Vera Lengsfeld
CDU-Politikerin pflegt Nähe zur AfD

Für die Unions-Spitze ist die AfD ein rotes Tuch. Nicht für die Ex-CDU-Abgeordnete Lengsfeld, die die Nähe zu der Partei pflegt. Ihr Berliner Landesverband ist irritiert. Die SPD fordert, Merkel müsse einschreiten.
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BerlinIm Umgang mit der Alternative für Deutschland (AfD) sieht sich die CDU nicht nur mit dem Umstand konfrontiert, dass einige Christdemokraten vom Kurs der Unions-Spitze abweichen und – statt die AfD zu ignorieren – die direkte Auseinandersetzung mit ihr suchen. Im Berliner Landesverband der CDU pflegt gar ein Parteimitlied die Nähe zur AfD.

Konkret geht es um die ehemalige Bundestagsabgeordnete und frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld. Vor anderthalb Jahren wurde sie schon einmal von ihrer Partei dafür gerüffelt, dass sie sich als Unterstützerin der AfD geoutet hat. Daraufhin war Lengsfeld wieder auf Distanz zu der eurokritischen Partei gegangen. Jetzt stellt sich heraus: Lengsfeld ist in verschiedenen Funktionen in das Netzwerk der AfD-Hardlinerin Beatrix von Storch eingebunden.

Lengsfelds Berliner Landesverband reagierte mit Befremden auf ihr Engagement. Für CDU-Generalsekretär Kai Wegner ist nicht nachvollziehbar, dass sich Lengsfeld mit ihrer DDR-Vergangenheit einer Partei andient, deren Vorsitzender Bernd Lucke sich im brandenburgischen Wahlkampf nicht zu schade war, Verständnis für jene zu zeigen, die sagen, die „innere Sicherheit“ sei in der DDR „besser“ gewesen als im Westen.

„Dass ausgerechnet sie als ehemalige Bürgerrechtlerin zur AfD geht, die über Herrn Lucke, die innere Sicherheit in der DDR lobt, irritiert mich sehr“, sagte Wegner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Die AfD sei eine populistische Partei ohne Programm und Kurs. Konsequenzen will Wegner aber nicht ziehen. „Frau Lengsfeld muss selbst verantworten, inwieweit sie hier als Unterstützerin von rückwärtsgewandten Populisten in Erscheinung tritt“, sagte er. „Eines bleibt klar: Für die CDU ist die AfD kein Gesprächspartner.“ Lengsfeld selbst lehnte eine Stellungnahme zu ihrer AfD-Nähe ab.

Mit der AfD-Europaabgeordneten von Storch sitzt Lengsfeld im Vorstand des Bürgerkonvents, der in Anlehnung an Bürgerinitiativen versucht, über Kampagnen und lokale Organisationen wirtschaftsliberale Positionen populär zu machen. 

Zudem listet die Bürgerrechtsbewegung „Initiative Bürgerrecht Direkte Demokratie“, die sich nach eigenen Angaben für die unmittelbare Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen einsetzt, Lengsfeld als Unterstützerin. Verantwortet werden die Aktivitäten der Initiative von Sven von Storch, dem Ehemann Beatrix von Storchs.

Die Bürgerrechtsbewegung wird auch als Initiative der „Zivilen Koalition“ ausgegeben. Diese ist 2004 unter maßgeblicher Beteiligung von Beatrix von Storch gegründet worden.  Kritiker verweisen auf die „marktfundamentalistischen und erzkonservativen“ Positionen der „Zivilen Koalition“ und sprechen von einer „deutschen Tea-Party-Bewegung“. 

Kommentare zu " Vera Lengsfeld: CDU-Politikerin pflegt Nähe zur AfD"

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  • Alle schreien sie nach "Mutti". Das ist doch nicht mehr normal!

    Ich habe in einer Zeit gelebt in der "die Partei immer Recht hatte". Solche Zeiten will ich nicht wieder haben. Ich will Politiker die ein eigenes Gewissen haben und Rückgrat besitzen. Und Frau Lengsfeld scheint eine der letzten verbliebenen zu sein!

  • Die hektischen Reaktionen der Altparteien, wenn es um die AfD geht, sind schon sehr aufschlußreich.
    Offensichtlich befürchten die Altparteien, daß die AfD sich doch langfristig etabliert. Der Hintergrund dieser Reaktionen der Altparteien wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, welches Potential im Politgschäft steckt. Da geht es nicht nur um viele Millionen Euro Steuergelder, die sich die Parteien in Form von Aufgwandsentschädigungen, Diäten, Wahlkampfkostenerstattung usw. zuschustern, sondern auch um ca. eine halbe Milliarde Euro, die die jeweiligen Parteistiftungen jährlich erhalten.
    Am Beispiel der FDP hat man gesehen, daß da plötzlich einige hundert Leute arbeitslos wurden und die Partei inzwischen ihre Reserven versilbern muß.
    Sieht man sich das Personal der Altparteien an (vielfach Kreißsaal -> Hörsaal -> Plenarsaal), dann versteht man, daß es sich bei denen um Existenzängste handelt. Auf dem freien Arbeitsmarkt hätten diese Politkasper keine Chance. Und dann kommt eine Partei neu ins Geschäft, die ihnen die Pfründe wegzunehmen versucht. Mich wundert es nicht, daß die Altparteien in ihrem Existenzkampf auch mit unlauteren Mitteln agieren. Vor diesem Hintergrund verstehe ich das Theater der Altparteien sehr wohl. Nur durchgehen lassen sollten wir es ihnen nicht.

  • "Audiatur et altera pars", auch die andere Seite muß gehört werden. Scheint irgendwie nicht mehr in die Zeit zu paßen. Stattdessen überall Betonköpfe, die um ihrer Pfründe fürchten. Ebenso lauter Journalisten, die von Abstiegsängsten gepeinigt zur eigenständigen Analyse und Beurteilung nicht mehr fähig sind. Urteilen setzt ein Urteilsvermögen voraus.

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