US-Wahl: Reaktion in Deutschland
Berlin setzt auf Neuanfang

Selten ist ein Wahlausgang im Ausland mit solcher Euphorie begrüßt worden, wie der Sieg Barack Obamas. Auch die deutsche Politik äußerte sich parteiübergreifend positiv. Die Wirtschaft befürchtet allerdings protektionistische Tendenzen in der US-Handelspolitik.

BERLIN. Die Stellungnahmen kamen zu Dutzenden und sie ähnelten sich eigentlich nur im Stil, nicht aber im Inhalt: Selten ist der Ausgang einer amerikanischen Präsidentschaftswahl in Deutschland so einhellig begrüßt worden wie der Sieg von Barack Obama. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gratulierten dem kommenden US-Präsidenten noch am Mittwoch morgen. Und beide führten eine große Schar von Bundes- und Landespolitikern an, die gestern ihre Hoffnung auf einen Neuanfang in den transatlantischen Beziehungen formulierten.

Merkel sprach von einem "historischen Sieg" und lud Obama umgehend nach Deutschland ein. Mit einem Europabesuch des ersten schwarzen US-Präsidenten, der im Januar sein Amt antritt, wird allerdings erst zum Nato-Gipfel in Straßburg und Baden-Baden im April gerechnet. Merkel wird Obama aber bereits beim Weltfinanzgipfel Ende kommender Woche in Washington sehen. Denn der noch amtierende US-Präsident George Bush hat zugesagt, auch seinen Nachfolger eng in die Gespräche über eine Reform des internationalen Finanzwesens einzubinden.

Bereits am Tag nach der Wahl richtete sich der Blick darauf, was der neue US-Präsident für das Verhältnis zu Deutschland bedeuten wird. Steinmeier betonte, er sehe eine breite Übereinstimmung mit Obama in Feldern wie Klimaschutz, Energiesicherheit, Abrüstungspolitik und einer besseren Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen.

Dennoch wird in Berlin auch mit neuen Konflikten gerechnet. So wird erwartet, dass Obama von den Europäern und vor allem von den Deutschen einen größeren militärischen Beitrag in Afghanistan fordern wird. In der Regierungskoalition hieß es aber, dass man auch gegenüber einem Präsidenten Obama an der Position festhalten werde, die Bundeswehr nicht im Süden Afghanistans einzusetzen. Eberhard Sandschneider, Chef der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), warnte vor überhöhten Erwartungen an Obama. Dies werde nur zu großer Enttäuschung nach einigen Wochen führen.

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