Verbraucherschützer im Porträt
Verbraucherschutz: Im Dienst des Kunden

Unternehmen verraten nicht alles über ihre Produkte und trotzdem ist die Informationsflut für den Endkunden erdrückend. Den Homo Oeconomicus, der seine Entscheidungen völlig rational trifft, kann es damit nicht geben. Aber viele Organisationen versuchen den Verbrauchern in der rauen Wirtschaftswelt zu helfen.

DÜSSELDORF. Der klassische Freund und Helfer aller Kunden sind in Deutschland die Verbraucherzentralen. Der Bundesverband leistet die Lobbyarbeit im politischen Berlin, in den Ländern betreuen Zentralen die Verbraucher vor Ort. Aufklärung der Öffentlichkeit gehört zu ihren Aufgaben. Dazu informieren sie im Internet, veranstalten Fachtagungen und veröffentlichen Ratgeberbücher. Bei speziellen Fragen können sich Verbraucher auch direkt an die Verbraucherzentralen wenden. Kostenlos sind die Beratungen allerdings nicht: Für individuelle Informationen zum Thema Energiesparen fallen 5 Euro an, eine Prüfung von Architektenverträgen kostet 300 Euro.

Der Bundesverband greift auch aktiv in den Gesetzgebungsprozess ein. So warb er bei Justizministerien Brigitte Zypries darum, dass Verbraucher einwilligen müssen, wenn ihre Daten weitergegeben werden. Damit ahnten die Verbraucherschützer den Skandal um den Datenmissbrauch voraus. „Wir waren nicht völlig unvorbereitet, aber das Ausmaß hat uns dann doch überrascht“, sagt Steffen Küßner vom Bundesverband.
Um zu illustrieren, wie einfach es ist, in kurzer Zeit an persönliche Informationen zu kommen, beauftragte der Bundesverband einen Rechercheur. Dieser kaufte binnen 44 Stunden für 850 Euro sechs Millionen Datensätze. Die Staatsanwaltschaft Münster vermittelt.

Datenschutz ist derzeit der prominenteste Teil des Verbraucherschutzes. Aber es gibt noch viele weitere Baustellen: Der europäische Binnenmarkt bietet unzählige Möglichkeiten, birgt aber auch Gefahren. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hilft geprellten Kunden ausländischer Firmen und Kunden aus dem europäischen Ausland, die Probleme mit einem deutschen Betrieb haben. Die Behörde ist unter anderem zuständig für irreführende Werbung, Haustürgeschäfte und unlautere Geschäftspraktiken.

Unabhängig von den öffentlichen Organisationen gibt es private Initiativen, die sich für den Verbraucherschutz stark machen. Im Bereich des Datenschutzes setzt sich der Verein Foebud für die Interessen der Verbraucher ein. Dazu gehört auch die jährliche Verleihung des „Big Brother Awards“. Den „Oskar für Datenkranke“, wie der Verein die zweifelhafte Auszeichnung nennt, erhielt im letzten Jahr unter anderem die Pharmafirma Novartis in der Kategorie Arbeitswelt für die Bespitzelung von Mitarbeitern. Damit weist der Foebud auf Verstöße gegen Bürgerrechte und Datenschutz hin. Am 24. Oktober werden die nächsten Awards verliehen.

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