_

Verdacht des Generalbundesanwalts: Iran plant Anschläge in Deutschland

Deutsche Sicherheitsbehörden schlagen Alarm: Ein US-Angriff auf den Iran könnte drastische Konsequenzen für Deutschland haben. Laut Bundesanwaltschaft soll Teheran Anschläge auf amerikanische Einrichtungen geplant haben.

KarlsruheDie deutschen Sicherheitsbehörden verdächtigen den Iran, für den Fall eines US-Angriffs Anschläge auf amerikanische Militärflugplätze in Deutschland zu planen. Generalbundesanwalt Harald Range bestätigte am Donnerstag in Karlsruhe ein entsprechendes Ermittlungsverfahren. Eine unmittelbare Gefahr bestehe allerdings nicht, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke.

Anzeige

Die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, der Iran wolle mit den Anschlägen Nachschub und Logistik der Amerikaner lahmlegen. Die Bundesanwaltschaft ermittle in diesem Zusammenhang wegen des Verdachtes der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken gegen einen deutschen Geschäftsmann, der konspirativen Kontakt mit der iranischen Botschaft in Berlin gepflegt haben solle. Am 2. November sei dazu eine Hausdurchsuchung angeordnet worden.

Das angespannte Verhältnis zwischen USA und Iran

  • 1979

    Nach der Vertreibung des US-Verbündeten Schah Mohammed Reza Pahlavi ruft Ajatollah Khomeini die Islamische Republik Iran aus. Am 4. November besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran, nehmen 52 Amerikaner als Geiseln und fordern die Auslieferung des Schahs. Als Reaktion verhängt Washington Sanktionen gegen den Iran.

  • 1980

    Die Geiselnahme endet nach 444 Tagen. Ein Militäreinsatz zur Befreiung der Amerikaner war gescheitert. Im September greift Iran den Irak an. Im achtjährigen Golfkrieg beliefern die USA beide Länder mit Waffen und schlagen sich schließlich auf die Seite des Iraks.

  • 1984

    Nach Terroranschlägen auf US-Soldaten und die Botschaft im Libanon erklärt US-Präsident Ronald Reagan Irans Regime zum „Sponsor des internationalen Terrorismus“ und verschärft die Sanktionen.

  • 1985-1986

    In Geheimgesprächen verspricht Washington Teheran Waffenlieferungen, im Gegenzug sollen amerikanische Geiseln im Libanon befreit werden. Mit den Gewinnen finanzieren die USA Rebellen in Nicaragua. Der Iran-Contra-Skandal bringt die US-Regierung in Bedrängnis.

  • 1988

    Ein US-Kriegsschiff schießt einen iranischen Airbus über dem Golf ab, alle 290 Passagiere sterben.

  • 1995

    Wegen angeblicher Terrorunterstützung und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen verhängt US-Präsident Bill Clinton ein umfassendes Handelsembargo gegen den Iran.

  • 2001

    Washington beschuldigt Teheran, direkt in einen Anschlag auf US-Soldaten in Saudi-Arabien verwickelt zu sein. Der US-Geheimdienst CIA bezichtigt den Iran, ein Atomwaffenprogramm zu verfolgen.

  • 2002

    Präsident George W. Bush bezeichnet den Iran, den Irak und Nordkorea als „Achse des Bösen“. Washington würde nicht tatenlos zusehen, wenn diese Länder versuchten, die USA mit Massenvernichtungswaffen zu bedrohen.

  • 2004

    Auf Drängen der EU verzichtet der Iran auf sein Programm zur Urananreicherung. Die USA bleiben misstrauisch.

  • 2005

    Die USA beschuldigen Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, Kopf der Geiselnahme von 1979 in Teheran gewesen zu sein.

  • 2007

    US-Behörden erklären, im Irak festgenommene Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden hätten sich aktiv am Krieg gegen US-Truppen beteiligt. Man habe zudem Beweise dafür, dass mit von Teheran gelieferten Waffen US-Soldaten im Irak getötet wurden.

  • 2008

    Der Iran droht für den Fall eines Angriffs auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen und testet bei einem Großmanöver Raketen. Im Persischen Golf gibt es mehrere Zwischenfälle von US-Schiffen mit iranischen Schnellbooten. Es fallen Warnschüsse.

  • 2009

    Iranische Militärs nehmen im Grenzgebiet zum Irak drei US- Touristen fest. Nach einer Verurteilung wegen Spionage zu acht Jahren Haft kommt der erste 2010 frei, die beiden anderen im September 2011.

