Vakanter EZB-Posten Merkel & Co droht nach Stark-Rücktritt neues Ungemach

Mit Bedauern hat Schäuble auf den Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts reagiert. Wer Stark nachfolgen wird, sagte der Finanzminister nicht. Doch gegen den als Favoriten gehandelten Asmussen formiert sich bereits Widerstand.
Update: 09.09.2011 - 20:23 Uhr 13 Kommentare
Schäuble und Merkel. Quelle: dpa

Schäuble und Merkel.

(Foto: dpa)

DüsseldorfBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte am Rande des G7-Treffens am Freitag in Marseille an, dass Deutschland einen „guten Vorschlag“ für die Nachfolge Starks im EZB-Direktorium unterbreiten werde. Namen nannte Schäuble allerdings nicht.

Laut übereinstimmenden Agentur-Informationen soll Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen nach dem Willen der Bundesregierung Nachfolger Starks werden. Aus informierten Berliner Kreisen hieß es, Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle Asmussen als Kandidat für den Posten vorschlagen.

Offiziell werden die Mitglieder des EZB-Direktoriums vom Europäischen Rat ernannt.

Widerstand gegen Asmussen dürfte aus der FDP von denjenigen kommen, die eine striktere Geldpolitik favorisieren. Asmussen jedoch wird zu den „Tauben“ gezählt, die eine weichere geldpolitische Linie verfolgen. Er ist SPD-Mitglied, wurde aber wegen seiner im In- und Ausland hoch geachteten Expertise von Schäuble nach dem Machtwechsel in Berlin im Amt gelassen. Asmussen hat gemeinsam mit Weber und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann - damals noch Berater der Kanzlerin - bei mehreren Bankenrettungen eine wichtige Rolle gespielt.

Einer der Kritiker, der sich der Asmussen-Personalie entgegenstellen dürfte, ist der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler. Dieser reagierte mit großem Bedauern auf den Rücktritt von Stark. „Das ist nach dem Abgang von Axel Weber erneut ein schwerer Schlag für die EZB und den Euro“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. Erneut gehe ein geldpolitischer „Falke“ von Bord und hinterlasse nur „Tauben“. „Deutschland muss gegen den fortgesetzten Rechtsbruch der EZB endlich tätig werden, im Zweifel vor dem Europäischen Gerichtshof“, fügte Schäffler mit Blick auf die umstrittenen Staatsanleihenkäufe der EZB hinzu.

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13 Kommentare zu "Vakanter EZB-Posten: Merkel & Co droht nach Stark-Rücktritt neues Ungemach"

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  • Lieber W. Fischer,
    Ihr Wunsch ist so nett, aber leider nicht einhaltbar. Es gibt in Berlin nur Leichtmatrosen
    Sie wissen doch, Politiker ist der einzige Job in Deutschland, für den man keinerlei Qualifikation braucht

  • Die Politik wird nicht die richtigen Schlüsse ziehen, den Zahn ziehen Sie sich mal ,
    Wie sagte schon Honecker "Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf"
    Und er behält ja offenbar Recht. Denn seine Nachfolgerin Merkel arbeitet in ihrem Politbüro ja ganz in diesem Sinne
    Das Volk muß verarmt werden
    Kennen Sie die Stalin.Macime?
    "Das Volk braucht nicht konsumeiren, das Volk hat zu produzieren"

  • Rückblickend auf 18 Monate der jetzigen Regierungspartei ( CDU/CSU/FDP )
    Ihr haben wir den Abschwung zu verdanken . Nicht nur in Deutschland sonder Europaweit .
    Für den Aufschwung den wir hatten , und das war ein guter . Möchte wir uns bei Altkanzler Gerhard Schröder und seinen Team bedanken . Die konnten auch Menschen für ein gemeinsames Europa begeistern .

    Wir möchten noch Anmerken . Wir sind nicht Mitglied in einer dieser Partein .

