Verbände kritisieren Vorschlag der führenden Technischen Universitäten
Wirtschaft drängt auf Ingenieur-Bachelor

Der Vorstoß der führenden Technischen Universitäten, den Master zum Regelabschluss zu machen, ist in den Wirtschaftsverbänden auf Kritik gestoßen. Der Bachelor müsse auch in den Ingenieurwissenschaften auf jeden Fall der „erste berufsqualifizierende Abschluss“ sein, forderte Stefan Küpper von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Der Bachelor habe nur Sinn, wenn er als berufsbefähigender Abschluss konzipiert werde, warnte Christoph Schlüter vom Bundesverband der Deutschen Industrie.

BERLIN. Die führenden neun Technischen Universitäten (TU9) hatten kürzlich beschlossen, nur den Master als „Regelabschluss“ anzuerkennen, weil er auf der „Erfolgsgeschichte des deutschen Diplomingenieurs“ basiere. Der Vorstoß widerspricht dem Ziel von Bologna: Dort hatten 29 europäische Bildungsminister 1999 beschlossen, bis 2010 flächendeckend auf das zweistufige Bachelor/Master-System umzustellen. Dem hatten sich die Kultusminister und die Hochschulrektorenkonferenz angeschlossen.

Dass sich nun ausgerechnet die TU9 Deutschlands „nicht mit dem vermeintlich weniger wertvollen Bachelor-Abschluss befassen wollen“, gebe „Anlass zur Sorge“, warnt der BDA-Experte Küpper. Es sei durchaus zu erwarten, dass der Anteil der Studenten, die Bachelor und Master machen, in den Ingenieurswissenschaften höher sein werde. In der Wirtschaft bestehe ein Bedarf an Bachelor-Ingenieuren von der Universität. Derzeit kommen etwa 60 Prozent aller Ingenieure von den Fachhochschulen.

Bernhard Diegner vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie befürchtet, dass manche TU „den alten Diplomstudiengang nur umetikettiert“, anstatt ein echtes zweistufiges Studium zu konzipieren. Damit werde aber der Weg zu diversen Kombinationen versperrt, etwa ein Maschinen- bau-Bachelor plus Master einer anderen Ingenieurwissenschaft, in Betriebswirtschaft oder Jura.

Mehr Verständnis für die TU9 hat Hartmut Rauen, Geschäftsführer beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Es sei sinnvoll, wenn sie sich in den Ingenieurwissenschaften auf den Master konzentrieren. Eine breite Ausbildung könnten sie schon deshalb nicht leisten, weil ihnen dazu die Betreuungskapazitäten fehlten, wie sie in den Fachhochschulen vorhanden seien. Rauen meint, die Bundesländer müssten entscheiden, wo schwerpunktmäßig Bachelor und wo Master ausgebildet werden sollen.

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