Ute Berg setzt sich als neue wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion durch
Ökonomische Frauenpower

Die SPD spricht in wirtschaftspolitischen Fragen künftig mit der Stimme einer Frau. Ute Berg heißt die neue Sprecherin der Bundestagsfraktion. Bisher fiel die Lehrerin vor allem durch großes Selbstbewusstsein auf.

Schon einmal hatte Ute Berg das Gefühl, die bessere Kandidatin zu sein. 2001 wollte in ihrem Wahlkreis Paderborn der dortige SPD-Bundstagabgeordnete erneut kandidieren. Die einfache Stadträtin Berg aber hatte etwas dagegen - und sie setzte eine Urwahl unter den Mitgliedern durch, anstatt wie üblich Parteidelegierte entscheiden zu lassen. "Ich glaubte, bessere Karten zu haben", erzählt die 55-Jährige heute. Es kam zur Kampfabstimmung. Sie gewann damals, und sie gewann gestern in der SPD-Bundestagsfraktion die Kampfabstimmung um den Posten des wirtschaftspolitischen Sprechers - und zwar deutlich mit 101 zu 72 Stimmen.

Dabei hatte die Arbeitsgruppe Wirtschaft eine Woche zuvor noch den industriepolitischen Sprecher, Garrelt Duin, als Nachfolger für den scheidenden Abgeordneten Rainer Wend nominiert. Sieben waren für Duin, sechs für Berg. Zu knapp, dachte sie sich und stellte sich in der Fraktion noch einmal zur Wahl.

Bei ihrer Wahl hat sie bewusst den Frauen-Bonus ausgespielt und darauf gesetzt, dass ihre Landesgruppe, die größte in der Fraktion, ihr die Mehrheit sichert. Nun besetzen zwei Frauen wirtschaftspolitische Positionen für die SPD: Berg als Sprecherin der Fraktion, die ehemalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn als Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses.

Öffentlich fiel sie seit 2005 als stellvertretende wirtschaftspolitische Sprecherin kaum auf. Kleine und mittlere Unternehmen seien die Stütze der Volkswirtschaft und trügen soziale Verantwortung, sagt sie. Deutschland sei relativ stabil in die aktuelle Wirtschaftskrise geraten, "weil wir einen starken, industriellen Kern haben". Der Staat sei nicht der bessere Unternehmer, auch wenn es in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise einige denken mögen. Wohl aber müsse der Staat die Rahmenbedingungen deutlich setzen. Ein fetter Staat sei nicht nötig, ein starker schon. "Eine Verstaatlichungsdebatte würde ich nie führen", sagt sie. Die Ausweitung der Kurzarbeit in der Krise und auch den Vorrang für Qualifizierung in der Kurzarbeit dagegen begrüßt sie.

Der typische Sozialdemokrat sagt, er sei wegen Willy Brandt in die SPD eingetreten und habe selbst einmal in einfachen Verhältnissen gelebt zu haben. Berg trat weit nach Willy-Zeiten in die SPD ein, nämlich 1983, nachdem "die FDP zur CDU übergelaufen war". Das erfolgreiche Misstrauensvotum von Helmut Kohl (CDU) gegen den SPD-Kanzler Helmut Schmidt motivierte sie, sich zu engagieren, was allerdings nicht einfach war: Schon im Studium hatte sie zwei Kinder, und danach arbeitete sie als Lehrerin. Sie stammt aus einem sozialdemokratischen, bildungsbürgerlichen Haushalt. Ihr Vater war Schulleiter. Politik spielte schon am Tisch der Eltern immer eine große Rolle.

"Ich brauche mich nicht zu verstecken", sagt sie. Dazu wird sie in Zukunft auch keine Möglichkeit mehr haben. Gerade im Wahlkampf wird von ihr erwartet, dass sie öffentlich klar und deutlich sagt, wofür die SPD in wirtschaftspolitischen Fragen steht. "Wir müssen als Volkspartei dieses Feld besetzen", sagt Berg. Wirtschaft sei nun einmal die Lebensgrundlage der Menschen.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent
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