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13.03.2008 
Steueraffäre in Deutschland

Vaduz jagt Datendieb nun mit Haftbefehl

von Oliver Stock

Das Fürstentum Liechtenstein hat den mutmaßlichen Auslöser der Steueraffäre mit Deutschland öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Der 42-jährige Liechtensteiner Heinrich Kieber werde mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Das teilte die Landespolizei in Vaduz mit. Trotz Steueraffäre baut Liechtenstein aber seinen Finanzplatz aus.

Heinrich Kieper soll dem Bundesnachrichtendienst gestohlene Kundendaten der LGT Treuhand verkauft haben. Foto: APLupe

Heinrich Kieper soll dem Bundesnachrichtendienst gestohlene Kundendaten der LGT Treuhand verkauft haben. Foto: AP

VADUZ. Die Fahndung, die mit einem Foto des Gesuchten versehen ist und im Internet veröffentlicht wurde, stütze sich auf einen Haftbefehl des Fürstlichen Landgerichts von Februar wegen Verdachts auf Auskundschaftung von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen zugunsten des Auslands sowie auf Datendiebstahl. Bei einer Verhaftung im Ausland werde sofort die Auslieferung beantragt. Kieber war in Liechtenstein bereits wegen mehrerer Delikte verurteilt worden.

Der Mann soll dem Bundesnachrichtendienst (BND) gestohlene Kundendaten der LGT Treuhand, einer Tochter der fürstlichen LGT Bank, verkauft und dafür mehrere Millionen Euro kassiert haben. Der Deal brachte die Affäre ins Rollen, deren prominentestes Opfer zunächst Postchef Klaus Zumwinkel wurde, der umgehend zurücktrat. Die LGT Bank, die inzwischen unter dem massiven Abfluss von Kundenvermögen leidet, hat Anzeige gegen den ehemaligen Mitarbeiter erstattet.

Der Mann, der in Liechtenstein bereits wegen des Datendiebstahls verurteilt worden war, soll laut LGT das Material illegal an den BND weitergegeben haben. Dabei sollen Anwaltskanzleien als Zwischenhändler gedient haben. Der mutmaßliche Datendieb war von April 2001 bis November 2002 als externer IT-Fachmann bei der LGT Treuhand tätig.

Zugleich hält Liechtenstein trotz aller Kritik an seinen Plänen fest, den Finanzplatz auszubauen. Das Parlament des kleinen Landes, in dem eine Koalition der beiden größten Parteien etwa 90 Prozent der Stimmen auf sich vereint und die Regierung bildet, stimmte gestern einer Vorlage zu, die unmittelbar vor dem Steuerstreit mit Deutschland von einer internationalen Expertengruppe in rund einjähriger Arbeit entwickelt und veröffentlicht worden war.

Das "Projektteam Futuro" schlägt vor, die "traditionellen Stärken" des Finanzplatzes wie die Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden weiter auszubauen. Der Finanzplatz solle aus "einer Position der Stärke" heraus agieren. Die Experten fordern, ein "einzigartiges rechtliches Umfeld" zu schaffen, das allerdings internationalen Standards entspricht.

Eine "systematische Chancenausnutzung im Regelsetzungsprozess" steht ebenfalls auf ihrem Wunschzettel, der von den Parlamentariern gestern diskutiert wurde. Dahinter dürfte sich vor allem der Erhalt der Stiftungsstruktur verbergen, die zwar leicht in Richtung mehr Transparenz verändert werden soll, aber nicht grundsätzlich verbessert wird.

Außerhalb des Parlaments sorgt die sture Haltung des Landes bei Finanzthemen inzwischen für Verärgerung. Pius Baschera, Verwaltungsratspräsident beim Befestigungstechniker Hilti und damit Chef des mit Abstand größten Unternehmen des Landes, sieht die Gefahr, dass auch die Reputation seines Unternehmens leiden könnte. "Der Ruf Liechtensteins kann uns in Mitleidenschaft ziehen", sagte er vergangene Woche in Zürich bei der Vorstellung der Bilanzzahlen des Konzerns. Entsprechende Diskussionen zwischen Unternehmern und Bankiers in Liechtenstein wollte er nicht kommentieren.

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