Vergütungen
Krankenhausreform wird heimlich nachgebessert

Eigentlich sollte die Krankenhausreform Ärzten und Krankenhäusern höhere Vergütungen bescheren, doch eine winzige Bestimmung im neuen Gesetzwerk könnte die Pläne ins Gegenteil verkehren. Mit einem eilig gezimmerten Zusatz will Ulla Schmidt Kürzungen der Klinikvergütungen verhindern, doch mit ihrem Vorstoß sind nicht alle Probleme gelöst.

BERLIN. Als im Frühjahr 2008 Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) Ärzten und Krankenhäusern ab diesem Jahr höhere Vergütungen versprach, war die Begeisterung bei den Leistungsanbietern groß. Inzwischen ist zumindest in den Arztpraxen Ernüchterung eingekehrt. Denn statt der versprochenen 2,7 Mrd. Euro mehr brachte die mit den Kassen ausgehandelte Honorarreform den Ärzten nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nur etwas über eine Milliarde Euro mehr. Und die wird auch noch so verteilt, dass vor allem bisher überdurchschnittlich gut bezahlte Mediziner etwa in Bayern sogar mit Honorarkürzungen zu Recht kommen müssen.

Etwas ähnliches droht nun auch bei den Krankenhäusern. Die 2 100 zum Teil notleidenden Kliniken sollten durch die am Freitag im Bundesrat verabschiedete Krankenhausreform eigentlich 3,5 Mrd. Euro mehr erhalten. So sollen sich die Krankenkassen mit 1,35 Mrd. Euro an den stark gestiegenen Tarifentgelten für Ärzte und Pflegepersonal beteiligen. Kliniken, die in den nächsten drei Jahren neue Pflegekräfte einstellen, erhalten 90 Prozent der Kosten von den Kassen erstattet. Maximal 17 000 zusätzliche Pflegestellen sollen so gefördert werden. Doch viele Kliniken müssen nun befürchten, dass sie statt mehr weniger Geld als 2008 von den Krankenkassen bekommen.

Schuld daran ist eine winzige neue Bestimmung in dem Gesetzeswerk. Sie ermöglicht es den Krankenkassen bei der Verhandlung über die Vergütungserhöhungen für das laufende Jahr statt des Landesbasisfallwerts des vergangenen Jahres den Durchschnitt der individuellen Vergütungen in den Kliniken eines Landes zu Grunde zu legen. Dieser Durchschnitt liegt aber in der Regel unter den für 2008 ausgehandelten Landesbasisfallwerten.

Die jährlich neu auszuhandelnden Landesbasisfallwerte dienen seit 2000 als Richtgröße für die Höhe der diagnosebezogenen Fallpauschalen. Das ist die Vergütung, die die Kliniken für die Behandlung einer Krankheit etwa eines Schlaganfalls oder einer Hüftoperation erhält. Sie sind noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, sollen aber in den nächsten Jahren schrittweise an einen neuen bundeseinheitlichen Basissatz angeglichen werden.

Seite 1:

Krankenhausreform wird heimlich nachgebessert

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%