Verhandlungen
Experten erwarten hartes Tarifjahr

Die Lokführer drohen bereits mit weiteren Streiks, die IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn, die Beschäftigten in der chemischen Industrie und im Öffentlichen Dienst werden sich dank der guten Konjunktur kaum mit weniger zufrieden geben. Experten sind sich daher sicher: Die Tarifverhandlungen werden im kommenden Jahr alles andere als einfach.

HB FRANKFURT. Die ersten Lohnforderungen für 2008 lassen ein hartes Tarifjahr erwarten. Für die florierende Stahlindustrie verlangt die IG Metall acht Prozent mehr Geld. Die Beschäftigten der chemischen Industrie sollen bis zu sieben Prozent mehr Entgelt bekommen. Und im Öffentlichen Dienst will die Gewerkschaft Verdi ebenfalls acht Prozent mehr Lohn und Gehalt erkämpfen.

Wirtschaftsforscher rechnen angesichts dieser hohen Forderungen mit dem stärksten Anstieg der Tarifvergütungen seit fünf Jahren, der im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt etwa drei Prozent erreichen könnte. „Die Zeiten ultra-niedriger Abschlüsse sind vorbei“, meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Die gute Konjunktur hat schon 2007 die Tarifabschlüsse nach oben getrieben. In vielen Branchen von der chemischen Industrie über das Baugewerbe bis zum Versicherungsgewerbe stand eine drei vor dem Komma. In der boomenden Metall- und Elektroindustrie wurden sogar 4,1 Prozent zur Jahresmitte abgeschlossen. Doch eine „Tarifwende auf breiter Front“ kann das Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung nicht erkennen: „Gesamtwirtschaftlich wird es wohl eine rote Null geben“, sagt sein Leiter Reinhard Bispinck. Die durchschnittlichen Tarifsteigerungen von etwa 2,0 Prozent über alle Branchen würden von der Jahresteuerung in etwa gleicher Höhe fast aufgefressen. Deshalb werden die Reallohnsteigerungen nur minimal ausfallen.

Damit bei den Beschäftigten mehr Geld ankommt und der private Konsum gestützt wird, haben die Gewerkschaften 2008 vor allem die Inflation im Blick: Nach Schätzungen der Bundesbank werden die Verbraucherpreise zunächst auf hohem Niveau verharren, bevor sich der Preisauftrieb im Jahr 2009 etwas abschwächt. Gleichzeitig sagt die Bundesbank eine Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs voraus, wenn auch mit langsamerem Tempo. Vor diesem Hintergrund rechnet die Bundesbank „nach einer längeren Phase ausgeprägter Lohnmoderation“ mit wieder stärker steigenden Tarifverdiensten. Einschließlich der Stufenvereinbarungen aus diesem Jahr und den Neuabschlüssen wird angenommen, dass die gesamtwirtschaftlichen Tarifverdienste in den Jahren 2008 und 2009 jeweils um 2,5 Prozent steigen.

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