Verkehrsministertreffen
Initiative für Gigaliner-Stopp gescheitert

Eine Initiative für den Stopp des geplanten Feldversuchs mit Gigalinern ist auf der Verkehrsministerkonferenz knapp gescheitert. Ein Antrag zum Verzicht auf den Test fand keine Mehrheit.
  • 5

KölnIm Streit um den geplanten Feldversuch mit Gigalinern auf deutschen Straßen ist auf der Verkehrsministerkonferenz eine Initiative für den Stopp des Vorhabens knapp gescheitert. Ein Antrag, den Bund zum Verzicht auf den Test mit den bis zu 25 Meter langen Lkw aufzufordern, fand bei jeweils acht Ja- und Nein-Stimmen keine Mehrheit, wie Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) nach Abschluss der Konferenz am Donnerstag in Köln mitteilte. Zugleich äußerten die Verkehrsminister in einem Beschluss verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Absicht des Bundesverkehrministeriums, den Versuch am Bundesrat vorbei zu starten.
Bisher ist die Länge von Lkw in Deutschland auf maximal 18,75 Meter begrenzt. Gigaliner dagegen können 25 Meter lang sein und damit deutlich mehr Güter transportieren. Ihr Einsatz ist schon seit langem umstritten und wird unter anderem von großen Flächenländern wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg abgelehnt. Die Bundesländer, die sich gegen Gigaliner ausgesprochen haben, sollen von dem geplanten Feldversuch ausgenommen werden.
Nach den Zugausfällen und Verspätungen bei der Deutschen Bahn (DB) im vergangenen Winter forderten die Verkehrsminister auf ihrem zweitägigen Herbsttreffen erneut Minimalstandards für den Schienenverkehr bei Extremwetter. Entsprechende Mindestanforderungen müssten vom Bund in Zusammenarbeit mit der Bahn und den Ländern erarbeitet werden, heißt es in einem Beschluss der Konferenz. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, sagte dazu, die DB habe dem Winter den Kampf angesagt. Notwendig sei eine Qualitätsoffensive, die „kein Papiertiger“ sei.
Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte vor einem Monat die Einschätzung geäußert, dass auch im bevorstehenden Winter wieder Züge unpünktlich oder gar nicht kommen. Aufgrund fehlender Reservezüge werde der Fahrplan im Winter erneut „eine extreme Herausforderung“, sagte Grube nach einem Treffen mit Herstellern bei Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Grube kündigte an, die Bahn werde Vertragsstrafen gegen ihre Lieferanten geltend machen. Bomba sagte nach Abschluss der zweitägigen Verkehrsministerkonferenz, Ramsauer lasse sich alle vier Wochen von Bahn und Zulieferern über den Sachstand informieren. Im vergangenen Winter hatte das Wetter der Bahn wochenlang schwer zu schaffen gemacht. Viele Züge fielen ganz aus oder waren zum Teil erheblich verspätet.
Über den umstrittenen Vorstoß von Ramsauer für eine Pkw-Maut auf Autobahnen gab es während der Verkehrsministerkonferenz „weder eine Abstimmung noch einen Beschluss“, wie der Vorsitzende des Gremiums, Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger(SPD). „Die Frage der zukünftigen Finanzierung unserer Verkehrsinfrastruktur reduziert sich nicht auf die Frage, ob eine Pkw-Maut eingeführt werden soll oder nicht“, unterstrich Vogelsänger. „Sie stellt sich insgesamt und auch für alle Verkehrsträger.“
Die Minister stellten demnach mit Sorge fest, dass beim Erhalt und bei der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur bei Bund, Länder und Kommunen eine gravierende finanzielle Unterdeckung bestehe.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verkehrsministertreffen: Initiative für Gigaliner-Stopp gescheitert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was bekommt Herr Ramsauer dafür ?
    dieser Minister kommt dem Steuerzahler richtig teuer.
    Die Straßen werden durch das Gewicht der Gigaliner übermäßig belastet und gehen viel schneller kaputt.
    Brücken sind für dieses Gewicht übehaut nicht ausgelegt.
    Der Verkehr wird aufgehalten weil diese Fahrzeuge niemand überholen kann.Überholversuche könnten schwere Unfälle nach sich ziehen.Auch das neue Puntesysthem ist der größte Schwachsinn.Als Minister muss man eben im Gespräch bleiben egal mit welchen Unfug.Erst mal handeln und dann überlegen.Ein Misst nach dem anderen wird da ausgebrütet.
    Der Wahnsinn.

  • Na,also hier wär es gut,wenn sich Speditionen und LKW-Fahrer miteinbringen würden.Im Transportgewerbe gibt es AUCH in D schon längst ganz andere Größen und Gewichtsklassen,die der Bürger garnicht wahrnimmt.Ich seh kein Problem mit dem Gigaliner und würd den SOFORT fahren,da ich Klasse 2 kann.Die Leser hier dürfen nicht glauben,daß hier die Gigaliner fahrlässig in Betrieb genommen werden.Achslasten.Ladungssicherung usw spielen eine wichtige Rolle.Was die Tragfähigkeit von AB-Brücken betrifft.In D fahren oft Schwertransporte.Strecken werden IMMER vorher geplant.So auch nun mit Gigalinern.Dürfte zudem nicht schlimmer sein,als mit Jumbo-Tandem in der Schweiz zu fahren ;-)

  • 1. Frage: Welche Länder haben wie abgestimmt?
    Wäre doch interessant zu wissen !
    2. Wenn so ein Monster einen schweren Unfall hat, sind die Folgen bei der Größe und Masse unabsehbar! Stehen dann die Herren Verkehrsminister dafür gerade?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%