Verdi-Urabstimmung
Unbefristeter Kita-Streik beginnt am Freitag

An den Kitas in Deutschland soll ab Freitag unbefristet gestreikt werden. Das kündigte Verdi-Chef Frank Bsirske nach einer Urabstimmung an. Rund 93 Prozent der Beschäftigten sprachen sich für den Arbeitskampf aus.
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BerlinEltern müssen sich ab Freitag deutschlandweit auf unbefristete Streiks in Kindertagesstätten, Behindertenwerkstätten und anderen Erziehungseinrichtungen einstellen. „Es kann nicht angehen, dass für den gekonnten Umgang mit Maschinen deutlich mehr verdient wird als für den gekonnten Umgang mit unseren Kindern“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Mittwoch vor der Bundespressekonferenz in Berlin. Zuvor hatten 93,4 Prozent der Verdi-Mitglieder in einer Urabstimmung für den Ausstand gestimmt. Auch die Erziehungsgewerkschaft GEW und der Beamtenbund rufen ihre Mitglieder zum Streik auf. Das Votum sei ein klarer Beleg, „dass die Beschäftigten nicht länger bereit sind, sich mit schönen Worten abspeisen zu lassen“, sagte der Verdi-Chef.

Die kommunalen Arbeitgeber seien auch nach fünf Verhandlungsrunden nicht zu einer generellen höheren Eingruppierung für 240.000 Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe bereit, die den Beschäftigten im Durchschnitt zehn Prozent und in der Spitze sogar 21 Prozent mehr Geld bringen würde. Stattdessen habe die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) lediglich eine Aufwertung einzelner Gruppen, etwa von Kita-Leitungen, angeboten, die zu Gehaltsverbesserungen zwischen 27 bis 39 Euro im Monat geführt hätte.

In den Kindertagesstätten seien die Anforderungen aber insgesamt gestiegen, für jedes Kind werde heute etwa ein eigener Bildungsplan erstellt, erläuterte Bsirske. Die Erzieherinnen hätten es mit Kindern von Eltern zu tun, die schon genug Schwierigkeiten mit sich selber hätten. Auf der anderen Seite aber auch mit Eltern, die ihr Kind mit zwei Jahren in der Kita abgeben und erwarten, es mit 18 wieder aus dem Bildungssystem abholen zu können. Diese Spannbreite der Anforderungen müsse sich endlich auch in der Bezahlung widerspiegeln. Der Qualifikationsrahmen entspreche mittlerweile dem Niveau eines Bachelor-Abschlusses, das habe aber beim Gehalt leider keine Entsprechung gefunden.

Bsirske erwartet starken gesellschaftlichen Rückhalt für die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. Wenn das Bundesfamilienministerium auf seiner Homepage schreibe, dass die frühkindliche Betreuung in Kitas zentral für die weitere Entwicklung eines Kindes sei, dann müsse sich das auch in einer besseren Wertschätzung des Berufsbildes widerspiegeln.

62 Prozent der Jobs in den Kitas seien heute Teilzeitarbeitsplätze „mit eingebautem Zwang zum Zweit- oder Drittjob“, kritisierte Bsirske. Es könne aber nicht sein, dass eine Erzieherin abends noch Putzen oder Kellnern gehe, um über die Runden zu kommen.

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  • erst setzt man die Mütter (Väter weniger) moralisch unter Druck ihre Kleinstkinder in die Kita abzugeben, weil ja nur eine berufstätige Mutter eine gute Mutter ist. Jetzt werden die Kitas bestreikt und die Eltern können zusehen, wie sie das geregelt bekommen. Die Forderungen richten sich gegen den Staat, also gegen die Steuerzahler. Selbstverständlich sollen Erzieherinnen gerecht (?) entlohnt werden, aber sind die Gehälter im Vergleich zu anderen Berufen wirklich so schlecht? Man wird ja nicht Fussballspieler oder Showmaster als Vergleich nehmen wollen. Bevor es nicht eine Schlichtung gegeben hat, solle im öffentlichen Bereich überhaupt nicht gestreikt werden dürfen.

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