  • Wäre doch jetzt der Zeitpunkt, den Herrn Staatssekretär Asmussen etwas tiefgehender zu durchleuchten und sein unholdes Treiben weitgehend publik zu machen. Dies habe ich schon damals in den "grossen Medien" vermisst, als die neue schwarz-gelbe Regierung den "Roten" an seinem Posten beließ.
    Was macht ihn so unverzichtbar, wo doch gerade er sich mittels der Lobbyorganisation 'True Sales International' für eine Öffnung des Derivatemarktes auch in Deutschland so stark gemacht hatte?
    Immerhin hat 'report'2009 mal einen kritischen Blick auf diesen Strippenzieher geworfen:

    http://www.youtube.com/watch?v=ht3ZFKvKkqI

  • Auch der €-Raum muss lernen, dass es nur funktionieren kann, wenn jeder sich soweit an die Spielregeln hält.

    Und dass man jeden von Spiel verweist (zeitweise), bis er gelernt hat, sich den Regeln zu unterwerfen. Im Fussball kennt man den Begriff der ROTEN KARTE

  • An der Entwicklung und der Konsequenz von Stark ist Merkel mit Sicherheit durch ihre Vorgehensweise beteiligt. Logisch das sich Größen, wie Stark nicht in ihr Geschäft reinreden lassen.
    Die Kanzler hat in ihren eigenen Reihen die Politiker gechasst und vertrieben und nun, da kaum noch einer da ist, geht es in anderen Bereichen weiter.

    Deutschland wird immer mehr in den Dreck gefahren. Wem haben wir´s zu verdanken?

    Nun bald sind vielleicht auch unsere Einlagen bei den großen deutschen Kreditinstituten gefährdet? Denen geht nämlich selbst langsam das Geld aus. Sie haben sich allesamt verzockt!

    Dabei interessiert es wenig, das an einem Tag, wie gestern wieder viel Substanz vernichtet wurde.

    Die Einkäufer in Asien reiben sich schon die Hände. Mit fallendem Euro wird´s für sie immer preiswerter. Ein paar Prozentpünktchen bei ner Milliarde für ein Übernahmeangebot ist da schon eine Menge Geld. Dafür kann man ein paar hochdotierte Manager per goldenem Handschlag rausschmeissen und sein eigenes Management etablieren. Danke nochmal an Frau Merkel, dass sie so gut zur Stabilisierung beiträgt.

  • Ich erwarte auf diesem immens wichtigen Posten keinen Leichtmatrosen, denn von denen haben wir genug.
    Alternativlos.

  • Der Abgang Starks ist ein verheerendes Zeichen! Mir kommt dabei die Karikatur vom Abgang Bismarcks von der Kommandobrücke in den Sinn. Danach war Chaos...
    Ich hoffe nur, die Politik zieht die richtigen Schlüsse daraus und die können nur heißen:
    Kein weiteres Geld für Griechenland
    Keine weiteren Aufkäufe von Staatsanleihen durch die EZB

  • Es gibt niemanden mehr außer Asmussen, der SPD Mitglied ist und seine Rolle als "graue Eminenz" im Hintergrund schon immer sehr gut zu spielen wußte und sich damit unentbehrlich gemacht hat. Baron Holstein läßt grüßen, der Deutschland vor 1914 mit seiner unglückseligen Einflussnahme in das Desaster des ersten Weltkriegs geführt hat.
    Lezteres für "Eingeweihte und Bescheidwisser".

  • Gegner des Rettungswahnsinns und der Aufkäufe von Schrottanleihen werden in der EZB regelmässig satt überstimmt. Das gleiche wird sich im sogenannten Gouverneursrat des ESM abspielen. Da schleckt die Geis kein Salz mehr weg.

    Und Deutschland zahlt und zahlt und zahlt und zahlt und zahlt und zahlt...

    Der Rücktritt war für Stark die einzige Option, noch etwas bewirken zu können, bzw. ein Signal zu setzen.

    Dass dieses Signal nicht verstanden wurde oder verstanden werden wollte, zeigt die wahrscheinliche Berufung Asmussens.

    Schäubles Kommentare hierzu sind die eines Dummbabblers.

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