US-Ratingagentur unter Beschuss
Ökonomen zerreißen S&P-Analyse zur AfD

Der Ratingriese S&P sieht in einer erstarkten AfD eine Bedrohung für die Stabilität der Euro-Zone. Experten halten die Analyse für absurd und sprechen vom „traurigen Treppenwitz der Ökonomiegeschichte“.
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BerlinDie Einschätzung der Rating-Agentur S&P, wonach der Aufstieg der eurokritischen AfD in Deutschland eine Gefahr für die Stabilität der Krisenländer in der Währungsunion darstelle, stößt bei Ökonomen auf scharfe Kritik.

„Das ist ein trauriger Treppenwitz der Ökonomiegeschichte“, sagte der der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Ausgerechnet eine jener Agenturen, die mit der Abwärtsspirale ihrer Ratings im Herbst 2009 die Begründung für Austeritätspolitik geliefert hat, fürchtet sich nun vor einem durch die AfD erzwungenen Austeritätskurs.“  Das zeige die „volle Absurdität“  der Arbeit von Ratingagenturen.

„Es ist  höchste Zeit, dass deren Urteile nicht mehr ernst  genommen werden“, sagte Horn weiter.  „Mithin dürften im Rahmen von  Regulierungsvorschriften keinerlei Ratings mehr verlangt werden. Dann wären ihre Äußerungen genau das, was sie auch in Wirklichkeit sind, schlichte Meinungsäußerungen ohne weiteren Belang.“

In der am Dienstag vorgelegten Analyse der US-Ratingagentur Standard & Poor’s wird darauf hingewiesen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im eigenen Land bisher auf keinen größeren Widerstand gegen ihre Politik in der Euro-Krise gestoßen sei. Dies habe ihr in Brüssel mehr Spielraum für Kompromisse ermöglicht. Sollte Merkel ihre Gangart unter dem Eindruck des AfD-Aufstiegs verschärfen, würden die Krisenstaaten dies durch höhere Zinsen am Kapitalmarkt zu spüren bekommen, warnte S&P-Analyst Moritz Kraemer.

Er verweist darauf, dass die Alternative für Deutschland (AfD) derzeit in Umfragen spielend die 5-Prozent-Klausel nehmen würde. In einer Forsa-Umfrage hat sie zuletzt sogar die Zehn-Prozent-Marke geknackt. Angesichts dieses Zulaufs hat die AfD laut S&P das Zeug dazu, die europapolitische Linie der Regierung zu beeinflussen. Sollten die Investoren auch nur „Anzeichen für eine Verschärfung“ des deutschen Kurses wahrnehmen, werde das Vertrauen in die Krisenländer bröckeln, warnte der S&P-Analyst.

Nach Ansicht des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, geht die S&P-Analyse von der falschen Annahme aus, dass der ESM-Rettungsfonds der Euroraum-Staaten die Krisenländer stabilisiert habe.

„Der ESM-Fonds war aber nie groß genug, um im Fall der Fälle Spanien und Italien gleichzeitig zu stützen“, sagte Krämer dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Tatsächlich sind die Risikoaufschläge der Peripherieländer-Anleihen erst gesunken, nachdem die Europäische Zentralbank im Sommer 2012 angekündigt hatte, im Falle der Fälle unbegrenzt Staatsanleihen der Krisenländer aufzukaufen.“

Faktisch habe die EZB die Staatsanleihen garantiert. „Solange diese Garantie steht, spielt es keine große Rolle, ob die Bundesregierung mehr oder weniger Unterstützung für die Krisenländer signalisiert.“

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  • "So gesehen scheine der Euro-Raum nur dann zusammengehalten werden zu können, wenn die EZB neues Geld ausgebe, um offene Rechnungen zu bezahlen", sagt Polleit: Eine Binsenweisheit, die aber nicht stimmt bzw. Europa nicht zusammenhalten wird, sondern den Zusammenbruch nur noch verteuert. Ausgeklammert wird hier, daß die neuen Kredite an die ehemaligen Schwachwährungsländer nicht nur deren Schulden exponentiell steigen lassen und nur konsumtiven und nicht investiven Interessen dienen, also die desolaten Wirtschaftslagen nicht beseitigen, sondern noch verfestigen oder verschlimmern. Ich möchte nicht wissen, wie viele Arbeitslose, Arme, Verhungernde jetzt Länder wie die PIIGS+F-Staaten inzwischen haben. Und irgendwann werden die Schulden mal fällig, zum Beispiel dann, wenn in diesem Land hier Schulden des Kapitalmarktes und der sozialen Nachhaltigkeit (Generationenhaushalt) von jetzt 300% des BIP oder in der absoluten Höhe des gesamten inländischen Nettovermögens,fällig werden: Meine Söhne und Enkel haben mein vollstes Mitgefühl, was ihnen aber wenig nützen wird.

  • @ Klaus Peter Kraa „Sie macht das Portemonnai auf, solange sie noch etwas hat,.....“
    Und was hat sie? Nichts, in diesem Portemonnai fehlen 2,164 Billionen € um es leer sein zu lassen.
    Frau Merkel verteilt Geld das von unseren Enkeln erst erarbeitet werden muß.
    Frau Merkel hat keine „Freunde“, sie hat Kostgänger, die nur die Sahne haben wollen ohne etwas dafür tun zu müssen. Wer solche seine Freunde nennt, braucht keine Feinde mehr.

    Ihre Einschätzung zum US-Imperialismus teile ich.

  • @ Reiner Zufall „Sie hat deutsche Vorfahren, ihre Mutter ist Deutsche.“

    Ihr Vater ist Iraner und wer sich mit Ahnenforschung beschäftigt, weiß, daß die Mutter nur Beiwerk ist. Deshalb werden Söhne auch Stammhalter genannt.

    „...was für einen kulturellen Hintergrund hat eigentlich der Name "Muche"?“

    Wenn, dann welchen kulturellen Hintergrund. Der Stammvater meiner Linie ist in Sachsen geboren, 1623.

    Das viele Deutsche unser Land hassen, ist nichts neues, sie sind mehrheitlich in einer bestimmten Partei zu verorten und sitzen sogar im Bundestag. Allerdings auch in einer, die es lieber International mag, das ist geschichts- und gesichtsloser. An den Kommentaren hier habe ich das nicht zu erkennen vermocht, wie Sie behaupten es erkennen zu können.

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