“ - einem von der Zentralbank herausgegebenen Blatt. Die Volksrepublik müsse einen währungspolitischen Schutzwall errichten, um sich vor externen Schocks zu schützen.

Die staatliche Denkfabrik Chinese Academy of Social Siences befürchtet einen steigenden Inflationsdruck durch die lockere Geldpolitik der Fed. „Das wird für Abwertungsdruck auf den Dollar sorgen, was wiederum die weltweiten Rohstoffpreise nach oben treibt, darunter Öl“, sagte Ökonom Wang Zihong. Damit drohe auf Rohstoff-Einfuhren angewiesenen Ländern wie China eine importierte Inflation.

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  • Super benzin in berlin vorgestern: 1,37 EUR.
    Super benzin in berlin heute: 1,42 EUR.

    Wer den Preisstabilitäts-Einlull-Reden der EZb-Staatsanleihenkäufer noch Glauben schenkt, dem ist nicht mehr zu helfen.

    irland-bund-Spread auf Allzeithoch.

    ich kenne schon das genaue Datum der Exit-Strategie der EZb: Sankt Nimmerleins-Tag.

  • Um eine neuerliche Krise zu vermeiden, muss sich grundlegend etwas in unserem Denken ändern, wie es auch Sylke Schröder einfordert: http://bit.ly/9Gi3cD

  • Gold ist (noch) verdammt billig.

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