  • 2010

    US-Präsident Barack Obama setzt im Streit um das iranische Atomprogramm neue umfangreiche Sanktionen gegen Teheran in Kraft.

  • 2011

    Im Oktober werfen die USA dem Iran ein Mordkomplott vor: Für das geplante Attentat an einem saudischen Diplomaten macht US-Justizminister Eric Holder den militärischen Arm der iranischen Revolutionsgarden, Al-Kuds, verantwortlich. Ende des Jahres verschärfen die USA ihre Sanktionen wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms. Im Dezember kündigt der Iran eine Reaktion auf die angebliche Verletzung seines Luftraums durch ein US-Aufklärungsflugzeug an. Am 4. Dezember vermeldet der Iran, die Armee habe in einer östlichen Provinz eine unbemannte Drohne des Typs RQ170 abgeschossen.

„Dazu kann ich bestätigen, dass wir ein Verfahren führen, und dass wir dort auch operative Maßnahmen beantragt haben und beabsichtigen auch durchzuführen“, sagte Range. Details nannte er nicht.

Die USA betreiben in Ramstein in der Pfalz einen ihrer größten Militärstützpunkte weltweit, über den wesentliche Teile des Nachschubs und der Logistik für die Kriege in Afghanistan und im Irak abgewickelt werden. In einem großen Lazarett im nahegelegenen Landstuhl werden verwundete Soldaten aus den Einsatzgebieten versorgt. Beide Einrichtungen sind schwer gesichert.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hält es für ein realistisches Szenario, dass der Iran Anschläge in Deutschland nicht nur plant, sondern auch ausführen lässt. „Selbstverständlich ist denkbar, dass religiöse Eiferer oder die iranische Staatsführung selbst derartige Anschläge veranlassen oder durchführen wollen“, sagte Verbandschef Rainer Wendt Handelsblatt Online. Daher müssten die deutschen Sicherheitsbehörden „alle denkbaren Szenarien erwägen und alle verfügbaren Kräfte einsetzen, um mögliche Vorbereitungen terroristischer Anschläge auf deutschem Boden zu verhindern“.

Attacken aus Iran Die Tiraden des Mahmud Ahmadinedschad

  • Attacken aus Iran: Die Tiraden des Mahmud Ahmadinedschad
  • Attacken aus Iran: Die Tiraden des Mahmud Ahmadinedschad
  • Attacken aus Iran: Die Tiraden des Mahmud Ahmadinedschad
  • Attacken aus Iran: Die Tiraden des Mahmud Ahmadinedschad

Wie Wendt sagte, zeigt sich mit den möglichen Anschlagsplanungen des Iran, dass die Arbeit von Geheimdiensten „eben nichts Anrüchiges“ sei. Sie sei vielmehr ein notwendiger Bestandteil einer wehrhaften Demokratie. „Denn selbstverständlich benötigt man zur realistischen Einschätzung des Bedrohungspotentials die Erkenntnisse verschiedener Dienste und die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern und Freunden“, sagte der Polizeigewerkschafter.

  • 03.12.2011, 04:52 UhrAnonymer Benutzer: stupid

    Zu…
    .
    01.12.2011, 14:18 Uhr
    Anonymer Benutzer: Anwar
    Keine Atomwaffen in der Hand dieser islamistischen Menschenfeinde!
    ===================================================
    Da kann ich IHNEN nur gratulieren,
    kurz und gut auf den realistischen Punkt gebracht!
    .
    Ich sehe es genauso!

  • 02.12.2011, 11:00 UhrAnonymer Benutzer: kuac

    @Gast
    Immer dieses Schwarz-Weiss Denken. Gut (wir), böse (die anderen). Ein bisschen Selbskritik würde dem Westen gut tun. Wohlstand- ja, aber nicht durch Ausbeutung und Ausplünderung. Der eigentliche Grund für den Einmarsch in den fremden Ländern ist nicht wegen Demokratie, sondern Zugang zum Rohstoff. Nach Ihren Kriterien, China ist tausendmal böser als Iran!!Konsequenz: keine.

  • 02.12.2011, 01:58 UhrAnonymer Benutzer: Euyonimus

    Etwas vorschnell, Herr Elof, auch wenn Sie sich das herbei wünschen, denn es hat sich durch Untersuchungen ergeben: nichts ist beweisbar, daß solche Anschläge geplant sind.

    Träumen Sie weiter, und: Israel ist nicht in Gefahr, wenn Ihresgleichen das auch immer heraufbeschwören möchte.Vielmehr empört sich die eigene Bevölkerung über den eigenen Regierungsstil und separiert sich von der orthodoxen Denke..

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.