Verbraucherdaten
Bonitäts-Auskünfte oft fehlerhaft

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hält die Qualität der Daten, mit denen die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern beurteilt wird, für unzureichend. "Die Fehlerquoten der gesammelten Daten sind viel zu hoch und die erteilten Selbstauskünfte oft völlig unbrauchbar", sagte Aigner am Mittwoch anlässlich der Vorstellung der Studie "Verbraucherinformation Scoring" in Berlin.

BERLIN. Aigner appellierte an die Kreditwirtschaft, die von Auskunfteien zur Verfügung gestellten Daten über die Bonität von Kunden zu hinterfragen. Verbraucher müssten ansonsten damit rechnen, dass Konten oder Kreditkarten gekündigt oder höhere Kreditzinsen gezahlt werden müssen.

Im Mittelpunkt der Kritik stehen die sogenannten Auskunfteien wie Schufa, EOS, Schober, Bürgel, oder Creditreform. Auskunfteien sind Unternehmen, die bonitätsrelevante Daten über Unternehmen und Privatpersonen wie das Zahlungsverhalten sammeln, um sie Geschäftspartnern für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit der Betroffenen gegen Entgelt zugänglich zu machen. Dabei kommen mathematisch-statistische Verfahren zum Einsatz, mit denen das Ausfallrisiko für einen Kredit bei einer bestimmten Person berechnet werden kann.

Die Kritik Aigners richtet sich nicht gegen die Scoring-Verfahren an sich. Aber die Verbraucherministerin fragt sich, wie angesichts der fehlerhaften Informationen überhaupt zuverlässige Scoringwerte zur Bonitätsbewertung ermittelt werden können.

Es besteht allerdings die Hoffnung, dass einige Missstände mit dem neuen Bundesdatenschutzgesetz beseitigt werden. Es soll zum 1. April 2010 in Kraft treten. Mit dem Gesetz werden die Informations- und Auskunftsrechte der Betroffenen bei Auskunfteien erweitert. Auch soll den Verbrauchern dann erklärt werden, wie ein konkreter Scoring-Wert zustande gekommen ist. Die Auskunfteien wären gut beraten, so Aigner, mit der Umsetzung nicht bis April 2010 zu warten.

Nach der von der Münchener GP Forschungsgruppe erstellten Studie werden bis zu 45 Prozent der Verbraucherdaten von Auskunfteien fehlerhaft gespeichert. Bei der Schufa seien lediglich 54 Prozent der gespeicherten Daten nicht zu beanstanden gewesen, bei Creditreform lägen bei 58 Prozent der Auskünfte lediglich Angaben zur Person vor, die der Anfrager auch noch selbst geliefert habe. Bei Arvato Infoscore würden bei 95 Prozent der Testpersonen keine bonitätsrelevanten Informationen vorliegen. Die Angaben basieren auf eine Stichprobe, an der 100 Testpersonen beteiligt waren. Zwar sei diese Zahl nicht repräsentativ, doch eine höhere Zahl von Befragten hätte keine signifikante Abweichung ergeben, so GP-Geschäftsführer Dieter Korczak.

Für Frank-Christian Pauli von der Verbraucherzentrale Bundesverband sind die Ergebnisse ein Beleg dafür, die Scoring-Verfahren insgesamt zu hinterfragen. Damit setzt er sich von der Bundesverbraucherministerin ab. "Der Verbraucher weiß nicht, wie die Daten zustandekommen und wie man sie bewertet und interpretiert", kritisiert Pauli. Wenn man häufig den Wohnort wechsele, könne das beruflich bedingt sein, man "muss nicht auf der Flucht vor Gläubigern sein". Verbraucherschützer Pauli plädiert dafür, notwendige Daten beim Betroffenen direkt abzufragen.

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