Verärgerte Koalition
Ackermann-Wechsel hat politisches Nachspiel

Der geplante Wechsel von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in den Aufsichtsrat sorgt zunehmend für Unmut in der Berliner Koalition. Das Thema wird nun den zuständigen Bundestagsausschuss beschäftigen.
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BerlinDer für kommendes Jahr geplante direkte Wechsel von Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann an die Spitze des Aufsichtsrates der Bank wird ein politisches Nachspiel haben. Mit dem Vorgang wollen sich die Finanzpolitiker von Union und FDP in ihrer ersten Arbeitsgruppensitzung nach der Sommerpause Mitte August beschäftigen. In der Sache sei „noch nicht aller Tage Abend“, sagte der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach dem „Tagesspiegel“.

Aus seiner Sicht verstoße das größte Bankhaus Deutschlands mit dem geplanten Jobwechsel Ackermanns nicht nur gegen den Corporate Covernance Kodex, sondern auch gegen „den Geist des Aktiengesetzes“, sagte Michelbach. Er schloss nicht aus, dass das Aktiengesetz noch einmal geändert werde. Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler warf Ackermann vor, den Verhaltenskodex der deutschen Wirtschaft mit Füßen zu treten.

„Die Tatsache, dass Ackermann ein Experte und Bank-Fachmann ist, macht ihn noch nicht zu einem perfekten Kontrolleur“, kritisierte auch der Münchener Betriebswirtschaft-Professor Manuel Theisen, der die Fachzeitschrift „Der Aufsichtsrat“ mitherausgibt.

Das deutsche Aktienrecht erlaubt einen Wechsel von Vorstandsmitgliedern in den Aufsichtsrat erst nach dem Ablauf einer zweijährigen Karenzzeit - es sei denn Aktionäre, die 25 Prozent der Stimmrechte halten, schlagen dies vorher vor. Diese Einschränkung zielt nach Ansicht von Juristen indes vor allem auf Familienunternehmen, die auf diese Weise die oft schwierige Nachfolge besser regeln können. So soll ein Familienpatriarch über den Aufsichtsrat weiter seine Expertise einbringen können. Und genau das ist ab nächstem Jahr auch beim größten deutschen Geldhaus geplant. „Die Deutsche Bank verbiegt das Gesetz, bricht es aber nicht“, kommentiert Theisen. Das Beispiel Ackermann zeige die Gefahr einer Ausnutzung der deutschen 25-Prozent-Ausnahmeregelung. „Mir ist kein anderes Land bekannt, in dem es eine solche Einschränkung gibt.“

Ein Gesellschaftsrechtler, der nicht namentlich genannt werden will, sieht den Wechsel dagegen weniger kritisch. Es sei auch für Großkonzerne durchaus sinnvoll, einen erfahrenen und gut verdrahteten Manager wie Ackermann nicht einfach ziehen zu lassen. „Allerdings stellt sich schon die Frage, ob dieser dann gleich den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen muss“, sagt der Rechtsanwalt einer größeren Kanzlei.

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Auch ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz wechselte direkt

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  • Ackermann muss in der Aufsichtsrat der Deutschen Bank, wie soll diese denn sonst die ganzen Verwicklungen der Deutschen Bank in die Finanzkrise vertuschen. Wenn die ganzen schwebenden gerichtsverfahren negativ ausgehen fuer die Deutsche Bank muesste diese vielleicht sogar Herrn Ackemann Regresspflichtig machen, so etwas darf es nicht geben. Seit wann hat denn schon mal ein Manager vom Schlage Ackermann Verantwortung uebernommen?

  • Der Name, das Label, Deutsche Bank hat bislang für Kontinuität gesorgt - man mag davon halten was man will.

    Da inzwischen Marktuwirtschaft 8.0 gespielt wird, das geneigte Publikum sich noch an Marktwirtschaft 3.0 gewöhnen will, bevor es einen Blick auf die Wirklichkeit wagt und die mit Wirklichkeit unweigerlich verbundenen Konsequenzen geht das Spiel relativ einfach: Marktwirtschaft 3.0 vs Marktwirtschaft 8.0 unter Bedingungen von Markt 1.0.

    Das ist alles.

    Einfacher hatte es Ridley Scott mit Predators vs. Aliens:
    An der Kasse ein leidlicher Flopp...

    Da unsere Damen und Herren Politiker samt ihrem Publikum Neofeudalismus zur politischen Praxis sine qua non zu exekutieren scheinen, geht die ganze Nummer an denen schlicht vorbei: dafür können die Gesetze machen.

    Machen sie auch, ohne auch nur begriffen zu haben in welches Spiel die da hineingewählt wurden.

    Ist nicht weiter schlimm sich Augen, Ohren und Nase zu verschließen in der Hoffnung, Beharrungsvermögen würde ausreichen, um nicht wahrgenommen zu werden.
    Durchaus als weltbekanntes Phänomen zu bewerten.

    Mal sehn, wie das stonehenge in Berlin diese Aporien zu lösen gedenkt.

    Vermutlich mit Neuwahlen muahahahaha




  • Ackermann kann seinen Job, die sozialistische Liga aus FDP und CDU nicht (wen soll man eigentlich noch wählen in diesem Land?), die Unternehmen vorschreiben will, wie sie ihre Personalfragen regeln. Diese Apparatschiks sollten lieber das deutsche Schuldenschlamassel in Ordnung bringen und unsere strukturellen Probleme lösen, statt unsere Steuerergelder in Griechenland und anderswo zu versenken.

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