Verbot
Bayern will Internet-Apotheken stoppen

Bayern will über eine Gesetzesinitiative im Bundesrat den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln stoppen. Das Land kritisiert vor allem die starke und unkontrollierte Zunahme des Internethandels mit Medikamenten.

DÜSSELDORF. „Wir wollen damit ein ganz klares Signal gegen die Gefahren des Internethandels mit Medikamenten setzen und dafür sorgen, dass die klassische Apotheke als verlässlicher Partner der Patienten gestärkt wird“, begründete der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder den Vorstoß im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Länderkammer entscheidet am Freitag über einen entsprechenden Antrag der Länder Bayern und Sachsen. Er wurde in den Vorberatungen zumindest von der Mehrheit der Gesundheitsminister der Länder unterstützt.

Bayern kritisiert vor allem die starke und unkontrollierte Zunahme des Internethandels mit Medikamenten. „Seit 2004 der Versandhandel in Deutschland zugelassen wurde, hat es eine rasante Zunahme gefälschter Medikamente im Internet gegeben. Nach den neuesten Zahlen der EU-Kommission sind in nur zwei Monaten 34 Millionen gefälschte Tabletten beschlagnahmt worden“, sagte Söder. Hinzu komme, dass längst nicht mehr nur Lifestyle-Medikamente im Internet angeboten würden, sondern auch stark wirksame Mittel wie Antibiotika, Cholesterinsenker oder Krebsmittel. Die Bürger könnten kaum zwischen legalen und illegalen Internetanbietern unterscheiden. Auch das Siegel des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) bringe keine Sicherheit. „Das Siegel ist reine Augenwischerei“, sagte Söder.

Damit gehe vom Internethandel eine wachsende Gefahr für die Gesundheit der Bürger aus. „Diese Entwicklung kann nur mit einer deutlichen Stärkung der öffentlichen Präsenzapotheke durch ein Verbot des Versandhandels aufgehalten werden.“

Der Versandhandel sei „der Totengräber der klassischen Präsenzapotheke vor allem in der Fläche“, warnte Söder. „Und das geht zu Lasten der Patienten.“ So sei allein der Apotheker in der Lage, persönlich und qualifiziert zu beraten und rund um die Uhr Arzneimittel bereit zu halten. „An Pick-Up-Stellen im Supermarkt, wie sie das Bundesverwaltungsgericht vor kurzem zugelassen hat, geht das nicht.“ Werde die vor allem mit diesem Urteil eingeleitete Entwicklung nicht gestoppt, „sehe ich schwarz für die Arzneimittelsicherheit in Deutschland“, sagte Söder.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%