Verhandlungscoach zu Sondierungen „Die Parteichefs müssen stärker durchgreifen“

Kein Twitter, kein Balkon, keine Medien: Das war der Plan der Sondierer. Geklappt hat das nur bedingt. Zwei Verhandlungsexperten über die Gespräche zwischen Union und SPD. Eine Erkenntnis: Merkel hat an Macht verloren.
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GroKo: Sondierer wollen auf Twitter, Balkon und Medien verzichten Quelle: dpa
Unter Beobachtung

Bundeskanzlerin Angela Merkel sondiert schon wieder. Verhandlungsexperten fordern, dass sie stärker durchgreifen muss.

(Foto: dpa)

BerlinFür Thorsten Hofmann und Matthias Schranner ging es oft um Leben und Tod. Als Sonderermittler der Polizei verhandelten sie immer wieder mit Geiselnehmern. Bei den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD ist die Situation zwar nicht so dramatisch. Immerhin aber geht es aber um die Zukunft der Bundesrepublik. Mittlerweile sind Hofmann und Schranner als Verhandlungstrainer tätig – mit schwierigen Auseinandersetzungen kennen sie sich also aus. Wenn sie die Sondierungen beobachten, bleibt ihnen oft nicht mehr als ein Kopfschütteln. „Das läuft schon besser als bei den Jamaika-Verhandlungen“, sind sich beide im Gespräch mit dem Handelsblatt einig. „Aber wirklich gut ist das noch nicht.“

Dabei war die Idee der Unterhändler aus Sicht der Verhandlungsexperten genau richtig: kein Twitter, keine Balkonbilder, keine Neben-Sondierungen per Interview. Das hatten die Parteien im Vorfeld der Gespräche vereinbart – nichts sollte an die missglückten Jamaika-Runden erinnern. Zwischenstände sollten nicht an die Öffentlichkeit dringen, nur ein Vertreter der Parteien dürfe am Tagesende ein kurzes Statement geben und spätestens in der Nacht zu Freitag, so der Plan, müsse zu Ende sondiert sein.

„Genauso sollten Verhandlungen ablaufen“, sagt Schranner. „Eine totale Nachrichtensperre und ein fest abgesteckter zeitlicher Rahmen sind wichtig.“ Zudem sollten eher die Gemeinsamkeiten betont werden und nicht die Gegensätze, erklärt Schranner, der an seinem Institut in Zürich Coaching-Seminare anbietet.

Soweit die Theorie. In der Praxis funktionierte das allerdings nur anfangs. SPD-Chef Martin Schulz wollte „keine roten Linien“ ziehen, der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer weniger reden und dafür mehr arbeiten. Das war am Sonntag. Schon am Montag sickerten aber die ersten Details der Gespräche durch. Union und SPD, so ließen Sondierer verlauten, rücken vom Klimaziel 2020 ab.

Jamaika-Modus noch nicht abgelegt
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5 Kommentare zu "Verhandlungscoach zu Sondierungen: „Die Parteichefs müssen stärker durchgreifen“"

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  • Noch hält die Herrschaften das Geld von der EZB oben ab er die nächste echte Krise kommt bestimmt, dann muß der Steuerzahler zusätzlich für Schandtaten von heute aufkommen, Millionen von Gästen warten dann auf ihr Geld plus die Arbeitslosen.
    Die heutigen Pharisäer liegen dann am Strand mit ihren Pensionen und betrachten ihr Werk aus der Ferne und lassen Bücher über ihre wertvolle Arbeit schreiben.

  • Hofmann und Schranner? Verhandlungsexperten mit Geiselnehmer - Erfahrung. Sind ja tolle Erkenntnisse aus dem kriminellen Millieu für die Gestaltung unserer politischen Zukunft. Was kostet es oder wie schafft man es auf Handelsblatt online so eine Werbeplattform für ein völlig unbekanntes Beratungsunternehmen zu bekommen?

  • Fleissig, ehrlich, hart, stark, Professionel , mit Willen, mit Vertrauen, für das Land, für die Deutschen, mit Ehrgeiz, das Beste für das Land und mit Kompetenz.

    Die Schlagworte Sondierer benutzen täglich diese Worte und doch erkennt man daran die Angst vor einer Regierung ,.Die Probleme in Deutschland sind
    Gesellschaftlich nicht mehr zu reparieren.

    Die Sicherheit allein, ein großes Staatsversagen und ein wichtiges Thema das man erst nicht anfast. Für Flüchtlinge 20 Milliarden Euro pro Jahr , Erzieherinnen und Pflegekräfte werden ausgebeutet wie viele andere. Man kann nicht mehr alles aufzählen wo es einen Stillstand gibt . Aber je mehr Schlagwörter fallen liebe Leute, um so ernster steht es um Deutschland. Hat nichts mit der Wirtschft zu tun, die läuft auch im Krieg meistens besser weiter als vorher. Vielleicht sollten unsere Sondierer einen Freund fragen in der Türkei , der
    schon viele seiner Bürger bei uns hat ob er nicht das Land vielleicht regieren will.

  • Die Politiker nehmen sich so wichtig, dass sie denken es ist ihre Privatsache. Und mit dem Denken hapert es meistens im Alter. Hier muß eine Erneuerung her und zwar mit neuen jungen dynamischen Kräften, denen die Zukunft Deutschlands am Herzen liegt und nicht die Höhe der Diäten. Neuwahlen !!!

  • Es tut mir sehr leid, aber die Tipps der Geiselnehmer-Verhandler machen keinen Sinn im politischen Umfeld. Zum einen hat das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen wohl eher an den unüberrückbaren Unterschieden zwischen den Verhandlungspartnern gelegen als an der Geschwätzigkeit und den Balkonfotos. Wären die politischen Programme kompatibel gewesen, dann würden die zitierten "Experten" jetzt behaupten, dass "gerade" wegen der Geschwätzigkeit und den Balkonfotos alles geklappt hätte. Zum anderen: was die Parteien da verhandeln geht uns Bürger an. Es geht nicht darum, eine Geisel rauszuhauen, sondern - im Idealfall - größtmögliche Transparenz herzustellen. Es ist eben keine Privatsache, was da besprochen wird. Angesichts dessen müsste man natürlich eine andere Art der Informationspolitik machen.

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