Verdi und der Stress am Arbeitsplatz
Schaffst Du deine Arbeit? Oder schafft sie Dich?

Die Gewerkschaft Verdi präsentiert eine neue Umfrage, die die wachsende Belastung am Arbeitsplatz belegen soll. Für die Gewerkschaft ist klar: Mit Entspannungsübungen im Büro ist es nicht länger getan.

BerlinSchaffst Du deine Arbeit? Oder schafft sie Dich? Immer mehr Beschäftigte beantworten die erste Frage mit Nein. Dafür steigen die Zustimmungsraten bei der zweiten Frage an, zumindest, wenn man Verdi glaubt. Im Auftrag der Dienstleistungsgewerkschaft haben die Meinungsforscher von TNS Infratest 540 Beschäftigte nach ihrer beruflichen Situation befragt. Mehr als zwei Drittel der Befragten leiden demnach unter hoher Arbeitsbelastung, die in den zurückliegenden Jahren noch zugenommen hat. Die Befragung zeige, dass es bei der Bekämpfung von Stress und Druck in den Betrieben „deutlichen Handlungsbedarf“ gebe, kommentierte Verdi-Chef Frank Bsirske die Ergebnisse der nach seiner Aussage repräsentativen Untersuchung.

Die ganze Woche lang wird die Gewerkschaft im Rahmen der Aktionswoche „Gute Arbeit ohne Druck“ Beschäftigte sensibilisieren und „Gegendruck“ aufbauen. Helfen soll dabei eine kleine Broschüre, in der Verdi über Meilensteine des Arbeitsschutzes informiert, Betriebsräten Handlungsempfehlungen gibt und Beschäftigten Entspannungstipps fürs Büro. Aber damit, so die Gewerkschaft, sei es nicht getan. Denn: 77 Prozent der Befragten wünschten sich verbindliche Regelungen, um Arbeitsbelastung, Stress und Entgrenzung einzudämmen, sagte Bsirske. So gebe es zwar vorbildliche Betriebsvereinbarungen wie beim Autobauer BMW, die ein Recht auf Nichterreichbarkeit festschrieben. Doch mehr als die Hälfte der befragten Beschäftigten könnten sich bisher nicht auf solche Regelungen berufen.

Bsirske wünscht sich deshalb zusätzlich eine Antistressverordnung vom Gesetzgeber. Die Politik müsse dafür sorgen, dass bei der Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz etwa auch die permanente Erreichbarkeit über das Smartphone angemessen berücksichtigt werde. Allerdings ist Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) schon kurz nach Amtsantritt mit ihrem Vorstoß für eine Antistressverordnung bereits am Widerstand von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gescheitert.

Verdi ist optimistisch, dass ein zweiter Anlauf erfolgversprechender würde. Die Gewerkschaft sieht Handlungsbedarf, weil sich laut TNS Infratest mehr als ein Fünftel der Befragten (22 Prozent) durch ihre Arbeitssituation oftmals überfordert fühlen. Fast sechs von zehn gaben an, für ihren Arbeitgeber auch außerhalb der regulären Arbeitszeit per Mail oder Telefon erreichbar zu sein. 42 Prozent fühlen sich dadurch gestresst. Bsirske verwies auf eine Erhebung der Krankenkasse DAK, der zufolge heute schon knapp 15 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten psychische Ursachen haben.

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