Verbraucherschutz-Chef

„Strom darf kein Luxusgut für Reiche werden“

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Gerd Billen, fordert einen Kurswechsel bei der Energiewende. Außerdem plädiert er im Interview für ein verpflichtendes Schulfach Verbraucherbildung.
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Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Gerd Billen, fordert die Politik beim Strompreis zum Handeln auf.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Gerd Billen, fordert die Politik beim Strompreis zum Handeln auf.

Handelsblatt: Herr Billen, die Verbraucher stöhnen über steigende Strompreise.  Gibt es ein Mittel dagegen?
Gerd Billen: Die Politik ist gefordert. Sie muss darauf achten, dass Strom nicht zum Luxusgut für Reiche wird. Es kann nicht sein, dass viele große Unternehmen von den Kosten der Energiewende ausgenommen werden und die Verbraucher die Zeche zahlen.

Die Energiewende kostet aber Geld, das irgendwie herein kommen muss. Ist es nicht logisch, dass die Stromproduzenten die Kosten auf den Verbraucher umlegen?

In den letzten zehn Jahren war das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) kein entscheidender Faktor für den Strompreis. Jetzt wird es immer wichtiger. Wir sind in einer Phase, wo viel Geld in neue Techniken investiert werden muss. Leider fließen die Mittel aber häufig nicht in die effektivsten Lösungen. Deshalb sind wir für eine Reform des EEG-Gesetzes.

Inwiefern?

Die Mittel müssen in sinnvolle Energien, Speichertechnologien und den Netzausbau fließen. Bisher gibt es starke Unterschiede bei der Förderung  verschiedener Techniken. Bei der Offshore-Windkraft wird zum Beispiel das Risiko komplett auf den Verbraucher und den Mittelstand umgelegt. Chancen und Risiken gehören aber zusammen. Wir wünschen uns einen fairen Wettbewerb zwischen verschiedenen Techniken, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Für die Verbraucher muss klar sein, wo das Ende der Fahnenstange ist.

Auch auf dem Strommarkt gibt es Wettbewerb. Wer unzufrieden mit seinem Stromanbieter ist, kann wechseln. Das tun aber nur wenige. Sind die Verbraucher nicht selbst Schuld an den hohen Preisen?

Die Verbraucher können durch einen Wechsel in aller Regel Geld sparen. Eine vierköpfige Familie zum Beispiel etwa 100 bis 150 Euro im Jahr. Diese Möglichkeit nutzen jedoch viele nicht. 40 Prozent der Verbraucher sind in der so genannten Grundversorgung. Das ist der Tarif, in den jeder Stromkunde automatisch eingestuft wird, wenn er sich nicht aktiv um einen Wechsel bemüht. Grade ältere Menschen scheuen  einen Wechsel. Verbraucherzentralen helfen ihnen, einen Wechsel zu realisieren.

"Die Verbraucherbildung muss ausgebaut werden"
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  • EU-Bußgelder für Gasversorger E.ON und Gaz de France
    Milliardenstrafe gegen die "Ausbeuter"

    Illegale Absprachen auf dem Gasmarkt kommen die Energieversorger E.ON und Gaz de France teuer zu stehen. EU-Kommissarin Kroes sprach von einer "Ausbeutung der Verbraucher" und verhängte gegen die Konzerne eine Kartellstrafe in Rekordhöhe. Das Bußgeld in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro müssen die Unternehmen je zur Hälfte zahlen.

    Tagesschau.de vom 25.08.2012

  • Blödes Gelalle..

    Wie wäre einfach gegen die KARTELLE vorzugehen!? Siehe Fall EON.

  • Bloss ein Bürger...Wenn Sie ein Kernkraftwerk mit 360 MA stilllegen und durch zig-1000 Beschäftigte einer Branche ersetzen so reduzieren Sie die Produktivität der Gesellschaft. Im Grunde verlieren alle.

    Profiteure sind Bauern die ihre Aecker an Windparks vermieten, Installateure, Unternehmen die solche ökoreligiösen Symbole bauen und betreiben.

    Die Kosten ökoreligiöser Energien werden nur zum Teil im EEG und der EEG Umlage abgebildet. Die Kosten des Netzausbaus und die in Bereitschaft stehenden Kraftwerke werden nicht ausgewiesen. Politiker und Medien sind nicht unbedingt daran interessiert die Kosten der "Energiewende" transparent zu machen.

    Vandale

  • Ich vermisse in der ganzen Diskussion die Beantwortung der Fragestellung, wer die Profiteure der Energiewende sind. Wenn ich lese, dass die Strompreise an der Börse gesunken sind, sind die Produzenten von konventionellen Strom also nicht die Gewinner. Bleiben dann also nur die Verteiler. Dies sind aber neben den großen Versorgern in der Regel die Stadtwerke, die in Deutschland die meisten Kunden versorgen. Sind dies nun die Preistreiber? Die Frage kann ich nicht beantworten, in jedem Fall sind es aber sind die Stadwerke nicht die Preisbrecher. In diesem Jahr erhalten die Erzeuger der alternativen Energien mehr als 16 Milliarden Euro aus der EEG Umlage, dazu kommen noch diverse Steuersubventionen. Das Umweltbundesamt sagt aus, dass nach der letzten Änderung der Einspeisevergütung imm noch Renditen um die 10% zu erreichen sind und das ohne Berücksichtigung der Steuer- und Kreditsubventionen. Mir scheint, das diese Betreiber die Profiteure sind - oder?

  • So ein Fake. Hier etwas von 2011 zu posten.

    Schauen Sie lieber einmal hier:

    Aktuell und von heute, nicht von vor 1.5 Jahren.

    http://tagesschau.de/wirtschaft/strompreis120.html
    http://tagesschau.de/inland/vattenfall156.html

    Das sind sie die typischen Energieoligopolisten. Am besten in alte Zeiten liegen und schwärmen, wie es doch war, als man den Kunden noch richtig abzocken konnte.

    Ist bald vorbei Leute. Mit EE senken wir langfristig (nicht kurzfristig) die Kosten zum Wohl der Volkswirtschaft und nicht zum Wohl der Aktionäre, Spekulanten und Manager.

  • Strompreise in Europa – Nur Dänemark ist teurer


    http://www.kwh-preis.de/strompreise-in-europa-nur-daenemark-ist-teurer

  • Schneller Atomausstieg treibt Strompreis in die Höhe
    Autor: dpa-AFX | 20.03.2011, 17:14


    http://www.wallstreet-online.de/nachricht/3120288-roundup-regierung-schneller-atomausstieg-treibt-strompreis-in-die-hoehe

  • -- Blödsinn --

  • Die Energiewende kostet aber Geld, das irgendwie herein kommen muss. Ist es nicht logisch, dass die Stromproduzenten die Kosten auf den Verbraucher umlegen?

    Der Verbraucher soll zahlen. Gern! Aber erst mal die zahlen lassen die Grund allen übels sind.

    Bitte erst diejenigen zahlen lassen, die Milliardengewinne jedes Jahr an Spekulanten und Aktionäre ausbezahlt haben, anstatt zu investieren.

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