Verbot von Apotheken-Versandhandel
Ein Rückschritt ins 19. Jahrhundert

Der Plan von Gesundheitsminister Gröhe, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten zu verbieten, soll das Geschäftsmodell deutscher Apotheken sichern. Doch der Minister kauft nur Zeit. Ein Kommentar.
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Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten verbieten. Mit dieser Ankündigung hat der Minister sich zu Recht Spott und Hohn in den sozialen Netzwerken eingehandelt. Stellvertretend für viele twitterte der ehemalige Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucamp: „Digitale Agenda: Verbot von Versandapotheken geplant. Zum Schutz der Patienten, ich lach mich tot.“

Zwar will Gröhe nicht alle Versandapotheken verbieten, sondern nur den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Pillen. Und da die 150 Apotheken, die heute in größerem Umfang Versandhandel machen, überwiegend rezeptfreie Arzneimittel auf Bestellung in die Wohnung liefern, wird sein Verbot auch keine Pleitewelle bei Versandhändlern auslösen. Trotzdem bringt Haucamps Einwurf sehr schön auf den Punkt, was Gröhes Entscheidung eigentlich bedeutet.

Während seit einigen Jahre alles im Gesundheitswesen über Digitalisierung redet und Gröhe selbst verantwortlich für ein E-Health-Gesetz zeichnet, versucht der Gesundheitsminister nun – unter dem Eindruck des mächtigen Geheuls der Apothekenlobby – die Zeit zurückzudrehen. Es soll, zumindest was die Apotheken angeht, so bleiben wie im 19. Jahrhundert. Da waren Arzt und Apotheker neben dem Bürgermeister die wichtigsten Honoratioren eines Dorfes: Der Patient geht zum Arzt, holt sich sein Papier-Rezept und löst es bei der Apotheke um die Ecke ein.

In vielen Kommunen läuft das noch heute so. Doch der Patient der Zukunft wird – weil die deutsche Bevölkerung im Durchschnitt altert – viel häufiger an mehreren Krankheiten leiden, gehbehindert sein und sich deshalb freuen, wenn sein Arzt ihn mit Hilfe moderner Diagnose- und Kommunikationstechnik telemedizinisch betreut. Die Medikamente, die ihm per elektronischem Rezept verordnet werden, kommen dann bequem mit dem Zustelldienst zu ihm. Wenn er dabei noch ein paar Euro sparen kann, weil die Versandapotheke ihm Rabatt einräumt, umso besser. E-Health ohne die Möglichkeiten des Versandhandels ist schlicht nicht vorstellbar.

Das einzig Gute, was man über Gröhes Plan sagen kann, ist: Das Verbot des Versandhandels ist in der Tat die einzige gesetzliche Maßnahme, mit der das heutige Geschäftsmodell der 20.000 Präsenzapotheken geschützt werden kann. Dieses Geschäftsmodell basiert darauf, dass es gesetzlich vorgegebene Handelsspannen auf die Herstellerabgabepreise für Apotheken gibt. Mithin sind die Preise überall gleich. Der Preiswettbewerb ist abgeschaltet.

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  • Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

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