Verbände schlagen Alarm
US-Haushaltskrise schockt deutsche Wirtschaft

Der Haushaltsstopp in den USA hat in der deutschen Wirtschaft große Besorgnis ausgelöst. Führende Verbandsvertreter warfen der Politik in Washington vor, die gesamte Weltwirtschaft in Geiselhaft zu nehmen.
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BerlinDie Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft schlagen angesichts des Haushaltsnotstands in den USA Alarm. „Ich hoffe, dass die Parteien in den USA bald zur Vernunft kommen und ideologisch wieder abrüsten. Mit der Eskalation des Haushaltstreits schaden die USA nicht nur sich selbst, sondern sie nehmen die gesamte Weltwirtschaft in Geiselhaft“, sagte der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, Handelsblatt Online.

„Das kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen, nach dem Motto 'Das kennen wir schon, das wird schon gut gehen'“, sagte Börner weiter. Wenn die Amerikaner trotz guter Perspektiven sich selbst ein Bein stellten, sei das „gefährlich für die deutsche Wirtschaft“, warnte der der BGA-Präsident. Weitere Unsicherheiten zu den bestehenden könne man nicht gebrauchen. „Sie bergen die Gefahr, dass die ohnehin zähe Weltkonjunktur noch mehr Schwung verliert, wovon gerade die exportorientierte deutsche Wirtschaft betroffen wäre“, sagte Börner. „Aber außer an die Vernunft und das Verantwortungsgefühl zu appellieren, können wir derzeit nicht viel tun.“

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Martin Wansleben, reagierte mit großer Sorge und scharfer Kritik auf den Haushaltsstreit in den USA. Das Land sei für die Weltwirtschaft und die deutschen Unternehmen von „herausragender“ Bedeutung. „Die Erholung der Weltwirtschaft darf nicht zum Spielball werden“, sagte Wansleben Handelsblatt Online. Immerhin sei das Land zweitwichtigster Exportabsatzmarkt. Zudem zögen die USA immer mehr Investitionen deutscher Industriebetriebe an. „Handlungsunfähige Behörden stören den transatlantischen Handel und Austausch empfindlich“, sagte Wansleben.

Der US-Haushaltsnotstand ist eingetreten, weil sich Demokraten und Republikaner nicht auf ein Übergangsbudget verständigen konnten. Im Zuge des sogenannten „Shutdown“ werden nun alle nicht zwingend notwendigen Teile der US-Verwaltung stillgelegt. Schätzungsweise 800.000 öffentliche Bedienstete müssen in unbezahlten Zwangsurlaub. Ausgenommen sind sicherheitsrelevante Bereiche, wie Polizei, Grenzbehörden und Militär.

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  • Mit der Neuerfindung von "God's own country" durch die Citigroup Corporation als "Plutocracy" und "Plutonomy" wurden doch schon die Weichen gestellt, die uns allen eine ‚Neue Zukunft‘ eröffnen wird.
    Spätestens nach dem finalen Exitus der traditionellen Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme durch die vermittels der Aktivitäten der Finanzspekulations- und –anlagenbetrugswirtschaft hervor gerufenen realwirtschaftliche Liquiditätsembolie, stellt sich uns allen die Frage: „Kleiner Mann, was nun?“.
    Eine altbekannte Frage, auf die zwischen 1935 und 1945 die Herren Walter Eucken, Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard schon einmal eine relativ intelligente Antwort - nämlich die konsensual formierte Gesellschaft und die soziale Marktwirtschaftskonzeption – gefunden hatten.
    Witzig dabei ist, dass in Deutschland, wo ja angeblich die Dichter und Denker leben sollten, inzwischen schon längst wieder die hybriden schizoid-narzistischen Elitarier die Macht und die Vermögen in Besitz genommen haben, und der neuen amerikanischen Geldwirtschaftsdiktatur, die uns hier als „Neue Soziale Marktwirtschaft“ von der gegenwärtig als Bundeskanzlerin agierenden Besitzstandsfeudalmatrone angedreht wurde, den Weg frei machen und für den Staatsbankrott durch die gar nicht mehr zu vermeidende Fälligstellung der Staatsgarantien für die Aufrechterhaltung der Finanzspekulations- und –anlagenbetrugsgesellschaft gesorgt haben.
    Dabei ist doch dieses Bescheissermodell schon so alt, dass wir es unseren Kindern als Märchen vorgelesen haben: „Des Kaisers neue Kleider“, Hans-Christian Andersen.
    Am Ende steht der Satz: Essen kommt von arbeiten. Und davon verstehen diese scientologisch getrimmten Moneymaker und Leistungsträger der heutigen Macht- und Besitzelite absolut nichts. Also ist deren Existenz derartig unnötig, wie es einst die ständisch-höfische Aristokratenelite am Hofe von Versaiile es gewesen war.

  • "Vielleicht beginnt langsam einmal die Diskussion, das Deutschland kein Exportgewinner ist oder in den letzten Jahren war, sondern die USA der "Importgewinner". Wann wird dieses System endlich einmal sachlich vernünftig diskutiert und diese dogmenhafte Propaganda abgeschafft. "

    Unwahrscheinlich, es werden neue Märchen erfunden um sich sein eigenes kleines Weltbild nicht kaputt zu machen.
    Meine Meinung steht fest, verwirren sie mich nicht mit Tatsachen, und "wir" stehen vorne.
    Nur die Standortbestimmung wo vorne ist, darüber könnte man vielleicht noch reden *g*, aber bitte nicht am eigenen Menschen- und Weltbild kratzen.

  • Deutschland sollte sich weniger an den USA orientieren! Man ist verlassen, siehe NSA. Global heißt global und nicht USA!

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