Verband erwartet deutlichen Aufschwung für 2004
BDI: Euro gefährdet Konjunktur nicht

BDI-Präsident Michael Rogowski will angesichts des starken Euro von Konjunktur-Pessimismus nichts wissen. Die Deutsche Bank sieht das anders. Indes drängt der BDI die IG Metall zu flexibleren Arbeitszeiten.

HB BERLIN. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Euro-Stärke hat BDI-Präsident Michael Rogowski vor aufkommendem Konjunktur-Pessimismus gewarnt. Es deute einiges darauf hin, dass der Euro-Kurs noch weiter steigen könnte. Das sei schon gravierend, sagte er der «Berliner Zeitung» (Samstagausgabe). «Aber ich warne vor Panikmache», fügte Rogowski hinzu. Denn der Großteil der deutschen Exporte gehe in den Euroraum und da gebe es kein Wechselkursrisiko mehr.

Der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) betonte, dass es trotz des starken Euro einen deutlichen Konjunkturaufschwung 2004 in Deutschland geben werde. «Ich gehe von einem Wachstum von bis zu zwei Prozent aus. Daran wird auch ein starker Euro nichts ändern», sagte Rogowski. Er habe «sogar die Hoffnung, dass der Aufschwung am Ende besser ausfällt, als viele glauben.» Die Entwicklung aller Indikatoren, unter anderem der Auftragseingänge, signalisierten eindeutig, dass die Wende da sei.

Dem widerspricht der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter. Er rechne mit negativen Auswirkungen des hohen Euro-Kurses auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, sagte Walter der «Welt am Sonntag». Eine Aufwertung des Euro um zehn Prozent verringere das Bruttosozialprodukt um rund 0,5 Prozent. Er sei daher enttäuscht über die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, in der vergangenen Woche den Leitzins bei 2,0 Prozent zu belassen. «Sie hätte den Spielraum nutzen und die Zinsen senken sollen», sagte Walter.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Hermann Remsperger erklärte indes am Samstag im Deutschlandradio Berlin, für die Entscheidung über den Zinssatz werde eine Fülle von Indikatoren berücksichtigt. Der Wechselkurs spiele dabei zwar eine Rolle, aber keine ausschlaggebende. Auch auf die Frage nach möglichen Stützkäufen zur Stabilisierung des Dollars betonte er, das Euro-System habe kein Wechselkursziel, sondern das der Preisstabilität. Nach den Untersuchungen der Bundesbank sei im Übrigen die Entwicklung des Welthandels wichtiger für die Konjunktur als der Wechselkurs gegenüber dem Dollar.

43 Prozent der deutschen Exporte seien nicht vom hohen Euro-Kurs betroffen, da sie in den Euro-Raum gingen. Auch hätten die Entlastungen durch billigere Importe kompensatorische Effekte. Remsperger musste aber einräumen, dass der starke Euro das Exportwachstum insgesamt etwas bremse.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank erwartet indes für die kommenden Monate Euro-Höchststände von über 1,40 Dollar. «Der Markt wird die alten Tiefststände des Dollar aus den Jahren 1995/1996 wohl testen», sagte Walter. Im April 1995 hatte der Greenback nur noch 1,35 Mark gekostet, was umgerechnet einem Eurokurs von 1,44 Dollar entspricht.

«Erst wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer die Kurse für komplett verrückt hält, wird es eine Trendwende geben», sagte Walter. Dieser Punkt sei noch nicht erreicht. Auch andere Banken gehen von einem weiteren Kursanstieg beim Euro aus. Die WestLB etwa hält dabei einen Euro-Kurs bis Juni des Jahres von 1,35 Dollar für möglich.

Der BDI-Präsident forderte unterdessen, wie jüngst auch andere Arbeitgebervertreter, die IG Metall auf, flexibleren Arbeitszeiten zuzustimmen. «Wenn es nicht zu Flexibilisierungen bei den Arbeitszeiten kommt, ist alles andere als eine Nullrunde illusorisch», sagte Rogowski der «Berliner Zeitung» vor dem Hintergrund der laufenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie.

Es sei «blanker Unsinn», vier Prozent mehr Lohn zu fordern, sagte er. «Damit produzieren wir letztlich nur mehr Arbeitslosigkeit». Was es im Laufe des Jahres an Produktivitätsfortschritten geben werde, basiere auf der Wirtschaftsbelebung und der sich bessernden Kapazitätsauslastung. «Darauf feste Lohnerhöhungen zu gewähren, führt nur dazu, dass bei einer neuen Konjunkturdelle sofort wieder Stellen gestrichen werden müssen», fügte Rogowski hinzu.

Der BDI-Präsident äußerte die Erwartung, dass die Gewerkschaften bei der Flexibilisierung von Löhnen und Arbeitszeit in den anstehenden Tarifrunden einlenken werden. Rogowski sagte: «Wenn das nicht gelingt, steht Bundeskanzler Schröder in der Pflicht. Er hat angekündigt, das Problem gesetzlich zu lösen, wenn die Tarifpartner nicht weiter kommen.»

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