Vereinbarung ab August
Verdi und DBB proben Schulterschluss

Die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst proben den Schulterschluss: Verdi und die zum Beamtenbund gehörende DBB Tarifunion wollen in der kommenden Tarifrunde erstmals als geschlossener Block auftreten.

BERLIN. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bis August eine Kooperationsvereinbarung mit Verdi schließen können“, sagte DBB-Chef Peter Heesen dem Handelsblatt. Verdi bestätigte die Einschätzung. „Wir teilen diese Zuversicht“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Konkret planen die beiden Gewerkschaften neben gemeinsamen Kampagnen und einer angestimmten Lohnforderung erstmals auch eine gemeinsame Verhandlungsführung in den Tarifgesprächen mit den Arbeitgebern.

Damit rüsten Verdi und DBB Tarifunion für das Ziel, in den zum Jahresende beginnenden Tarifverhandlungen für die öffentlich Bediensteten einen lohnpolitischen Kurswechsel durchzusetzen. „Unsere Mitglieder erwarten mit Recht, dass sich bei ihren Einkommen endlich wieder etwas tut“, betonte Heesen. Ein gemeinsames Auftreten sei dabei „ein bewusstes Signal, um auch nach außen Stärke zu zeigen.“ In den vergangenen Jahren hatten die Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine Reihe von Einschnitten hinnehmen müssen, darunter Arbeitszeitverlängerungen und Einschnitte bei Sonderzahlungen. Als Folge einer 2005 vereinbarten Tarifrechtsreform gab es für sie seither keine prozentualen Lohnsteigerungen mehr.

Innerhalb der beiden Gewerkschaften, die traditionell eher in Konkurrenz zueinander stehen, hatte es zeitweilig heftige Widerstände gegen das Kooperationsprojekt gegeben. Die entscheidenden Hürden sind nun aber offenbar überwunden. „Konkurrenz zwischen Gewerkschaften birgt immer die Gefahr, dass man sich gegenseitig schwächt“, betonte Heesen. „Daher würden wir eine große Chance vertun, wenn wir in dieser Runde eine engere Kooperation nicht zumindest einmal testen.“

Die Ansprüche in der Gehaltsrunde bezifferte Heesen mit einem Volumen von „mindestens fünf Prozent“. Dabei erinnerte der DBB-Chef an die jüngste Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach die Regierung für eine faire Beteiligung der Arbeitnehmer am laufenden Konjunkturaufschwung sorgen wolle. „Angesicht weiter steigender Steuereinnahmen gehe ich fest davon aus, dass sich das ausdrücklich auch auf die Beschäftigten im öffentlichen Dienst bezieht“, sagte Heesen.

Die DBB Tarifunion ist mit rund 360 000 Mitgliedern Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst die zweitgrößte Gewerkschaft im Staatssektor. Sie ist eine Schwesterorganisation des Beamtenbundes und gehört damit anders als Verdi nicht zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Die kommende Tarifrunde im öffentlichen Dienst gilt zunächst für die Beschäftigten von Bund und Kommunen. Die Länder-Arbeitgeber hatten im vergangenen Jahr einen eigenen Tarifvertrag für die Landesbediensteten durchgesetzt. Dieser läuft noch bis Ende 2008.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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