Verdi-Chef Frank Bsirske unter Druck
„Links reden, rechts leben“

Der Verdi-Chef Frank Bsirske steht wegen seines Gratis-Urlaubsflugs mit der Lufthansa mitten im Tarifkonflikt weiter in der Kritik. Bsirske – auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Airline– agiere nach einem ganz eigentümlichen Motto, empören sich immer mehr Politiker. Doch die Gewerkschaft kann partout nichts Ungewöhnliches finden am kostenlosen First-Class-Ticket in die Südsee.

HB BERLIN. Die Gewerkschaft Verdi hat Rücktrittsforderungen gegen ihren Vorsitzenden Frank Bsirske wegen seines Südsee-Freiflugs mit der Lufthansa zurückgewiesen. Die Forderungen seien absurd und stammten von den üblichen Verdächtigen, sagte Verdi-Sprecher Harald Reutter dem WDR. Wegen seiner Doppelrolle als Gewerkschaftsführer und stellvertretender Aufsichtsratschef der Lufthansa stand Bsirske schon früher mehrfach in der Kritik.

Politiker von Union und FDP forderten Bsirske wegen seiner Gratisflüge mitten im Lufthansa-Tarifstreit zum Rücktritt auf. „Bsirske agiert nach dem Motto: links reden, rechts leben. Eigentlich müsste er jetzt zurücktreten“, sagte der CSU-Wirtschaftsexperte Hans Michelbach der „Bild“-Zeitung. Bsirske habe seine Leute während des Arbeitskampfs im Stich gelassen. Laut der Zeitung flog Bsirske kurz vor Streikbeginn mit einem Lufthansa-Freiflug in der ersten Klasse gemeinsam mit seiner Frau für fünf Wochen in die Südsee.

Reutter bestätigte, dass Bsirske auf Kosten des Unternehmens Erster Klasse von Frankfurt nach Los Angeles geflogen sei. Dies sei im Rahmen der für Aufsichtsräte üblichen Regelungen für Freiflüge geschehen. Bsirske mache von dieser Möglichkeit äußerst zurückhaltend Gebrauch, sagte Reutter. Den Anschlussflug zum Zielort habe Bsirske aus eigener Tasche bestritten. Den durch den Freiflug entstandenen finanziellen Vorteil werde er selbstverständlich ordnungsgemäß versteuern.

Rückzug aus Aufsichtsrat gefordert

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte der Zeitung, Bsirske solle in der Südsee bleiben: „Wenn er jetzt nicht zurücktritt, sollten ihm die Gewerkschafter den Stuhl vor die Tür setzen.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Fuchs nannte Bsirskes Verhalten „unglaublich“ und verlangte seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat der größten deutschen Airline.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erklärte, Bsirske handele „nicht gerade glücklich in der Öffentlichkeit“, wie DSW-Sprecher Marco Cabras der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) sagte.

Bsirske war in der Vergangenheit vor allem deshalb kritisiert worden, weil er als Gewerkschaftsfunktionär bereits mehrfach zu Streiks aufrief, die der Lufthansa Kosten verursachten; als Aufsichtsratsmitglied soll er aber eigentlich dem Wohle des Unternehmens dienen.

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