Verfassungsschutz
Ex-Terroristin Becker vom Staat bezahlt

Neue Einzelheiten im Fall der früheren RAF-Terroristin Verena Becker. Die derzeit in Untersuchungshaft sitzende Becker soll für ihre Zusammenarbeit mit dem bundesdeutschen Verfassungsschutz bezahlt worden sein.

HB KARLSRUHE. Das erklärt der ehemalige Verfassungsschutz-Beamte Winfried Ridder in einer ARD-Dokumentation über die Mörder des früheren Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Zudem habe es "massenhaft Versäumnisse" gegeben bei den Ermittlungen nach dem Attentat im April 1977, sagte Ridder nach Angaben von SWR-Autor Egmont R. Koch in dem Interview zum Film, der am heutigen Mittwochabend (23.30 Uhr) gesendet wird. Koch bestätigte Medienangaben und übte zugleich Kritik an Bubacks Sohn Michael, der auf eigene Faust ermittelt hatte und Becker für die Schützin hält: "Er hat sich in einer Verschwörungstheorie verrannt und ist beratungsresistent", sagte Koch.

Laut "Bild"-Zeitung sollen sich Mitarbeiter des Verfassungsschutzes mit Becker insgesamt fünfmal in einer konspirativen Wohnung in Köln getroffen haben. Sie soll dem Verfassungsschutz Hinweise zur Festnahme der Terroristen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar gegeben haben. Dem Bericht zufolge informierte sie den Verfassungsschutz möglicherweise auch über Sprengvorrichtungen der RAF und über sogenannte Vollversammlungen der RAF-Kommandoebene, bei denen festgelegt wurde, wen die RAF als Nächsten ermorden wollte. Zudem soll sie Stefan Wisniewski als den Todesschützen beim Buback-Attentat benannt haben.

Becker war am vergangenen Freitag in Untersuchungshaft genommen worden. Sie soll an dem Anschlag auf Buback in der Karlsruher Innenstadt beteiligt gewesen sein.

Auch SWR-Autor Koch hält nach seinen Recherchen den früheren RAF-Terroristen Wisniewski für den wahrscheinlichen Schützen auf dem Tatmotorrad. "Ich habe bei meiner Arbeit an dem Film keinen Anlass gefunden, an der Aussage von Frau Becker zu zweifeln", sagte Koch der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zudem sei der bisher verdächtigte Knut Folkerts Linkshänder, die Schüsse sollen nach Zeugenaussagen aber von der rechten Seite her abgegeben worden sein.

Unter dem Titel "Bubacks Mörder - auf der Spur eines ungeklärten Verbrechens" widmet sich die ARD-Dokumentation Kochs dem Attentat vor 32 Jahren. Nach der Verhaftung Beckers Ende der vergangenen Woche war die ursprünglich für Ende September geplante Sendung auf diesen Mittwoch vorverlegt worden.

Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch die Herausgabe bislang gesperrter Geheimdienstakten zum Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback beantragt. Der Antrag sei an das Bundesinnenministerium gestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe auf Anfrage. Die Ermittler erhoffen sich von den bislang gesperrten Buback-Akten des Verfassungsschutzes weitere Hinweise auf eine mögliche Tatbeteiligung der vor kurzem verhafteten ehemaligen Terroristin Verena Becker an dem Attentat im April 1977. Die Durchsuchung der Wohnung Beckers habe "eine neue Erkenntnislage" erbracht, hatte die Anwaltschaft Anfang der Woche mitgeteilt.

Die Umstände des von RAF-Terroristen in Karlsruhe verübten Attentats auf Buback und zwei Begleiter sind nach wie vor ungeklärt. Das Bundesinnenministerium lehnt eine Freigabe der Akten bislang ab, wird aber einen Antrag auf Freigabe nach Auskunft eines Sprechers prüfen.

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