Verhandlungen über Große Koalition
Müntefering beharrt auf Kanzlerschaft

Die Hoffnung auf die rasche Bildung einer großen Koalition währte nur Stunden: Am Montagnachmittag war Bundeskanzler Schröder (SPD) von seinem unbedingten Anspruch auf das Kanzleramt abgerückt. Am Abend ruderte Parteichef Müntefering zurück.

HB BERLIN. Die SPD geht nach Worten von Parteichef Franz Müntefering in die nächsten Sondierungsgespräche mit dem unveränderten Anspruch, dass Gerhard Schröder Bundeskanzler bleibt. Die SPD sei fest überzeugt, dass Schröder in diesem Amt weiter hohes Ansehen genießt, sagte Müntefering am Montagabend nach einer Sondersitzung des SPD-Präsidiums in Berlin.

Nur Stunden vorher hatte Schröder beim Fernsehsender RTL den möglichen Verzicht auf die Kanzlerschaft angedeutet: "Es geht nicht um meinen Anspruch, schon gar nicht um meine Person. Es geht um den politischen Führungsanspruch meiner Partei, und darüber kann nur die Parteiführung befinden." Er fügte hinzu: "Ich werde jede Entscheidung akzeptieren." Er wolle "nicht einer Entwicklung zur Fortführung des von mir eingeleiteten Reformprozesses und zu einer stabilen Regierung in Deutschland im Wege stehen". Schröder hatte nach der Bundestagswahl am 18. September seinen Anspruch formuliert, auch in der kommenden Regierung das Amt des Bundeskanzlers zu übernehmen.

Müntefering sagte am Montagabend, nach dem bisherigen Verlauf der Sondierungsgespräche mit der Union sei eine baldige Aufnahme formeller Koalitionsverhandlungen denkbar. Die SPD halte aber daran fest, mit Schröder als Kanzlerkandidat in die Verhandlungen zu gehen. Alles weitere müsse innerhalb der Verhandlungen geklärt werden. Diese müssten als Verhandlungen zweier annähernd gleich großer Parteien auf Augenhöhe stattfinden. "Wir haben als Partei den Anspruch, sozialdemokratische Politik zu machen, und die mit Gerhard Schröder zu machen. Das ist die Grundlage, mit der wir in die Verhandlungen gehen", sagte Müntefering.

CDU-Generalsekretär Volker Kauder sieht nach dem Wahlerfolg seiner Partei in Dresden den Anspruch von Angela Merkel aufs Kanzleramt gestärkt. Dies sei auch ein Signal an die SPD, sagte er. Bei der nachwahl in Dresden errang die Union einen Sitz mehr im Bundestag. Die SPD siegte dafür bei den Zweitstimmen. Viele Unionsanhänger verweigerten allerdings wohl nur aus taktischen Grünen ihre Zweitstimme der CDU und machten ihr Kreuz bei der FDP.

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