USA-Reise
Zu Guttenberg – gut gelaunt in New York

Top-Banker, Auto-Chefs, Obamas Minister: Karl-Theodor zu Guttenberg ist bei seiner USA-Reise bei der Top-Prominenz zu Gast. Offiziell ist der Bundeswirtschaftsminister in Sachen Opel-Rettung unterwegs. Doch schon zum Auftakt seiner Reise wird deutlich, dass sein eigentliches Ziel ein anderes ist – eines, das die SPD-Kabinettskollegen beunruhigt.

NEW YORK. Der University Club gehört zu den sehr traditionsreichen Treffpunkten in Manhattan. Die Teppiche sind dick, die Decken hoch, die Ölgemälde düster, der Krawattenzwang zählt zu den eisernen Gesetzen. Im siebten Stock befindet sich der dunkel getäfelte Speisesaal, an festlich gedeckten runden Tischen sitzen Politiker, Banker und Geschäftsleute, Deutsche und Amerikaner.

Eingeladen hat Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Er nimmt an Tisch eins Platz, direkt neben George Soros, der lebenden Legende unter den Investmentbankern. Zu Guttenberg fühlt sich sichtlich wohl in dieser Gesellschaft, strahlt über das ganze Gesicht. Hier geht es einmal nicht um die Niederungen der Tagespolitik, hier geht es ums große Ganze. Zu Guttenberg verleiht in seiner Begrüßung seiner Sorge um die Stabilität der Finanzmärkte Ausdruck und unterstreicht die Bedeutung des G20-Gipfels Anfang April.

Das Treffen zum Auftakt der USA-Reise des Bundeswirtschaftsministers macht deutlich, dass zu Guttenberg nicht nach New York und Washington fährt, um Opel zu retten; in dieser Hinsicht dämpft er gleich zu Beginn die hoch gesteckten Erwartungen. Vielmehr will er zeigen, wie er sich auf internationalem Parkett bewegt und welche Kontakte er hat.

Der Montagvormittag in New York ist komplett der Finanzbranche gewidmet. Der Minister trifft die CEOs der großen Häuser zu vertraulichen Gesprächen. Zunächst geht es zu John J. Mack, CEO von Morgan Stanley, danach zu Jamie Dimon, Chef von J.P. Morgan Chase, dann weiter zu Lloyd C. Blankfein, Chairman und CEO von Goldman Sachs. Natürlich geht es um die Finanzmärkte und deren Regulierung, um Konjunkturpakete und Staatsverschuldung. Und weil die Journalisten immer wieder danach fragen: Ja, es gehe in den Gesprächen mit den Bankern auch darum, Investoren für Opel zu finden. Aber das klingt nicht sehr überzeugend.

Die vielen Termine in New York und Washington hat sich zu Guttenberg übrigens zum großen Teil selbst organisiert. Im Ministerium heißt es, zu Guttenberg verfüge über ein beachtliches Netzwerk.

Der Minister mag die internationale Bühne und fühlt sich in der Finanzszene sichtlich wohl. In Berlin dürfte seine weltläufige Art nicht allein auf Bewunderung stoßen. Besonders Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) fühlt sich herausgefordert. Jahrelang konnte er frei schalten und walten, durfte allein in Washington oder New York glänzen und musste zu Guttenbergs Amtsvorgänger Michael Glos (CSU) kaum als ernsthaften Gegner fürchten. Nun wildert der Neue in Steinbrücks Revier - und erregt mit seinem selbstbewussten Auftreten über die Grenzen Berlins hinaus Aufmerksamkeit.

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