Verehrung und Kritik: Guttenbergs skurrile Umfragewerte

Verehrung und Kritik
Guttenbergs skurrile Umfragewerte

Repräsentative Umfragen sehen Guttenberg weiterhin als Liebling der Bürger. In Online-Umfragen hingegen wird mehrheitlich sein Rücktritt gefordert. Forsa-Chef Güllner erklärt den scheinbaren Widerspruch.
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DüsseldorfDie unterschiedlichen Umfragewerte zu Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg geben Rätsel auf. Auffällig ist, dass der Freiherr aus Bayern in repräsentativen Umfragen zwar einbüßt, aber immer noch sehr wohlwollend beurteilt wird. In Online-Umfragen hingegen votiert die Mehrheit der Teilnehmer gegen ihn.

Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer führt Guttenberg die Top 10 der beliebtesten deutschen Politiker weiterhin an – auch wenn der CSU-Politiker an Zuspruch einbüßt. Bei der Einschätzung nach Sympathie und Leistung fiel Guttenberg auf einen Durchschnittswert von 1,4 (zuvor 2,0). Kanzlerin Angela Merkel folgt knapp dahinter, auf Platz drei liegt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

42 Prozent der Bürger halten Guttenberg zwar für politisch dauerhaft beschädigt, eine deutliche Mehrheit (75 Prozent) findet aber nicht, dass er als Verteidigungsminister zurücktreten muss, weil er für seine Dissertation Texte anderer Autoren benutzte, ohne dies zu kennzeichnen. 60 Prozent sehen ihn immer noch für höchste politische Ämter geeignet.

Sämtliche Online-Umfragen ergeben eine deutlich kritischere Einstellung zu Guttenberg und den Plagiatsvorwürfen. Stets votiert eine Mehrheit für Guttenbergs Rücktritt. Einige Beispiele: Bei "Frankfurter Rundschau", "Welt" und der "Süddeutschen Zeitung" waren es jeweils mehr als 80 Prozent. Selbst bei bild.de wollen dies 57 Prozent (Stand: 13.55 Uhr). Erstaunlich ist, dass sich bei einer Telefon-Umfrage der Bild-Zeitung 87 Prozent der Teilnehmer für Guttenberg aussprachen.

Wie lassen sich diese deutlichen Unterschiede erklären?

Forsa-Chef Manfred Güllner sieht sowohl Telefon- als auch Online-Umfragen sehr skeptisch. „Es sind manipulative Instrumente und ergeben gewiss kein repräsentatives Bild.“  Fast immer seien sie von Interessengruppen gesteuert. Bei der telefonischen Ted-Umfrage würden sich vornehmlich Guttenberg-Befürworter melden, ähnlich sei es bei Online-Bewertungen – nur dass sich dort vornehmlich Kritiker des Ministers formierten. Güllner sagt: „Ob ein Teilnehmer ein- oder zehnmal abstimmt, geht aus den Umfragewerten nicht hervor. Die Ergebnisse sind meist manipuliert.“

Die große Zustimmung für zu Guttenberg in repräsentativen Umfragen neigt sich aber auch nach Ansicht von Güllner ihrem Ende entgegen. „Es dauert natürlich eine Weile, bis Guttenbergs Sympathiepanzer abgeschmolzen ist – aber er schmilzt.“ Das zeigt auch das ZDF-Politbarometer. Guttenbergs deutlicher Vorsprung gegenüber anderen Politikern ist fast aufgebraucht.

Gero Brandenburg
Gero Brandenburg
Handelsblatt Online / Redakteur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wie signifikant sind Umfragen:
    Schnelle Umfragen auf den Straße erreichen keine große Breite und eher die Leute die wenig zu tun haben, die Ergebnisse sind keineswegs repräsentativ.
    Telefonumfragen Festnetz erreichen eher die ältere Generation und Leute, die zu Hause rumsitzen.
    Handyumfragen werden kaum gemacht.
    Onlineumfragen erreichen eher die jüngeren und aktiven Menschen und sind, so gesehen, leider auch nicht repräsentaiv.
    Ziemlich klar dürfte aber sein, dass einige Millionen gar nicht wissen, was eine Dissertation bedeutet. Was ist deren Meinung eigentlich in dieser Frage wert?

  • Herr zu Guttenberg,

    Sie haben uns zu tiefst enttäuscht!

    Sie hatten uns Hoffnung auf einen neuen Typus Politiker gemacht. Einer der

    - tatsächlich aufrichtig und ehrlich ist
    - Prinzipien hat, und zwar für die Sache
    - nicht an seinem Stuhl klebt
    - für die Macht und den Machterhalt nicht alles tut
    - jemanden zu dem man Vertrauen haben kann

    Wo sind diese Tugenden geblieben?
    Waren Sie von Anfang an einfach nur ein exterm guter 'Blender'?

    Es tut so weh, von jemanden wie Ihnen so getäuscht, betrogen und letztlich verarscht worden zu sein.
    Bis zuletzt hat man für so jemand wie Sie bei seinen Freunden und Verwandten ein gutes Wort eingelegt, und muss sich jetzt sogar dafür schämen, denn sie hatten alle recht.

    Damit ist das Thema Ehrlichkeit in der Politik ein für alle mal erledigt! Danke, Herr zu Guttenberg.
    Tun Sie das einzige, was Ihnen jetzt noch bleibt: Treten Sie zurück!

    M. Konradt
    Bayern


  • Besonders dann, wenn wissenschaftlich vorgegangen wird, ist mit Manipulationen zu rechnen. Schließlich kennt man ja seine Pappenheimer. Doch ein wesentlicher Teil der Bevölkerung, die Nichtwähler, können von Demoskopen nicht erreicht werden. Viele Menschen können nicht sagen, wer z.B. Bundespräsident ist. Es interessiert einfach nicht. Dafür wissen sie das Geburtsdatum von Lena.
    Dann gibt es einen bedeutenden Personenkreis, deren Kenntnisstand nicht à jour ist und kurz darauf gegensätzlich antworten würden. -Masserträgheit-

    Wer also zu früh fragt, den bestraft das Leben.

    Wie man als Profi vorgeht, weiß ich aus meinem früheren Berufsleben bei Ausschreibung von Bauleistungen. Da gibt es schon einen erheblichen Unterschied bei Jahreszeiten. Dann weiß man aus früheren Angebotsabgaben, wer tendenziell teuer ist und wer billig anbietet. Ich kann mir je nach Wunsch die "richtigen" Anbieter aussuchen.

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