Verkehrspolitik
Die Verkehrswende wird kostspielig

Experten fordern höhere Preise und Verbote, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Der Endenergieverbrauch soll 2050 im Vergleich zu 2005 40 Prozent niedriger sein. Das wird nicht billig.
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BerlinZweiundvierzig Experten saßen im Bundesverkehrsministerium beisammen, um über den Verkehr von morgen zu reden. Wie kann Deutschland bis 2050 mindestens 40 Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr einsparen? Chancen und Risiken diskutierten die Verbändevertreter, Unternehmer und Beamten. Schnell stand fest: Eine „Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie für Deutschland“ bedeutet nicht nur effiziente Motoren und Elektroautos. Die freie Fahrt für freie Bürger dürfte auch der Vergangenheit angehören.

„Das Klimaziel erreichen wir nicht allein durch Technologien“, sagt Wolfgang Schade, Verkehrsexperte beim Fraunhofer-Institut in Karlsruhe. Er hatte in der Runde Mitte März Szenarien skizziert. Ein Drittel des Ziels sei nur über neues Verhalten zu erreichen. Nötig sei „ein Bündel von Maßnahmen“.

Schade berät auch die EU-Kommission. Die hatte bereits im vergangenen Jahr mit ihrem Weißbuch für Wirbel gesorgt. Darin ist etwa vorgesehen, dass ab 2050 in europäischen Städten keine Autos mit fossilen Antrieben mehr fahren dürfen. Auch sollen mehr Verkehr über die Schiene abgewickelt und Regionalflughäfen stillgelegt werden. Auch von höheren Energiesteuern ist die Rede.

Schade empfiehlt, die Spritpreise kontinuierlich über die Mineralölsteuer zu erhöhen. Im Gegenzug würden Preisschwankungen über die Steuer ausgeglichen. Der Verbraucher wüsste dann, dass die Preise alle zwei bis drei Monate um einen Cent je Liter steigen. „Dann hätte man ein eindeutiges Signal“, sagt Schade. Entweder würden die Menschen sparsamere Autos kaufen oder Alternativen wählen. „Es geht darum, die Emissionen schnell zu reduzieren“, sagt Schade.

Die Zeit bis 2050 ist knapp, während der Güterverkehr schnell wächst. Auch die Umweltverbände plädieren deshalb dafür, das Verhalten drastisch zu beeinflussen. Nötig sei ein „Gemisch aus Geboten, Verboten, Anreizen und Abgaben“, sagt Dietmar Oeliger, Verkehrsexperte beim Naturschutzbund. So fordert der Bund, die Emissionsgrenzwerte für Autos weiter abzusenken auf maximal 80 Milligramm je Kilometer und Fahrzeug – und auf 60 Milligramm im Jahr 2025. „Beides ist machbar und notwendig“, sagt Oeliger.

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  • Die "Verkehrswende" hat auf den Strassen längst begonnen. Würden sich die Politiker aus ihrem abgeschirmten Regierungsviertel in Berlin begeben, würden sie innerhalb von 10 Minuten vermutlich so an die 50 Fahrradfahrern begegnen, von denen 10% unter völliger Duldung der Polizei das machen, was bei Autofahrern als "Fahrerflucht" bezeichnet wird (anfahren und abhauen). Dazu würden sie so an die 100 widerrechlich in Parkverboten abgestellte Fahrräder sehen, auch unter völliger Duldung der Polizei der Hauptstadt.

    Leider bleiben unsere Politiker lieber in ihrer Traumwelt, in der man die "bösen" Autofahrer immer "noch ein bischen" mehr ausnehmen kann.

  • @Vandale: Ich würde mal sagen das Fukushima ein SEHR teurer Industrieunfall sein wird der die japanische Volkswirtschaft noch über Jahre negativ belasten wird. Dagegen war der Unfall der Deep Water Horizon Pillepalle.
    Was Sie da betreiben ist gezielte Desinformation (ohne Fakten). Ich halte mich lieber an Messwerte und die sehen so aus:
    Die stärkste Hiintergrundstrahlung im Schwarzwald ist wohl diese:
    http://odlinfo.bfs.de/cvdata/083370490.php
    mit 0,18 µSv/h was aufs Jahr etwa 1,5 mSv sind.
    In Fukushima gibt es am Rand der Evakuierungszone Bereiche die eine Belastung von 11µSv/h haben. Das sind 96 mSv/Jahr.
    http://blog.safecast.org/worldmap/#/?&stv=true&mv=true&st=true&cc=#5aa2d2&mz=10&lat=37.35465051885549&lng=140.53833007812497
    Zudem sind die Langzeitfolgen der Belastung mit radioaktivem Jod-131 erst in ein paar Jahren sichtbar. Es werden wohl viele Japaner an Schilddrüsenkrebs erkranken.
    In Japan hat man Glück gehabt, dass der Wind zu Beginn des Unfalls in Richtung Meer geweht hat. Sonst wäre die Situation wesentlich schlimmer.
    Wie solch ein "Industie-Unfall" sich in einem dicht besiedelten Gebiet wie um Neckarwestheim oder Phillipsburg auswirken würde, will ich mir gar nicht vorstellen.

  • Das Problem ist einfach, dass immer noch zu Viele das Auto benutzen obwohl sie es nicht müssten, aber sie können es sich leisten.
    Wenn man nun einfach die Spritpreise erhöht,
    dann trifft man die, die wirklich auf ihre Auto angewiesen sind.

    Und was das "EIKE" betrifft sollte man sich zuerst einmal über diese leute informieren, bevor man hier von unabhängiger Information spricht ! ; -)

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