Deutschland
US-Handelskammer: "Die Union ist nicht mutig genug“

US-Investoren klagen über die die hohe Steuerlast und das starre Arbeitsrecht als Belastungsfaktoren für den Standort Deutschland. Die amerikanische Handelskammer in Deutschland (Amcham Germany) dringt daher seit Jahren auf ein innovationsfreundlicheres Umfeld und mehr Flexibilisierung. In den geplanten Neuwahlen sieht Amcham-Geschäftsführer Dierk Müller nun eine große Chance. Allerdings findet er weder bei der SPD noch der Union die richtigen Konzepte.

Handelsblatt.com: Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist nach Ansicht von amerikanischen Investoren besser als sein Ruf. Dennoch wollen fast ein Drittel der hier tätigen US-Unternehmen Stellen abbauen. Wie passt das zusammen?

Müller: Die Bundesrepublik ist nach wie vor einer der attraktivsten Standorte in Europa mit der größten Konzentration amerikanischer Investitionen. Die Firmen schätzen vor allem die gut ausgebildeten Arbeitskräfte. Deutschland wird aber sicherlich auch zugeschrieben, nicht zukunftsfähig und zu sehr staatlich fixiert zu sein. Insbesondere die überbordende Bürokratie sowie die komplizierten und teuren Sozialsysteme werden als Hindernisse wahrgenommen. Zudem bieten sich Existenzgründern schlechtere Chancen als in den USA.

Gegen die Konkurrenz aus Osteuropa kann sich Deutschland nicht mehr durchsetzen?

Müller: Die amerikanischen Unternehmen werden auch weiterhin in Deutschland investieren. Vor allem für Vertrieb und Marketing , aber auch für Forschung und Entwicklung ist Deutschland ein beliebter Standort. Die US-Investitionen in Deutschland schätzen wir auf 110 Mrd. Euro. Damit sind direkt 800 000 Arbeitsplätze verbunden.

Trotz der anhaltenden Investitionen von US-Firmen entstehen vergleichsweise wenig neue Arbeitsplätze.

Müller: Grund ist die verschobenen Gewichtung der Investitionen. Personalintensive Bereiche wie Produktion und Verwaltung wandern aufgrund der hohen Lohnkosten in die neuen EU-Mitgliedstaaten wie Polen, Tschechien oder die Slowakei. ab. Die US-Investitionen in Deutschland richten sich stärker auf Hightech statt auf Massenarbeitsplätze. Zudem beobachten wir seit etwa zwei bis vier Jahren ein zunehmendes Interesse bei US-Finanzinvestoren für deutsche Unternehmen. Dazu zählen nicht nur Private Equity, sondern auch Firmen, die strategisch investieren. Gesucht wird, was gut in das eigene Portfolio hineinpasst und Mitarbeiter mit Know-How aufweist.

Worin liegen die Vorteile anderer westeuropäischen Länder wie Großbritannien?

Müller: Im Gegensatz zu Deutschland haben die Briten schon vor zehn Jahren begonnen, durch Deregulierung für größere Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen. Aus diesem Grund bevorzugen viele US-Firmen Großbritannien als Standort für ihre Europa-Zentralen. Hinzu kommt ein weicher Faktor - die gemeinsame Sprache.

In Deutschland stehen Neuwahlen an? Wie ist die Nachricht von den US-Unternehmen aufgenommen worden?

Müller: Die angestrebten Neuwahlen nimmt die US-Wirtschaft als Chance wahr. Auch eine Stärkung der Binnennachfrage ist im großen Interesse der Amerikaner. Die US-Firmen hier leiden unter der deutschen Konsumflaute. Sie wollen endlich mehr verkaufen. Selbst ein Stimmungswandlung kann helfen, Deutschland bei den Investoren wieder verstärkt ins Gespräch zu bringen. Ein Investor wird auch von Meinungen und Stimmungen getrieben.

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