US-Informant
Westerwelle entlässt Büroleiter nach Geheimnisverrat

Die FDP hat den Informanten enttarnt, der US-Diplomaten vertrauliche Interna aus den Koalitionsverhandlungen zugespielt haben soll. Seine Aussagen waren in State-Department-Dokumenten aufgetaucht, die das Internetportal Wikileaks veröffentlicht und damit für weltweites Aufsehen gesorgt hatte. Der Informant soll Guido Westerwelles Büroleiter sein.
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HB BERLIN. Das Geheimnis um den Informanten der US-Botschaft während der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen ist gelüftet: Es war der bisherige Büroleiter von FDP-Chef Guido Westerwelle. Der 41-jährige Helmut Metzner gab zu, im vergangenen Herbst Informationen zum Verlauf der Gespräche weitergegeben zu haben. Metzner wurde daraufhin am Donnerstag von seinem Job als Büroleiter entbunden. Metzner war während der Koalitionsverhandlungen im vergangenen Herbst in der FDP-Zentrale für „internationale Kontakte“ zuständig..

Der Fall war durch die Enthüllungen der Internet-Plattform Wikileaks bekannt worden. Demnach ließ sich der US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, im Herbst 2009 von einem „jungen, aufstrebenden Parteigänger“ der FDP mit vertraulichen Informationen versorgen. Der Kreis der FDP-Mitarbeiter, die dafür in Frage kamen, war recht klein. Bei einer internen Befragung offenbarte sich Metzner nun. Während der Koalitionsverhandlungen hatte er Protokoll geführt.

Außenminister Westerwelle äußerte sich zu dem Fall zunächst nicht. Am Montag hatte Westerwelle bei einer Pressekonferenz auf die Frage nach einem Informanten aus den eigenen Reihen noch erklärt: "Ich glaube an solche Geschichten nicht." Er hätte "unverändert ganz großes Vertrauen in die gesamte Mitarbeiterschaft der FDP, erst recht in diejenigen, die bei den Koalitionsverhandlungen dabei gewesen sind". Die Bewertungen seiner Person durch die US-Botschaft tat der FDP-Chef und Außenminister als "nicht wichtig" ab. Nach den Unterlagen von Wikileaks war Westerwelle unter anderem als "eitel" und "inkompetent" beschrieben worden.

Die FDP hatte in einer ersten Stellungnahme keinen Namen genannt. Parteisprecher Wulf Oehme sagte aber heute in Berlin, dass es der FDP-Führung "infolge bekannt gewordener Interna der Berliner US-Botschaft" angemessen erschien, Gespräche mit infrage kommenden Teilnehmern der Koalitionsverhandlungen zu führen. "Im Ergebnis dessen hat sich ein für die internationalen Kontakte zuständiger Mitarbeiter der FDP-Bundesgeschäftsstelle offenbart, der auf Bitten der Botschaft in eigener Verantwortung und im Rahmen seiner Tätigkeit wie zahlreiche Mitarbeiter anderer Parteien auch mit der US-Botschaft im Gesprächskontakt stand und frei zugängliche Auskünfte erteilte." Es seien keine vertraulichen Dokumente übergeben oder zur Einsicht gewährt worden, betonte Oehme.

Über den Wert der Informationen aus den Koalitionsverhandlungen gibt es unterschiedliche Ansichten. US-Botschafter Philip Murphy wurde zum Beispiel im Oktober 2009 davon unterrichtet, dass es zwischen Union und FDP Streit über die Zukunft der amerikanischen Atomwaffen auf deutschem Boden gab. In Westerwelles Umgebung wird darauf verwiesen, dass solche Informationen auch damals schon in der Zeitung gestanden hätten.

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  • Wer sich für einen Job bewirbt, sollte sich vorher über den Jobvergeber/Firma gut kundig machen. Aussenminister/innen + Vizekanzler/innen sind davon nicht ausgenommen, zumal Herr Westerwelle ja in diese Rolle von jetzt auf gleich kam: einige Stimmchen weniger von der längst schon maustoten csu-verzwergten Vampier-Massenmörderbande aus bayern - und er bleibt der nette FDP-Guido. Das wäre das eine.

