Vergleich mit AKW-Demos
Sarrazin wettert gegen Taksim-Demonstranten

Die Demonstranten in der Türkei lassen nicht locker. Am Wochenende protestierten sie wieder gegen ihre Regierung. Thilo Sarrazin kann dem Aufstand nichts abgewinnen und stellt die Anliegen der Protestierenden infrage.
  • 36

BerlinDer frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat den Demonstranten in der Türkei abgesprochen, mit ihren Protesten eine Modernisierung des Landes erreichen zu wollen. „In der Summe halte ich die Proteste bis zum Beweis des Gegenteils für ein Wiederaufleben des Konflikts zwischen Säkularisten und Islamisten, der die Türkei seit dem Untergang des osmanischen Reiches beherrscht“, schreibt Sarrazin in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan scheine dies ähnlich zu sehen. „Sonst hätte er nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“

Sarrazin verglich die Proteste mit AKW-Demonstrationen in Deutschland. Zwar habe er Erdogan, dessen Nationalismus und die von ihm betriebene islamistische Entsäkularisierung der Türkei noch nie gemocht. „Seine maßlosen Äußerungen, sein ungeschicktes Verhalten und die von ihm offenbar gebilligten polizeilichen Übergriffe bei den Vorgängen rund um den Taksim-Platz in Istanbul haben ihn jetzt ein Stück weit entlarvt und entzaubert“, ist Sarrazin überzeugt. „Aber wo bitte ist auf der Seite der Protestierenden der prinzipielle Unterschied zu früheren Vorgängen in Deutschland um die Hafenstraße in Hamburg oder bei vielen AKW-Demonstrationen?“

Am Wochenende war es auf dem Istanbuler Taksim-Platz erneut zu Auseinandersetzungen gekommen. Die Polizei hatte daraufhin den Platz unter dem Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas geräumt. Dort hatten sich erneut mehrere zehntausend Menschen zu Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdogan versammelt. Auch in der Hauptstadt Ankara gab es neue Proteste.

In Köln demonstrierten am Samstag etwa 30.000 bis 40.000 Menschen gegen Erdogan. Redner forderten dessen Rücktritt und Neuwahlen. Transparente trugen Aufschriften wie „Erdogan, der Wolf im Schafspelz“. Die Kundgebung stand unter dem Motto „Überall ist Taksim“. Organisiert wurde sie von der Alevitischen Gemeinde Deutschland, einer liberalen islamischen Gemeinschaft. Die Polizei sprach von einem „erfreulich friedlichen Verlauf“ der Kundgebung.

Seite 1:

Sarrazin wettert gegen Taksim-Demonstranten

Seite 2:

Umstrittene Sarrazin-Thesen zu Türken und Arabern

Kommentare zu " Vergleich mit AKW-Demos: Sarrazin wettert gegen Taksim-Demonstranten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sarrazin zum Mittelstand zu zählen ist eine Beleidigung des gesamten Mittelstandes. Die Frage von was bezahlt er Steuern von seinen Pensionen (Steuergelder), die der Mittelstand und auch die Geringverdiener erwirtschaften. Die Gelder von seinem Buch, ist doch nur ein Versagen dieses sog Rechtsstaates. Schreibtischtäter mit Beamtentitel lässt man in Ruhe.

  • Dieser "Mensch" hat nie in seinem Leben etwas positives für andere Menschen getan. Wie kann man Sachverhalte so verallgemeinern. Die Leute, die ihm folgen haben aus der deutschen Vergangenheit rein gar nichts gelernt (Weil die Kapazität fehlt?)

  • Sarazenen hat völlig Recht mit seiner Analyse der Geschehnisse in der TR.Es ist ein A.ufstand der Säkularen gegen die Islamisierung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%