Verärgerung über Zwickel
Altes Tandem Peters Huber soll IG Metall führen

In der Führungskrise der IG Metall bahnt sich nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen überraschend nun doch wieder eine Lösung mit Jürgen Peters als künftigen Chef und Berthold Huber als seinem Stellvertreter an.

Reuters BERLIN. Bei der Suche nach einer neuen Führung laufe derzeit alles auf eine Neuauflage der zwischenzeitlich für gescheitert erklärten „Tandem“-Lösung hinaus, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag aus Vorstandskreisen. In trockenen Tüchern sei die Lösung mit dem umstrittenen derzeitigen IG-Metall-Vize Peters und dem baden-württembergische Bezirkschef Huber aber noch nicht.

Zudem blieb unklar, wie der bisherige IG-Metall-Chef und Peters-Gegner Klaus Zwickel zu einer solchen Lösung stehen würde. Führende Funktionäre der Gewerkschaft würden aber mit Hochdruck an einer schnellen Einigung noch in dieser Woche arbeiten, hieß es in den Kreisen. Huber steht als Kopf der so genannten Reformer Veränderungen und Kompromissen in der Tarif- und Sozialpolitik aufgeschlossener gegenüber als Peters.

Schlussstrich unter öffentliches Führungschaos

Ziel der Bemühungen sei es, dass der aus 41 Mitgliedern bestehende IG-Metall-Hauptvorstand am Mittwoch mit einem einvernehmlichen Personalvorschlag einen Schlussstrich unter die zuletzt chaotischen öffentlichen Streitereien und Spekulationen ziehe. Dazu müssten aber den Angaben zufolge noch eine Reihe von Punkten geklärt werden. Auch hätten noch nicht alle Beteiligten ihr Einverständnis erklärt, sagte ein mit den Verhandlungen vertrauter Funktionär.

Eine Vorentscheidung könne noch vor der Vorstandssitzung am Mittwoch fallen, hieß es am Sonntag aus beiden Lagern. Weder Peters noch Huber waren für eine Stellungnahme zu erreichen. Peters bekräftigte allerdings in der „Bild am Sonntag“, er halte nach wie vor ein Tandem mit Huber für die beste Lösung. In dem bereits im April vom Vorstand einmal beschlossenen Tandemmodell sollte Huber nach fünf Jahren Peters als Vorsitzender ablösen können.

Diese Lösung schien zuletzt aber nicht mehr möglich, nachdem Peters im Zusammenhang mit den gescheiterten Streiks in Ostdeutschland massiv unter Druck geraten und von Zwickel zum Rücktritt aufgefordert worden war. Peters hatte dies aber abgelehnt. Huber wiederum hatte im Verlauf des Streits erklärt, er stehe für kein Vorstandsamt mehr zur Verfügung. Allerdings hatte es in den vergangenen Tagen aus beiden Lagern Bemühungen gegeben, Huber von einer erneuten Kandidatur zu überzeugen. Einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge haben sich Peters und Huber vergangene Woche zu Vier-Augen-Gesprächen getroffen.

Was macht Zwickel? - Verärgerung über scheidenden Chef

Unklar blieb am Wochenende, inwieweit der scheidende IG-Metall-Chef Zwickel seine bisherige massive Ablehnung gegenüber einer Kandidatur seines Stellvertreters Peters akzeptieren würde. Zwickel gilt in Vorstandskreisen aufgrund seiner Feindschaft zu Peters als nur noch schwer einzubinden. Die Debatte um die künftige Führung war zuletzt aus dem Ruder gelaufen, nachdem Zwickel eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz am Freitag wenige Minuten vor Beginn mit Hinweis über weiteren Klärungbedarf zur Personalfrage wieder absagen ließ. Gewerkschaftskreise bestätigten Angaben der „Bild am Sonntag“, wonach Zwickel am Freitag seinen Rücktritt ankündigen wollte, um damit Peters erneut unter Druck zu setzen und zu einem Rücktritt zu zwingen.

Nach Angaben aus IG-Metall-Kreisen laufen bereits seit Tagen Bemühungen über eine Einigung zwischen Peters und Huber. Dabei gehe es darum, dass beide zerstrittenen Lager in einem neuen Personalvorschlag „ihr Gesicht wahren könnten“. Nach Möglichkeit soll ein kompletter Vorschlag für den künftig von zehn auf sieben Mitglieder reduzierten Geschäftsführenden Vorstand erarbeitet werden, in dem sich beide Seiten angemessen vertreten fühlen. Gleichzeitig solle auch die Haltung der IG Metall zu wichtigen Zukunftsfragen der Tarif- und Sozialpolitik im Zuge einer Einigung der beiden Strömungen geklärt werden.

Die neue Führung soll auf einem vorgezogenen Gewerkschaftstag Ende August gewählt werden. Der ursprüngliche Wahltermin im Oktober war im Zuge des öffentlichen Streits über die Niederlage im Arbeitskampf für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland vorverlegt worden. Auch das Treffen des Hauptvorstandes am Mittwoch kam auf Druck der Basis zustande.

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