    Nun, das andere, reisen solche Leute manchmal. berufsbedingt. Dass Frau Clinton, die "man" ja schon etwas näher kennt, vorher wissen möchte, wer gleich bei ihr aus D nach USA jettend hereinspaziert, gar mit Partner(in?), ist doch logisch. Fragt sie vorher direkt beim Guido nach: "wer und wie bist du?", sagt der doch nicht (ehrlicherweise gar?): "schw--und eitel.", sondern vielleicht: "Hä?, who ist speaking? Aha, Mrs. Clinton. Nice. What abt. your husband and the blow-job?" Schlimmer wäre noch: "i never had sex with a woman!" Also bittet man fast überall auf dem Globus den lokalen botschafter, dafür hat man den ja, in diesem Falle Herrn Murphy, um eine Kurzbeschreibung des Herrn via naher Mitarbeiter, am besten natürlich sehr, sehr naher. Die hiessen früher "Mata Hari" oder Herr "Guillaume". bei letzterem wollte Herr Honneckers Frau Margot wissen, ob Willi säuft, was und wann, damit der brandt später ja keinen Friedensnobelpreis kriegt, sondern ihr Erich. Wir wissen, es ging schief. "Mata Hari"s sind nicht mehr "in". Einen hübschen US-boy nach berlin schicken, gäbe evt. Eifersuchtszenen bei Fam. Westerwelle. Das stärt die beziehungen. Fällt also auch flach.

    Wenn da nun - klar - eine Sekretärin gerade fehlt, sagt man halt zum Sekretär, hier büroleiter: "Du, wie issn der Guido jetzt so?" Und der büroleiter sagt: "Na, so und so." Das ist nichts besonderes. Nix Spionasche oder korrupt! Das vergleicht Herr Murphy dann mit dem Öffentlichen Austreten vom neuen Aussenminister da und dort, seinem Händedruck z.b. in China und seinen Manieren gegenüber Damen wie Frau Merkel, und gibt 's Frau Clinton als "profile" weiter. Saudumm, wenn er den Stempel "Confidential" draufmacht. Sowas reizt "Wikileak" einfach, logisch! Also, die Frau Clinton kann ihn dann mit einem deutschen Satz erstmal begrüßen, bis Herr Westerwelle besser englisch kann. Das gehört sich so. Und er kann dann sagen: "Hellou, my name ist Guido and this" ("na komm schon"!) is my wife, äh, Mann." beide lachen dann - und das Eis ist gebrochen. Weil Frau Clinton eine kluge Frau ist, macht sie sich dann ein eigenes bild. Übrigens hat sie auch einen büroleiter. Ob der schw---ist und Guido informierte, wie die Hilary so ist, ist mir wurscht. Wenn beide, Hilary und Guido, einen guten Job machen, interessiert mich nicht, ob sie noch ihren bill liebt, oder Guido Lesben mag. Schnurzegal ist das doch! Mein Gott, haben die ne dünne Haut, "Handelsblätter der Welt"! Überall Orkan und Artikel, schade ums Papier! Über mich, eitel wie ein Pfau, brilliant wie ein Diamant, etwas grufti (62) und typischer Münchner, verh. mit brasilianerin, mehrsprachig, gut erzogen, na ja, nicht schw--- und weder büroleiter, noch mit Lust auf "Aussenminister" - Dr. Merkel redet nicht mit mir, kein Schwein outet mich, schon gar nicht im "wikileak". Das finde ich ungerecht! ich will da auch mal rein! ihr nicht, Profilneurotiker wie manche Politiker + ich?

  • Gegenüber einer Partei, die in einem Rechtsstaat ihre internationalen Verpflichtungen für Freiheit und Demokratie in partnerschaftlicher Gemeinsamkeit wahrnimmt, sollte mehr Verständnis geübt werden.

    in einer erfolgreichen und gleichberechtigten Wertegemeinschaft kann man doch so gut wie nichts verraten.
    Es bleibt doch im bündnis.

  • ich frage mich: Warum hat dieser büroleiter das getan? Der hat doch nicht eine müde Mark -pardon- Euro dafür gesehen. Korruption wäre nun auch kein anständiges Motiv, aber immerhin etwas, zumindest ganz persönlich, aus seiner Sicht sozusagen. Mir scheint, der war einfach nur dumm wie ein besen. Erstaunlich, wirklich ganz erstaunlich. Und beängstigend zugleich.
    Und noch ein Wort zu den Morchel-Kritikern: ich habe Monate gebraucht, seine "Sprache" zu verstehen und nun wollt ihr ihn stilllegen? Unfair! ich liebe diesen gestammelten Mist! Allerdings: Nachdem ich diese Kommentare von ihm hier wieder gelesen habe, muß ich zugeben, daß ich seine "Sprache" doch noch nicht beherrsche. Er ist und bleibt 'ne andere Liga, definitiv!

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